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Robert Plant in der Jungen Garde Dresden

Robert Plant in der Jungen Garde Dresden

Bevor er jüngst dorthin zurückgekehrte, hatte Robert Plant seit 1993 nicht mehr in Hamburg gespielt. Das ist schlimm. Elbaufwärts in Dresden hatte Plant überhaupt noch nicht gespielt.

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Robert Plant beschränkte sich während seines Auftrittes in der Garde nicht darauf, Led-Zeppelin-Nummern wiederzukäuen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das ist viel schlimmer und seit Donnerstag ausgemerzt. Könnte gut sein, für einen nicht unbeträchtlichen Teil der männerlastigen 5000 in der ausverkauften "Jungen Garde" verlief die Begegnung etwas anders als gedacht, vermutet, erwünscht und erwartet. Das aber ist das Problem des nicht unbeträchtlichen Teils.

Die Sensational Space Shifters sind keine Led-Zeppelin-Coverband, genau wie alle vorangegangenen Formationen Robert Plants keine solchen waren. Die Band Of Joy nicht, Strange Sensation nicht, als ihn Countrysängerin Alison Krauss ein Wegstück begleitete, ging es ebenfalls weiter nach vorn statt zurück. Es gab immer diesen Fünfjahr-Plant, der sich aus so vielen musikalischen und geographischen Regionen Inspiration und Schub geholt hat. Selbst schuld, wer das nicht weiß, respektiert und nicht versucht, sich schon beim Erwerb der Tickets darauf einzustellen. Langer Einstieg, kurzer Sinn: Robert Plant, bald 66, war an diesem schönsommerlichen Abend wirklich in Dresden. ER war da, nicht das, was er vielleicht sein sollte.

Zunächst die North Mississippi Allstars, die eine Dreiviertelstunde bekamen und sich galant wie offensiv von der Enge der Chancen einer Vorband zu lösen vermochten. Das Trio - die Brüder Luther und Cody Dickinson (Jim Dickinsons Söhne) sowie Chris Chew - hat die "Garde" genommen! Mit kehligem, rotzfrechem, nie respektlosem Landblues, der den Asphalt im Blick hat und sich doch immer wieder im Sumpfe suhlt. Schon hier ist der am Tag zuvor gestorbene Johnny Winter präsent. Bei Plant und den Shifters würde es nicht anders sein.

Ein Kind des Delta-Blues

"Mississippi" war eines der meistgesprochenen Bühnenworte. Robert Plant mag launige Ansagen, gibt sich nicht so stummgeschaltet oder maulfaul wie andere seines Standes. Und wenn er es nicht sagen würde, es wäre spätestens nach dem dritten Stück klar: Plant treibt gerade wieder das Delta um, der alte Blues und das, was er mit ihm angestellt hat, seit er in Kindertagen die ersten Bluesplatten hörte. Led Zeppelins "What Is And What Should Never Be" steht programmatisch am Beginn, doch die Setlisten wechseln auch in diesem Plantjahr offensiv. Mit Howlin' Wolfs "Spoonful" fährt die Band kompaktes, schweres Geschütz auf, beim späteren Bukka-White-Stück "Fixin' To Die" kommt am nachdrücklichsten zusammen, was dieses gemeinsame Projekt ausmachen soll: altersloser, pumpender Bluesrock, aufgeflockt durch synthetische Grooves, umrankt von nordafrikanischem Folk. Auch die aktuell bestellte Plant-age steht zwischen den Welten, nicht zwischen den Stühlen.

