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Sächsischer Künstlerbund macht erneut auf prekäre Lage bildender Künstler aufmerksam - Hoffnung bei Ausstellungsvergütung, Angst bei Mehrwertsteuer

Sächsischer Künstlerbund macht erneut auf prekäre Lage bildender Künstler aufmerksam - Hoffnung bei Ausstellungsvergütung, Angst bei Mehrwertsteuer

Das Thema ist nicht neu, im Gegenteil. Allerdings verwundert das stagnierende Moment schon, wenn es um die Ausstellungsvergütung von Künstlern geht. Dahinter steckt, vereinfacht gesagt, die Bezahlung eines Künstlers bereits dann, wenn er oder sie eine Ausstellung eigener Werke zeigt.

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Scheuklappen? Mitnichten. Künstlerbunds-Chefin Lydia Hempel mit dem Aktionstag-Logo.

Quelle: S. Herzog

Ein entsprechendes Papier des Sächsischen Künstlerbundes spricht in diesem Fall von einer "Dienstleistung", die zu bezahlen sei. Eine wichtige Differenzierung gibt es: Es geht dabei vor allem um Ausstellungen in Arzt- und Anwaltspraxen, bei Steuerberatern, in Restaurants, Bankfilialen, Parteibüros, im Rathaus oder Landtag. Galerien, Museen, Kunst- und Kulturhäuser werden ausdrücklich ausgeklammert.

Anlass für den Versuch, gestern öffentliche Aufmerksamkeit für dieses Thema zu bekommen, war ein bundesweiter Aktionstag unter dem Motto "Kultur gut stärken - Wert der Kreativität". Auch Zahlen wurden beigegeben. Sächsische Künstler verdienen laut einer Erhebung (von 2005, jüngere Daten existieren nicht) mit Verkäufen pro Jahr rund 4633 Euro. Dazu kommen rund 2961 Euro aus künstlerischen Nebentätigkeiten. Bundesweit lag der reine Verkaufserlös pro Künstler bei 5347 Euro (im Jahr 2010).

Dazu kommt aktuell ein weiteres Problem: die Forderung der EU-Kommission an Deutschland, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Kunst von 7 Prozent aufzuheben. Die normale Mehrwertsteuer liegt hierzulande bei 19 Prozent. Künstler fürchten eine weitere Verschlechterung ihrer Situation, sollte es dazu kommen. Politisch ist es jedoch noch eine Hängepartie, auch wenn die Steuererhöhung als sehr wahrscheinlich gilt.

Den gestrigen Aktionstag, zu dem sich rund 40 Teilnehmer am Seetor eingefunden hatten, nutzten Künstler und Künstlerbund, ihre Situation noch einmal in die Öffentlichkeit zu tragen. Lydia Hempel, Geschäftsführerin des Sächsischen Künstlerbundes, wies auf den nächsten Schritt bei der Ausstellungsvergütung hin. "Wir erarbeiten gerade eine Richtlinie, die zeigt, bei welchen Einrichtungen die Künstler welche Summen für eine Ausstellung erhalten sollen", sagte sie. Anfang Juni soll der Landesvorstand darüber entscheiden, dann könne sie auch Summen nennen.

Sachsen wird dabei, trotz ähnlicher Bemühungen in Thüringen, bundesweit zum Vorreiter. Aus Berlin und Rheinland-Pfalz habe es bereits Anfragen gegeben, "das Interesse bei diesem Thema ist definitiv da", erzählte Hempel. 2005 hatte es einmal den Anschein, als könnte all das gar in eine bundesgesetzliche Regelung münden. Doch dann änderten sich die politischen Mehrheiten, das Thema war vom Tisch.

Hempel hat trotz der anhaltenden Hängepartie jedenfalls neue Hoffnung geschöpft. Die baldige Richtlinie solle auch dabei helfen, dass sich Künstler gegenseitig Ausstellungen abspenstig machen, wie der Künstlerbund selbst einräumte. Ein Künstler, der bei einer Anwaltskanzlei 48 Werke ausstellen sollte und dafür über zwei Jahre 100 Euro monatlich bekommen hätte, musste beispielsweise das Feld für einen Kollegen räumen, der all das kostenlos anbot. Wettbewerb oder Dumping?

Bei dieser Gemengelage geht fast unter, dass Dresden für Kunst im öffentlichen Raum endlich wieder einen halbwegs annehmbaren Etat von 100 000 Euro hat. Eigentlich ein gutes Zeichen für bildende Künstler. Weitere sollten folgen. Torsten Klaus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.05.2012

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