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Royal Canoe kommt in den Beatpol

Kanadisches Sextett Royal Canoe kommt in den Beatpol

Vorsicht, bitte, bei Anreise zum Beatpol am Freitagabend! Die Februar-Glätte birgt Gefahren für den Musikgenuss, denn man wird intakte Beine benötigen an diesem Abend, gute Füße sowieso. Die Musik der kanadischen Royal Canoe zielt genau dorthin und kommt auch dort an.

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Matt Schellenberg, Derek Allard, Michael Jordan, Brendan Berg, Bucky Driedger und Matt Peters sind Royal Canoe (v.l.).

Quelle: PR

Dresden.

Würde das Sextett aus Winnipeg nur die zwölf Stücke des bislang letzten Albums spielen, könnte man sich vor Schweißausbrüchen schon nicht retten. „Something Got Lost Between Here And The Orbit“ (2016, Embassy Of Music), koproduziert von Ben Allen, der schon Animal Collective oder Deerhunter regelte, wäre unter Hochspannungsleitungen kaum zu goutieren. Die Gefahr unerklärter Kurzschlüsse und Einschläge wäre zu groß. Das also die zweite Gefahr …

Royal Canoe sind Matt Peters (Gesang, Keyboards, Akustik-Gitarre), Bucky Driedger (E-Gitarre, Gesang) Matt Schellenberg (Keyboards, Gesang). Brendan Berg (Bass, Keyboards, Gesang), Derek Allard (Drums) und Michael Jordan (E-Drums). Ihre Besetzung ist seit nunmehr über sechs Jahren stabil, veröffentlicht wurden bis heute vier reguläre CDs, „Today We’re Believers“ von 2013 bekam in der Heimat Preise.

„Wir haben sechs paar gesunde Hände und Beine“, sagt Gründer Matt Peters. „Damit kannst du auch live eine Menge anstellen, um einen voluminösen Sound zu kreieren.“ Bandklang als Puzzle - so begreifen sich Royal Canoe im Studio, arbeiten offensiv mit Schichten aus Loops, Beats, Effektpedalen und elektronischen Flächen, funktionieren im Kern als Musikerkollektiv, das man dereinst mühelos unter „Progressive“ gelegt hätte und das heute nicht minder mühelos in Beck, The Flaming Lips, Why?, Alt-J oder Sufjan Stevens Inspiratoren wie Sympathisanten findet, samt deren Anhängerscharen. Für den Bombay Bicycle Club haben sie auch schon eröffnet. Kein Wunder. Matt Schellenberg seinerseits nennt die Beatles, Outkast und Radiohead als Einfluss – auch das ist alles andere als verwunderlich.

Apropos Beck. Dessen Songbook „Song Reader“ – als Langzeit-Sheet-Music-Projekt 2014 erschienen und unter anderem mit Norah Jones, Jack White, Laura Marling, Jarvis Cocker und Marc Ribot, nicht aber Beck selbst als Interpreten – reizten auch Royal Canoe zur freien Adaption. 2013 spielten sie es komplett live auf einem Festival Neuer Musik in Kanada.

Ihr eigenes Material ist lustgespickter Rock’n’Roll und fast zappaesker Pop. Mit großen Gesängen, auch schon mal gesprochen, fetten Arrangements, mit einer dreisten und grenzenlosen Ahnung von experimentellem Jazz, mit gebohnertem Dancefloor, Soundtrack-Versätzen, fulminanten Brüchen und rasanten Wechseln der Tempi. Mit zackigen Bläsern und (Hannah Eppersons) Geige. Verspielt! Verkannt?

Ausgeschrieben ist die Weltpresse jedenfalls noch nicht in Sachen Royal Canoe, gleich gar nicht in Deutschland. Überraschend ist das schon. Man kommt so aber gar nicht erst in Versuchung zu kolportieren. Das Hörgefühl, gleichzusetzen mit Hörgenuss, bleibt unverzerrt, direkt, frisch, unmittelbar.

Und das Bild der Wundertüte muss herhalten. Beim zweiten Dresden-Konzert sowieso, könnte aber sein, dass es immer so bleiben wird. Andere Bands leben schon seit Jahrzehnten genau davon.

Royal Canoe, Freitag, 21 Uhr, Beatpol

Von on Andreas Körner

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