Logisch, bei dieser Besetzung: Mit Justin Adams (Mandoline, Gitarre, Gesang), John Baggott (Keyboards, Samples), Billy Fuller (Bassgitarre, Gesang) und Liam "Skin" Tyson (Gitarre, Banjo, Gesang) hat er die bewährten Partner der Früh-Zweitausender wieder dabei und damit eben auch Baggotts und Fullers Erfahrung bei Portishead und Massive Attack. Hinzukommt der Freestyler in Sachen Schlagzeug, Dave Smith, sowie - partiell und essenziell - der gambische Musiker Juldeh Camara. Mit seiner Kologo, einer afrikanischen Banjo-Art, und der Riti, einer einsaitigen Geige, splittert er sich zumeist dann in die Stücke, wenn sich der Zeppelin-Fundamentalist im Rund gerade wohlig im Alt-Klang eingerichtet hat. Formidabel rasieren die Space Shifters auf diese Art beispielsweise "Whole Lotta Love". Einer der Zep-Klassiker hatte, nach einem völlig verfremdeten Beginn, mit dem heiß ersehnten Gitarrenriff die letzten Besucher von den Bänken geholt, als ihn Camara und vor allem Plant selbst regelrecht filetieren, Zitate aus Bo Diddleys "Who Do You Love" einstreuen und alles in einer wilden afrikanisch-amerikanisch-britischen Hochzeit enden lassen. Das Traditional "Little Maggie" wird ein Folkfest, Joan Baez' nimmermüdes Cover "Babe, I'm Gonna Leave You" bekommt ein Flamenco-Intro, das akustische "Going To California" ein beglücktes Juchzen von Plant höchstselbst.

Keine Zeit für Led Zeppelin

Er ist stimmlich in bester Verfassung, bringt seine typischen Höhenflüge so exzellent, wie er sich "runter" begibt. "Verdammt, ich kann nun mal nicht singen!" - dieser etwas verzweifelte Ausruf von Jimmy Page, der liebend gern eine Led-Zeppelin-Wiedervereinigung auf länger forcieren und dabei natürlich nicht nur Reanimation betreiben würde, wird in der "Garde" nur zu verständlich. Einfältig ist, wer den Kosmopoliten Robert Plant immer wieder nur auf das reduziert, was es in Sachen Zeppelin-Ja-oder-Nein Neues gibt und ob es wirklich Kleinkrieg ist zwischen den beiden großen P des Rock'n'Rolls. Nichts wurde deutlicher an diesem für die meisten viel zu kurzen Abend, als dass sich Plant die Freiheit nimmt, viel zu viel Lust auf sein eigenes Ding zu haben.

Das mit dem Gestern hat er gerade in einem Interview klargestellt: "Ich kann meine Vergangenheit besuchen, sie umarmen, nur: Ich lebe nicht in ihr." Im September kommt mit "lullaby and - The Ceaseless Roar" die CD der Space Shifters. Anders als Kollege Dylan, der zwar ebenfalls die eigenen Songs immer wieder neu durch den Wolf dreht, auf der Bühne aber zumeist auf das Material seiner jeweils aktuellen Platte verzichtet, baut Robert Plant neue Lieder offensiv ein. In der Radiosingle "Rainbow" (die mit den Bono-artigen "A-Huuuh's") vermutet Plant lakonisch gar den nächsten Grammy-Gewinner. Live war sie, mit fünf Handtrommeln gebracht, ein netter Popsong für zwischendurch.

Da sich Robert Plant auch in den beiden Zugaben "Nobody's Fault But Mine" und "Communication Breakdown" konsequent als Anti-Jukeboxer gängiger Zeppelin-Zwangsnummern gibt, verstörte er weiter diejenigen, die sein künstlerisches Überlebenskonzept nicht annehmen können. Auch das war wunderbar! Ebenso wie die Nüchternheit einer nicht vorhandenen Show, wissend um die nach wie vor enorme optische Präsenz des begnadeten Rocksängers Plant und die rein akustischen Qualitäten der Kollegen. Trotzdem: Es wäre spannend gewesen, auf den Heimwegen der 5000 Mäuschen gespielt und gehört zu haben auf das, was über das Konzert gesprochen wurde.

Es ist jedenfalls vorgewärmt für das nächste schwer erwartete und herbeigesehnte wie seit Wochen ausverkaufte Dresden-Debüt eines legendären Rockgiganten im verweigerten Vorruhestand: Neil Young & Crazy Horse am 26. Juli am Elbufer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.07.2014

Andreas Körner

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