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Roland Zigan und Konrad Maas mit zeitgenössischer Kunst im Kulturpalast Dresden

Wegweisungen ins Innere Roland Zigan und Konrad Maas mit zeitgenössischer Kunst im Kulturpalast Dresden

Der Dresdner Kulturpalast ist schon immer ein Ort und Hort verschiedener Kunstgattungen gewesen, aber noch nie in einer solchen permanenten Fülle wie seit dem Einzug des Dresdner Kabarett-Theaters und der Bibliothek. Diese hat mittlerweile für eine weitere Dimension gesorgt, indem sie der zeitgenössischen Bildenden Kunst Wirkungsräume verschafft hat.

36 aus 120 Porträts von Konrad Maass, zu sehen in den Räumen der Bibliothek im Kulturpalast.

Quelle: Tomas Petzold

Dresden. Der Dresdner Kulturpalast ist schon immer ein Ort und Hort verschiedener Kunstgattungen gewesen, aber noch nie in einer solchen permanenten Fülle wie seit dem Einzug des Dresdner Kabarett-Theaters und der Bibliothek. Diese hat mittlerweile für eine weitere Dimension gesorgt, indem sie der zeitgenössischen Bildenden Kunst (neben der teils umstrittenen, aber denkmalgeschützten am Bau) Wirkungsräume verschafft hat.

Als dauerhafter Wegweiser im doppelten Sinne steht dabei die Skulptur „Schreitender“ des gebürtigen Radebergers Roland Zigan, der seit 2004 als freischaffender Bildhauer in Dresden arbeitet, dessen Arbeiten bislang allerdings eher an prominenter Stelle in Stuttgart, New York oder Chemnitz zu sehen waren als in Dresden. Nun aber wendet sich seine grazile, fragile Figur wie schutzsuchend, um Verhüllung mühend, scheinbar ab von weltlichen wie kirchlichen Mächten, um ins Innere, Geistige zu fliehen. So jedenfalls ist die Bronze, vergrößerte Replik einer Arbeit, im oberen Foyer positioniert: mit den Türmen von Rathaus und Kreuzkirche genau im Rücken. Eine naheliegende Assoziation ist auch im ihr zu Füßen liegenden Besucherbuch belegt: Wolfgang Mattheuers Jahrhundertschritt. War jener allerdings der überzeugt brutal vorwärtsdrängende, alle Fesseln sprengende, gelegentlich über alles

Quelle: Tomas Petzold

hinwegstampfende des 20. Jahrhunderts, scheint der des 21. behindert und gefesselt durch schier unerträglichen Ballast, der wie Bleiplatten oder etwas weiter hergeholt auch dogmatische Bücher an den Fußsohlen hängt. Dabei soll allerdings auch eine weitaus simplere Dimension der Arbeit nicht vergessen sein: Zigan ist von Haus aus Tänzer, war Palucca-Schüler und sechs Jahre am Opernhaus in Halle engagiert, bevor er von da aus direkt zum Studium an die Burg Giebichenstein wechselte. Zigan arbeitet figurativ mit tektonisch oder kristallin gebrochenen Oberflächen, dabei ohne vordergründiges Psychologisieren höchst sensibel. Sein „Milieu“ wie seine sicherlich widersprüchlichen Erfahrungen hat er offenbar mitgenommen; seine an die grazile Körperlichkeit von Tänzern erinnernden Geschöpfe scheinen auch darüber hinaus eng miteinander verwandt, unter mehr oder weniger profanen, schwierigen Bedingungen auf der Suche nach Balance.

Wer der Wegweisung des Schreitenden „ins Innere“ folgt, trifft am Rand der vom eiligeren Medienentleiher vielleicht noch gar nicht wahrgenommen Lesesäle auf der Nordseite auf den ersten Versuch, hier eine Kunstgalerie zu etablieren. Die Hängefläche ist nicht zu klein, verteilt sich auf zwei Etagen, aber was sie nur sehr bedingt anbietet, ist Distanz beim Betrachten. Trotzdem ist in Anbetracht des gravierenden Missverhältnisses von Angebot und Nachfrage diese neue Möglichkeit der öffentlichen Präsentation natürlich nur zu begrüßen.

Der Maler Konrad Maass ist also der erste, und wer ihn zumal auch als Lebenskünstler (ein-)schätzt, wird vielleicht erstaunt sein, auch bei ihm eine Art Jahrhundertprojekt zu finden. Es handelt sich dabei um eine Serie von 120 Porträts, die hier (leider mit störenden Unregelmäßigkeiten) als geschlossener Fries präsentiert sind, als Panorama eines Milieus, wenn man so will, das Maass aus der Sicht seiner selbstinszenierten Boheme interpretiert, durchweg kernige, ungestylte, ungeschönte Gesichter, ganz überwiegend von Frauen, ein Zeitzeugnis, das heißt viel weniger aus der Zeit gefallen, als es der Malerei von Maass ansonsten nachzusagen ist.

Don Giovanni“ von Konrad Maass

Don Giovanni“ von Konrad Maass

Quelle: Tomas Petzold

Die ist nämlich nicht nur fest verwurzelt im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (was man auch von Maass‘ einzigem wichtigen Lehrer Harald Metzkes sagen kann), sondern begibt sich auch nur zu gern nostalgisch verklärend, mit routinierter Delikatesse zu den alten Stätten der Sehnsucht (z.B. nach Italien) oder arrangiert Dinge und Menschen im Atelier nach klassischem Muster, mitunter geradezu ohne jedes Flair von Zeitgeist. Dabei spielt es kaum eine Rolle, dass der Künstler die Formen mit großzügiger Spachtelarbeit auflöst oder abstrahiert – den letzten Schritt zu Klarheit will oder schafft er ohnehin nicht. Aber gelegentlich hat er originelle Ideen, Erlebnisse, Eingebungen außerhalb von Routine, und dann zuckt es wie Blitze, die verarbeitet er mit Engagement in seiner eigenwilligen knurrigen Art: provozierend, direkt, manchmal rätselhaft. Schöne Beispiele dafür sind „Der Raub“ (2017) – eine Anglerin als Akt, frontal erhellt in einer weiten nächtlichen Küstenlandschaft, oder „Don Giovanni“ (2016), eine Szene, die trotz oder gerade wegen der nur winzigen Figuren in einer Kulisse aus riesig wirkenden Faltungen vor Spannung zu knistern scheint – die Faltungen sind ein neuerdings bevorzugter, rein stilllebenhaft nicht immer so überzeugend bewältigter Gegenstand von Maass‘ malerischer Betrachtung. Auch ein überaus üppiger Akt, der trotz der schwelgerischen Präsentation auf blauem Samt vor gelbem Kissen vor allem als unverblümtes Porträt daherkommt, fällt nicht gleich wieder aus dem Bildgedächtnis.

Die Arbeiten von Konrad Maass sind bis 20. Januar zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu besichtigen (Mo-Sa 10 bis 19 Uhr)

Von Tomas Petzold

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