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Sachsens Kunstministerin: Kultur ist Luft zum Atmen

Sachsens Kunstministerin: Kultur ist Luft zum Atmen

"Hungry" und "foolish" zu sein, mit Hunger und Neugier, also geistiger Offenheit und Beweglichkeit der Welt zu begegnen, beschrieb Steve Jobs als seine wichtigsten Erfolgsprinzipien.

Von Sabine von Schorlemer

Die eher zufällige Vertiefung in die fernöstliche Kunst der Kalligraphie in jungen Jahren habe ihn seine kreativen Potenziale als Unternehmer und Innovator auf dem Sektor der bits and bytes erst finden und weiterentwickeln lassen. Diese Erfolgsgeschichte zeigt uns: Sowohl für die individuelle Entwicklung eines Menschen als auch für den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang stellt kulturelle Bildung die Grundlage für Kreativität und Innovation dar.

Welchen Beitrag leistet also Kultur für alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Lebens?

Die Möglichkeit, den gesellschaftlichen Wandel auf dem Feld der Kulturpolitik im Freistaat Sachsen zu begleiten und an den vielfältigsten kulturellen Ausdrucksformen hierzulande teilzuhaben, bietet dafür unerschöpfliche Anknüpfungspunkte.

Ein besonderes Anliegen ist dabei die herausgehobene Bedeutung von Kunst und Kultur für die Gestaltung auswärtiger Beziehungen des Freistaates Sachsen gemeinsam mit dem Bund.

Durch unsere exzellenten Kulturbotschafter, wie die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Staatskapelle Dresden, finden wir immer wieder Gelegenheit, mit der Welt in Beziehung zu treten. Auf diese Weise stärkt Sachsen mittels der Kultur die Außenbeziehungen Deutschlands zu anderen Ländern in der einen Welt. Dabei sind es nicht nur die großen Konzerttourneen und Präsentationen in den Museen und Galerien, die diese friedenspolitische Dimension von Kultur entfalten und in anderer Hinsicht buchstäblich Türen öffnen. Man betrachte nicht zuletzt auch die 3. Sächsische Landesausstellung zur via regia in Görlitz, mit der sich Sachsen über die Landesgrenzen sichtbar als weltoffen für Begegnung und in Bewegung präsentierte.

Wir dürfen in diesen Bemühungen der Intensivierung unserer kulturellen Außenbeziehungen, insbesondere auch zu unseren unmittelbaren Nachbarn in Polen und Tschechien, nicht nachlassen. So war es mir auch ein Bedürfnis, die Schirmherrschaft für den Meetingpoint Music Messiaen in der europäischen Doppelstadt Görlitz/Zgorzelec zu übernehmen. Ein Ort, wo Erinnerungskultur und grenzüberschreitende Teilhabe am kulturellen Erbe - hier entstand Olivier Messiaens "Quartett auf das Ende der Zeit" - eine ungeheuer inspirierende Verbindung eingegangen sind. In der Europastadt, wie auch in Gohrisch in der Sächsischen Schweiz, engagieren sich die Musiker der Sächsischen Staatskapelle persönlich und weit über das von ihnen Erwartete hinaus. 2011 konnte in dem Kurort Gohrisch - auch dank seiner kulturbegeisterten Einwohner - ein vielbeachtetes Festival zu Ehren des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch veranstaltet werden. Die musikalische Leidenschaft der Künstler geht hier einher mit einem wunderbaren Beispiel für kulturelles Bürgerengagement. Auch solchem Engagement verdankt der Freistaat seinen kulturellen Reichtum.

Sachsen ist für viele Touristen aus dem Ausland und natürlich auch aus dem Inland besonders attraktiv, steigende Besucherzahlen belegen dies. Mit der Eröffnung der "Türckischen Cammer" im Residenzschloss im Jahr 2010 wurde zugleich offenbar, dass Kultur neben der Stärkung der Außenbeziehungen auch das Anliegen verfolgt, in die Gesellschaft hinein integrativ zu wirken. Dies ist ein Beispiel unter vielen, durch das auch Menschen mit Migrationshintergrund angesprochen werden und das zum wechselseitigen Verständnis im Angesicht vielgestaltiger kultureller Identitäten beiträgt.

Die herausragende Bedeutung der Kultur für den gesellschaftlichen Zusammenhalt müssen bereits die Mütter und Väter der Sächsischen Landesverfassung erkannt haben, sonst wäre Kultur nicht in die Kategorie einer Fundamentalnorm und zum Staatsziel erhoben worden. Der Freistaat Sachsen ist hier beispielgebend, wenn es in Artikel 11 der Verfassung handlungsverpflichtend heißt: "Das Land fördert das kulturelle und künstlerische Schaffen".

Von der Verfassung ist dem Freistaat zudem aufgetragen, die kulturellen Ausdrucksformen des Sorbischen Volkes zu fördern und dadurch auch die Identität dieser Minderheit zu stärken.

Investitionen des Freistaates in seine kulturelle Infrastruktur und die Förderung von Institutionen und Projekten in den Kulturräumen sind gesellschaftliche Bindemittel, welche identitätsstiftend und stabilisierend wirken.

Neben der reichhaltigen Museumslandschaft in Sachsen ist es dabei auch die Musikkultur, die in den Bann zieht. Die intensive und lebendige Pflege musikalischer Traditionen ist in ganz Sachsen wahrlich überwältigend. Dies lässt sich bei den Basisaktivitäten der Musikschulen, Chöre und Orchester "erhören", aber auch in den Spitzenleistungen wahrnehmen, die nicht zuletzt im Umfeld unserer Musikhochschulen und der großen Orchester hervorgebracht werden.

Das Kunstministerium hat in jüngster Zeit zudem neue Initiativen zur Reaktivierung der Ressource Industriekultur gestartet, und längst haben sich auf verschiedenen Ebenen Akteure auf den Weg gemacht, einen gemeinsamen Faden zu spinnen. Sachsen hat seine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung und seinen kulturellen Reichtum einer jahrhundertealten Tradition der Gewerbewirtschaft und Industrie zu verdanken, als eines der Kernländer industrieller Entwicklung auf unserem Kontinent. Dieses Bewusstsein - im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung Sachsens und der Stärkung seiner kulturellen Identität zu pflegen - wollen wir weiter stärken.

Es bedarf für die Legitimation von Kunst und Kultur als staatliche Aufgabe nicht der Suche nach immer neuen - zudem vordergründig mit ökonomischen Argumenten unterlegten - Zweckorientierungen. Die Beobachtung, dass Kultur in vielfältiger Weise über sich hinaus weist, und dadurch zu einem unerlässlichen Bindemittel für den Einzelnen und die Gesellschaft erwächst, macht sie so wichtig wie die Luft zum Atmen. In der Überblendung der hier angesprochenen Wirkungsweisen und Zweckbestimmungen erkennen wir die Kultur als Wert an sich, den es zu schützen, zu pflegen und sorgsam zu entwickeln gilt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2011

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