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Regional Rolf Miller: „Wer nichts verstanden hat, der hat’s kapiert
Nachrichten Kultur Regional Rolf Miller: „Wer nichts verstanden hat, der hat’s kapiert
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21:00 14.01.2018
Rolf Miller Quelle: PR
Dresden

Ein Lamborghini in der Schweiz? Oder ein Porsche? Lohnt sich das? Bei Höchstgeschwindigkeit 120 km? Aber selbst ohne Tempolimit wäre es schwer, die Pferdestärken voll auf Touren kommen zu lassen, die Schweiz ist nun mal ein kleines Land. Deutschland ist da einfach größer. Obwohl, es war ja schon mal größer, „umfasste drei Zeit- und zwei Klimazonen“, wie Rolf Miller mit todernster Miene all jene wissen ließ, die am Sonnabend in die Schauburg gekommen waren, um sich Millers Programm „Alles andere ist primär“ anzusehen.

Ein Stuhl, ein Mikro (ein altes, nämlich mit Kabel), recht viel mehr braucht Rolf Miller nicht an Requisiten nicht, den Rest erledigen all die abgebrochenen Sätze, abstrusen Kausalketten und konsequent falsch verwendeten Redewendungen, die Miller seiner Kunstfigur in den Mund schiebt. Herrlich immer wieder auch die Wortschöpfungen, die er so in den Raum stellt: Viagra-Pillen beispielsweise sind „Errega Tabs“. Für große Heiterkeitsausbrüche im Saal sorgen auch diverse Beleidigungen wie „Pfandflaschengesicht“ oder „Standstreifengesicht“.

Miller, der landsmannschaftlich ein „nordbadischer Westfranke“ ist und entsprechend auch so spricht, handelt alles ab, was ihn persönlich interessiert, also auch Fußball. Er kann es sich auch nicht erklären, aber der Fußballmoderator „Béla Réthy hat noch nie das gleich Spiel gesehen wie ich“. In diesem Kontext kommt auch Djoko ins Spiel, Millers serbischer Fußballkollege, der ihm auf die Frage, ob er manchmal Sehnsucht nach der Heimat habe, wissen ließ: „Wenn ich meine Heimat sehen will, dann gucke ich Aktenzeichen XY . . . ungelöst.“ Natürlich erzählt Millers Alter Ego auch, was so Sache ist mit seinen Kumpels Achim und Jürgen. Achim „steht Tür“, obwohl er das gar nicht gelernt hat, sondern nur Security. Aber nun steht er seinen Mann auf der „Türsteherachse Mannheim-Frankfurt-Berlin“, wo er es schon mal mit Leuten zu tun bekommt, deren Blutbild so ziemlich alles an Drogen offenbart – außer Alkohol. Apropos Drogen. Miller ist schon klar, dass so mancher Shisha-Raucher etwas raucht, das „nicht nur Wasser und Pfeife ist“, sondern wo mal eines klar ist: „Senfgas ist Medizin dagegen!“

Immer lässt Miller seine Figur, die wie ein Kneipenbesucher erscheint, der an der Theke vor sich hin labert, verklausuliert und doch frei von der Leber weg schonungslos das aussprechen, was viele im Land denken (und zwar mitnichten nur am Stammtisch), auch da ist er „panikartig entspannt“. So höhnt er ob der Türken, die in Deutschland pro Erdogan auf die Straße gehen: „Freilandhühner demonstrieren für Käfighaltung!“ Ja, da ist viel Zynismus im Spiel, aber von nichts kommt nichts.

Auch sonst ist so manche Wahrheit bitter. Warum kaufen diverse Fußballer wie Ronaldo und sonstige Superreiche Paradise Papers und lancieren am Fiskus vorbei Gelder in Millionenhöhe auf Steueroasen? „Weil es geht!“ Warum hören NSA und andere Geheimdienste die deutsche Regierung ab? „Weil sie’s können!“ Und weil man uns halt nicht traut, könnte ja sein, dass wir den 0 zu 2 Spielstand in puncto Weltkrieg korrigieren wollen. Und auch auf die grassierende Tatort-Manie weiß Miller eine Antwort: „Man muss ,Tatort’ schauen, um zu wissen, was in der Welt passiert!“

Nur zu gern erinnert er sich an die Achtziger und damit seine Jugend, wobei er eigentlich sein eigenes Credo „Wer sich an die Achtziger erinnern kann, der hat sie nicht erlebt“ ad absurdum führt. Damals hat er sich im Rahmen einer Klassenfahrt sogar mal die DDR-Grenze betrachtet, „von der deutschen Seite aus“ natürlich. Auch das ist Miller hoch anzurechnen: Dass er sich nicht anbiedert, keine ostdeutsche Seele streichelt. Er kehrt durchaus genug vor der eigenen altbundesdeutschen Tür. Millers Fazit des in jeder Hinsicht überzeugenden Abends: „Wer nichts verstanden hat, der hat’s kapiert!“

Von Christian Ruf

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