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Richard Wagner trifft Caspar David Friedrich und will ein Porträt

Wagner-Spiele in Graupa Richard Wagner trifft Caspar David Friedrich und will ein Porträt

Richard Wagner und Caspar David Friedrich sind sich niemals begegnet. Jedenfalls gibt es keinen Nachweis dafür. Die Richard-Wagner-Spiele Graupa holen solch ein Treffen nun geisterhaft nach. Da erscheint Richard frech im Atelier von CDF – und verlangt ein Porträt. „Malen Sie mich!“ Bescheiden war er tatsächlich nie, der gescheiterte Hofkapellmeister von Dresden.

Richard Wagner und Caspar David Friedrich sind sich niemals begegnet. Jedenfalls gibt es keinen Nachweis dafür. Die Richard-Wagner-Spiele Graupa holen solch ein Treffen nun geisterhaft nach: links Robby Langer (Wagner) und Johannes Gärtner (Friedrich).
 

Quelle: Matthias Creutziger

Graupa.  
 

Viel Aufwand für eine Fiktion. Denn Richard Wagner und Caspar David Friedrich sind sich niemals begegnet. Jedenfalls gibt es keinen Nachweis dafür. Die Richard-Wagner-Spiele Graupa holen solch ein Treffen nun geisterhaft nach. Da erscheint Richard frech im Atelier von CDF – und verlangt ein Porträt. „Malen Sie mich!“ Bescheiden war er tatsächlich nie, der gescheiterte Hofkapellmeister von Dresden.

Doch während der Egomane Wagner nie genug kriegen konnte – Ansehen, Frauen, Schulden etc. pp. –, verhält es sich bei den diesjährigen Wagner-Spielen eher umgekehrt: Weniger ist zu viel. Nach dem großen Spektakel zum 200. Geburtstag wurde dieses Jahr im Schlosshof auf eine bescheidenere Variante gesetzt, in diese aber so viel hineingepfropft, dass sie arg überladen und stellenweise zu lang wirkte. Aus Angst, dass die fiktive Künstlerbegegnung allein nicht trägt? Aus dramaturgisch-psychologischen Erklärungsnöten heraus?

Denn natürlich trägt es zum Verständnis der empfindsamen Maler-Seele von Friedrich mit bei, wenn man weiß, dass er den frühen Tod seinen jüngeren Bruders Christoffer nie verwand. Der hat ihn, den damals 13-Jährigen, vor dem Ertrinken retten wollen und kam dabei selber ums Leben. Den bis ins Alter depressiven Maler aus Greifswald, der sich in Dresden den Romantikern anschloss und von der Sächsischen Schweiz fasziniert war, spielt Johannes Gärtner als zerrissene Figur. Die Natur kann ihn begeistern, alles Weltliche – bis auf die Nöte des Alltags – ist ihm eher fern.

Da kommt ihm ein eingebildeter Laffe wie der einmal mehr von Robby Langer gegebene Richard Wagner gerade recht. Stürmt ins Atelier, will sämtliche Grundsätze („Keine Porträts!“) über den Haufen werfen und besteht auf seinem Bild für die Nachwelt.

Langer spielt, wie man ihn kennt: Jede Geste hat ihren Sinn, ob nun die Augen rollen, der Kopf gereckt wird, die Finger sich spreizen – all diese Details sind Charakterzeichnungen, die sich sofort aufs Publikum übertragen. Gärtner, zugleich Autor, Produzent und Bühnenbildner des mit „Ein Stück vom Himmel oder Wenn ich erst ewig bin“ überschriebenen Abends, hat es da schwer, mimisch gegen dieses Übergewicht anzukommen. Was aber durchaus den so unterschiedlichen Figuren entspricht. In den Vorjahren hat er bei den Wagner-Spielen auch Regie geführt, das überließ er diesmal – eben wegen des eigenen Mitwirkens – Matthias Nagatis.

Dessen Inszenierung ist der Grundidee vom Gesamtkunstwerk, von den an der Elbe gefundenen Inspirationsorten gefolgt, hätte wohl aber stärker akzentuiert werden können. Dafür sorgte die Musik von Johannes Wulff-Woesten, die sich miniaturhaft auf Bildmotive bezieht und die beiden von der Nordböhmischen Philharmonie Teplice stammenden Streicher sowie Pianistin Christine Hesse und Sängerin Ewa Zeuner vor große Herausforderungen stellt. Kleinstintervalle, winzige Melodiebögen, hier und da illustrative Anklänge – all das wollte in Übereinstimmung gebracht sein.

Die Mezzosopranistin agierte überwiegend als schützende Gattin des Malers, musste ihn hin und wieder aber auch vor sich selber bewahren. Dass sie den „Geist“ Wagners im Atelier nicht wahrnehmen konnte, ist eine hübsche Idee. Auch der elfjährige Sohn der Sängerin, Arthur Zeuner, hatte einen die Stationen des Stücks erklärenden Part und schlug sich tapfer, angesichts einer Panne der Technik sogar richtig wacker. Während des Spiels schuf Michael Klose auf der Rückseite der Bühne ein Abbild des mehrfach im Text reflektierten „Tetschener Altars“. In der Pause konnte das Zusammenspiel von Musik und Malerei im Park auch vom Publikum ausgeführt werden und gestaltete Michael Donath die eingangs erwähnte Glasmalerei.

Wagner-Spiele als anspruchsvolles Gesamtkunstwerk, das geht nicht ohne Wagner-Salon. In den nächsten beiden werden Kammersänger Peter Schreier sowie Filmregisseur Thomas Frick zu Gesprächen erwartet.

Richard-Wagner-Spiele Graupa: „Ein Stück vom Himmel oder Wenn ich erst ewig bin“, 8./9. Juli jeweils 20 Uhr, Wagner-Salon 18.30 Uhr

www.richard-wagner-spiele.com

Von Michael Ernst

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