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Russisches Flair auf der Tanzwoche Dresden

Russisches Flair auf der Tanzwoche Dresden

Da kann man nur staunen und sich wundern, was dem Publikum zur gerade erst eröffneten Tanzwoche Dresden allein schon im Projekttheater an zwei Abenden offeriert wird.

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Das russische Tanztheater Trans-Teatr mit "Full Moon Garden".

Quelle: PR

Zum Beispiel hat die tanzLOOPSkompanie Leipzig in "Drei kurze Stücke" sowohl Choreografien von Jana Ressel wie auch von Inbal Osham im stimmigen Zusammenklang gezeigt. Und die beiden tatsächlich kurzen Arbeiten von Inbal Osham umrahmen quasi das neu entstandene "Balance"-Stück von Jana Ressel. Welches - egal ob kurz oder lang - durchaus noch etwas dichter hätte sein können. Aber Idee und Struktur sind markant, und es gehört zu den Eigenheiten der Choreografin, dass sie ihre Arbeiten unbedingt auch heranreifen lassen kann.

Das Frauentrio mit sehr verschiedenen Tänzerinnen (Undine Förster/Juliane Bauer/Johanna Gebauer), die sämtlich an der Palucca Hochschule für Tanz ausgebildet sind, trifft aufeinander in wechselnden Raumkonstellationen, die in der Wahrnehmung stark beeinflusst werden von einem Video-Raster (Leo Schwarz). Immer wieder spitzt sich die Situation zu, wird ein sachtes Miteinander zum Gegeneinander, behauptet sich die eine oder andere, kommt Scham auf über das eigene, verdrängende Verhalten. Das hat zwar noch ein paar Längen, lohnt aber garantiert die Mühe, weiter daran zu arbeiten. Und die drei Tänzerinnen haben, wie bei allen, auch in Dresden gezeigten Stücken von Jana Ressel, unübersehbar die Chance, individuell zu sein.

Die israelische Tänzerin und Choreografin Inbal Osham erzählt in "Fitting Room" eine vieldeutige Geschichte, wo sie selbst als trauernde Frau eine schwarze Schleppe hinter sich her zieht, an der ein Mann mit ratternder Nähmaschine stetig weiter arbeitet. Dieses Sinnbild mit überraschenden Momenten bricht schließlich auseinander, doch die folgenden Tanzmomente geraten deutlich zu schwach, um den Wandel sinnfällig zu machen.

In "Yellow Bridge" geschieht das Überraschende gleich zu Beginn. Zum innigen Klang eines aserbaidschanischen Volksliedes springt Inbal Osham mit dem Rücken zum Publikum sowie verrückten, verzückten Lauten unentwegt in die Höhe. Dabei assoziiert ihre Stimme alles Mögliche - das Wiegen eines Winzlings oder höchstes Glück im Beieinandersein. Als sie sich den Zuschauern halbwegs zuwendet, legt sie ihr "Kind" ab - einen kleinen Strauß vertrockneter Blumen. Und später wird sie diese völlig zerpflücken, lässt im Wetterleuchten der Seele Zweifel, Ängste, Hoffnungen erahnen.

Sicher ist die Tänzerin und Choreografin Antoinette Helbing manchen reisenden Theaterbesuchen auch noch vom Tanztheater Görlitz bekannt. Nun hat sie sich mit ihrem Stück "Mir schwant es wandelt - sich" im Projekttheater vorgestellt, wofür sie beim Choreografenwettbewerb "Interface V" 2011 in Görlitz den ersten Preis erhielt. Da geht es um Odette und Odile, um Sein und Schein, Existenzformen der "Gespaltenen". Und sie sucht nach szenischen, sprachlichen Entsprechungen, nach Impulsen und Verwandlungen. Diese kommen zwar nicht immer schlüssig herüber, sind in ausgedehnten Wortspielen zuweilen auch überreizt. Aber sie selbst ist authentisch, und das gibt dem Abend ein besonderes Gewicht. Zumal sie als Darstellerin recht markant ist.

Wer sich zu etwas späterer Stunde auch noch mutig auf "Full Moon Garden" mit dem Tanztheater Trans-Teatr aus der Russischen Förderation eingelassen hat, wird es so oder so nicht bereut haben. Denn auf gewisse Weise ist diese Art der Aufführung mit vier Frauen, die unterschiedliche künstlerische Prägungen und Begabungen zu einem geschlossenen Ganzen vereinen, spannend und entspannend zugleich. Es gibt moderne Tanzelemente, deutlich auch Pantomime und zum Schluss eine geradezu jubilierend zur Sonne aufsteigende Stimme. Die wechselnden, auch sprachlich begleiteten Bilder suggerieren Natur in Formen und Farben, zu entdecken ebenso bei russischen Malern. Ein Garten voller Lebenskraft, überraschend in Flora und Fauna, im Spiel mit Sonne und Mond. Da ist genügend Rätselvolles dabei, über das sich in bequemer Sitzposition endlos nachdenken lässt.

Als ich zuvor gefragt hatte, was mich erwarten würde, sagte man mir: etwas Russisches! Und beileibe, es war etwas Russisches. Ganz und gar. Nicht irgendetwas, längst Bekanntes. Mehr eine sprießende Schöpfung, durchweg mit Leib und Seele vorgebracht - durchstrukturiert, professionell. Da kann man nur staunen und sich wundern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.04.2012

Gabriele Gorgas

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