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Regional Rockharz katapultiert sich vom Geheimtipp in die erste Festival-Liga
Nachrichten Kultur Regional Rockharz katapultiert sich vom Geheimtipp in die erste Festival-Liga
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15:57 08.07.2017
Volle Energie am Freitag bei der Show von Pain.   Quelle: Susanne Richter
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Leipzig

 Mit dem Umzug des With Full Force von Roitzschjora nach Ferropolis, in die Stadt aus Eisen und Beton, war dem Osten der einstmals härteste Acker verlustig gegangen. Schon jetzt steht fest: Die Lücke ist binnen zwei Wochen nicht nur gefüllt worden, sondern quillt bereits mächtig über. Oder, wie es „Molle“ Bischoff, Frontmann der Charts-Deather Heaven Shall Burn aus Thüringen, formuliert: „Es macht mich stolz, ein solches Festival im Osten zu haben. Dieser Acker bebt wie kein Zweiter, das ist einfach der Wahnsinn.“

Die Rede ist vom Rockharz-Festival - ein Szenetreffen, das seit Jahren den besten Ruf genießt. Die 24. Auflage findet auf dem Flugplatz Ballenstedt nahe Quedlinburg statt und geizt schon jetzt zahlenmäßig nicht mit Superlativen. 15.000 Besucher - das waren noch einmal 2000 mehr als im vergangenen Jahr und hätten durchaus noch einige Tausend mehr sein können. Vier Wochen vor dem ersten Akkord ausverkauft - das war eine Woche früher als vor Jahresfrist.

Und mit 55 Bands, die in vier Tagen die beiden Bühnen zittern lassen, gibt es auch hier eine Rekordbeteiligung. In Zeiten, in denen die Konkurrenz mit jedem Jahr wächst, genießt das Rockharz damit - neben dem Wacken Open Air und dem Highfield - nahezu ein Alleinstellungsmerkmal.

Rockharz 2017 - vom Geheimtipp in die erste Festival-Liga

„Ihr seid unglaublich!“

Ein Umstand, den Udo Dirkschneider, der mit seinen 65 Jahren schon einiges erlebt hat, bereits am ersten Abend als Headliner fühlen darf. Das ehemalige Accept-Reibeisen hat Metalgeschichte in ganz großen Lettern geschrieben, ist mittlerweile so etwas wie der Dino der deutschen Heavy-Szene. Doch als „Uns Udo“, dieser kleine kahle Mann mit der ausladenden Raspel-Tonlage und den Joe-Cocker-Gedächtnis-Bewegungen, auf dem Rockharz von Tausenden bei „Princess Of The Dawn“ begleitet wird, kann er nur noch „unglaublich, ihr seid unglaublich“ stammeln.

Dirkschneider nimmt sich minutenlang zurück, wischt sich mit dem schwarzen Lederhandschuh über die Augen, lässt das Publikum diesen Song intonieren, der auch schon schlappe 35 Jahre auf dem Buckel hat. Ein Gänsehaut-Moment. Es sollte nicht der einzige bleiben, bei diesem Familientreffen der besonders geselligen Art, mit Besuchern zwischen 7 und 77 Jahren.

Atmosphäre – keine Gigantomanie

Genau das ist es, was das Rockharz - im Schatten der Teufelsmauer bei Ballenstedt - immer wieder aufs Neue einzigartig macht. Der Fokus liegt dabei weniger auf den ganz großen Namen, auch wenn beispielsweise mit Udo Dirkschneider, Heaven Shall Burn, Blind Guardian, In Extremo, Pain, Iced Earth, Grave Digger, Arch Enemy, Asphyx, Kadavar, Lacuna Coil und Mono Inc. durchaus Topseller der jeweiligen und von Retrorock bis Death Metal flirrenden Stromgitarrensparten vertreten sind. Es ist die Atmosphäre, die das Rockharz ausmacht - und die nicht dem Kommerz geopfert werden soll, wie Jens Martin Baumgartner, einer der Macher, nicht müde wird zu betonen: „Das Festival soll vor allem Spaß machen und nicht in Gigantomanie ausarten. Die Leute sollen sich wohlfühlen. Wir wollen die familiäre Stimmung nicht durch Größe und Kommerz kaputt machen. Es soll ein Urlaub zwischendurch sein.“

So kommt es, dass nicht nur der auf allen Kontinenten gefeierte Dirkschneider perplex auf der Bühne verharrt. Auch „Seeb“ Levermann, Frontlode der Power-Folk-Metaler Orden Ogan, sinniert über das „geilste Festivals überhaupt“. Martin Soer, der mit Stahlmann in diesem Jahr die Neue-Deutsche-Härte-Fraktion bebreitseitet, bedankt sich ungeschminkt und ohne Mikro bei dem weit nach Konzertende immer weiter tanzenden Festivalvolk. Und Martin Engler von Mono Inc. schwärmt: „Danke, dass wir das erleben dürfen.“

Die Musikszene lechzt

Was einst in Osterode, im Westharz, als lokales Anti-Nazi-Open-Air mit nicht einmal hundert Besuchern begann, hat eine Entwicklung vollzogen, die die härtere Musikszene, vor allem die allmählich ergraute, lechzen lässt. Das Rockharz zog aus Kapazitätsgründen vor acht Jahren in den Osten - und die Fans zogen nicht nur mit, es kommen jedes Jahr neue hinzu. Trotz nun 15.000 Besuchern bleibt dieses Festival in seiner Anmutung aber immer noch klein und fein. Rockharz-Mitmacher Baumgartner kann deshalb schon jetzt (fast) sicher sein, im nächsten Jahr wieder frühzeitig das „Ausverkauft“-Schild ins virtuelle Kassenhäuschen hängen zu dürfen. Ein Geheimtipp, der in Profiliga-Sphären angekommen ist.

Von Andreas Debski

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