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Regional Restaurierung einer Seidenapplikationstapetefür Schloss Wildenfels
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19:35 17.08.2017
Die Restauratorin Roxana Naumann trägt mit Lupe, Absaugvorrichtung und einem Scaler Stück für Stück Farbe ab. Quelle: Anja Schneider

China – oder was man dafür hielt, Hauptsache exotisch – war im 18. Jahrhundert in den Fürstenhäusern äußerst beliebt. Zuallererst fallen einem da natürlich August der Starke und Schloss Pillnitz ein, aber auch Schloss Weesenstein oder das Fasanenschlösschen Moritzburg. Chinoiserien schmückten viele Adelssitze. Und einiges an fragilen Kunstwerken, mit denen Räume geschmückt waren, bleibt dank großer Mühen der Nachwelt erhalten.

Auch Schloss Wildenfels bei Zwickau hat sein Chinesisches Kabinett, einen Zehn-Quadratmeter-Raum am so genannten Mondscheinzimmer. Dass sich an dessen Wänden wertvolle Seidentapeten befanden mit Blütenornamenten und fremden östlich-orientalischen Gestalten (deren Hautfarbe auch schon mal schwarz sein konnte), war fast in Vergessenheit geraten. Die Grafen von Solms-Wildenfels (Schlossherren von 1602 bis 1945) hatten die Anlage im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert umfassend umbauen und auch die damals beliebten Wandbespannungen anbringen lassen. Auf einen Holzuntergrund wurde ein Leinengewebe genagelt, dieses mit Papier beklebt und darauf weitere bedruckte Papierbahnen aufgebracht. In einer ersten Renovierungsphase entschied sich die Herrschaft dann für das Aufkleben der Seidenapplikationen, die nach heutigen Erkenntnissen aber bereits im frühen 18. Jahrhundert angefertigt wurden.

Ein Segment dieser dicken Wandschicht befindet sich derzeit im Restaurierungsatelier des Landesamtes für Denkmalpflege. Deutlich – wieder! – erkennbar die gestickten Chinoiserien und gemalte Gesichter der Figuren. Dass das so ist, grenzt beinahe an ein Wunder, denn Lichteinwirkungen und Feuchtigkeit ließen oft nicht viel von derartigen Wandverkleidungen übrig. Diese hier war im Laufe der Jahre unter Papiertapeten und Anstrichen verschwunden. In den 1980er Jahren erinnerte man sich der Kostbarkeit und startete einen Restaurierungsversuch, der allerdings gleich wieder aufgegeben wurde. Die Seidenapplikationen galten als verloren. Die Wandbespannung wurde abgenommen und aufgerollt im Zwickauer Stadtmuseum eingelagert.

Bis 2012 der „Blaue Salon“ von Schloss Wildenfels nach langer Restaurierungszeit eröffnet werden konnte, mit Seidentapeten, denen die freischaffende Restauratorin Roxana Naumann zu neuem Glanz verholfen hat. Jetzt rückten auch die eingelagerten Rollen ins Bewusstsein. Restaurierungsfachmann Prof. Dr. Andreas Schulze von der Hochschule für Bildende Künste Dresden erkannte schnell den Wert des Vorgefundenen. Auch weitere Experten waren sich einig: Ein Vergleichsbeispiel ist nicht bekannt. Für Roxana Naumann – sie arbeitet nunmehr seit zehn Jahren für Schloss Wildenfels – steht eine weitere Mammut-Aufgabe an.

Dank neuer Methoden kann heute ein solches textiles Kunstwerk gerettet werden. Seit einem Vierteljahr trägt die Restauratorin Farbe ab mit einem Reinigungsgerät, wie es in der Zahnmedizin verwendet wird. Weil in einem Farbpigment auch Arsen nachgewiesen wurde, benutzt sie einen Mundschutz. Naumann nähert sich behutsam dem brüchig gewordenen Gewebe und legt die gestickte Personage frei. Begeistert ist sie von feinster Nadelmalerei und der Verzierung mit Gold- und Silberlahnfäden, dünnstes Metall, das um den Kernfaden aus Seide gewickelt ist. Dipl.-Restaurator Stefan Reuther, im Landesamt zuständig für Schloss Wildenfels, spricht von einer „hochkomplexen technischen Meisterleistung“.

Eine der dargestellten Figuren, fanden die Fachleute heraus, hat ihre Vorlage in einem 1680 in den Niederlanden erschienenen Buch. Vermutlich wurden die Stickereien in Nord- oder Mitteleuropa angefertigt. Ohne den Freundeskreis Schloss Wildenfels e.V. wäre die Restaurierung wohl Zukunftsmusik geblieben. Nachdem sich der Verein schon für den „Blauen Salon“ ins Zeug gelegt hatte, ging er nun erneut ans Spendensammeln. 30 000 Euro bringt er nach Angaben des Vorsitzenden Karl Weiß für die Restaurierung der Musterbahn auf. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf 80 000 Euro. Nun hoffen die engagierten Mitglieder auf eine Landesförderung. Im März 2018 besteht der Verein 20 Jahre. Dann soll die erste Bahn der Seidenapplikationstapete wieder an der Wand hängen.

Von Genia Bleier

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