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Regional René Kollo ist Schirmherr bei Kinderoper in Graupa
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18:24 09.04.2018
„Wagner für Kinder“ in Graupa Quelle: Christiane Montag
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Graupa

René Kollo musste sich offenbar nicht lange betteln lassen, um Schirmherr in Graupa zu werden: „Ich habe immer Spaß, wenn solche Sachen mit Kindern gemacht werden, damit sie einen Zugang zur Musik finden und sich da hineinhören können. Vielleicht bleibt ja was hängen und sie gehen dann später von allein in die Oper und hören sich das an.“ Also fand er es gut, der weltberühmte Sänger, der den Titel Startenor völlig zu Recht trägt, ihn aber dennoch nicht mag, und sagte auf eine Anfrage der Richard-Wagner-Stätten Graupa sofort zu.

Die 2013 im einstigen Jagdschloss eröffnete Einrichtung wollte René Kollo als Schirmherren ihres Projekts „Wagner für Kinder“ gewinnen – und war damit beim bekennenden „Wagner-Fanatiker“ (Kollo über Kollo) an der idealen Adresse. „Hier, wo Wagner seinen ‚Lohengrin‘ geschrieben hat, vor den Toren von Dresden, wo er als Komponist und Dirigent gewirkt hat, da lasse ich mich doch nicht zweimal fragen. Da hab ich sofort gedacht, ja, das mach ich.“

„Wagner für Kinder“ ist ein ehrgeiziges Unterfangen der Wagner-Stätten, die damit junges und jüngstes Publikum für das Schaffen des Dichter-Komponisten interessieren wollen. Bei René Kollo fanden sie damit sofort offene Türen, schließlich nimmt der kein Blatt vor den Mund, wenn es um drohenden Kulturverlust geht.

Kollo plädiert für frühkindliche kulturelle Erziehung

„Die Politik lächelt doch alles nur weg und handelt nicht“, empört sich der gefeierte Sänger. „Aber sie trägt Verantwortung für Bildung und Kultur in der Gesellschaft.“ Er plädiert aber auch für eine Vorbildrolle der Eltern: „Sie können Kinder nicht erziehen in Kunst und Kultur, wenn Sie ihnen das nicht vorleben oder sie wenigstens mit reinholen ins Boot.“ Besonders schwer sei es, bildungsfernere Schichten, die kulturell bereits „abgehängt“ seien, wieder für kulturelle und künstlerische Belange zu öffnen. Hier trage schulisches Engagement eine hohe Verantwortung, ist Kollo überzeugt und verurteilt die vielen Fehlstunden insbesondere im musischen Bereich.

„Darum muss man das unbedingt unterstützen, was hier in Graupa passiert. Das ist doch toll, wie die Kinder hierher kommen und begeistert sind. Das finde ich ganz enorm und werde es auch weiter unterstützen.“ Sowohl die Mädchen und Jungen auf der kleinen Bühne als auch jene im Publikum zeigten sich am Sonntag höchst fasziniert, den großen und berühmten Sänger ganz für sich zu haben, sozusagen eine Berühmtheit „zum Anfassen“.

Die recht spezielle Kinder-Oper muss natürlich ohne großes Orchester auskommen und vertraut ganz auf das Vermögen der aus Odessa stammenden Pianistin Irina Roden. Neben einem internationalen Solistenensemble wirkten die singenden Kinder ebenso aufgeregt wie beeindruckt, vor dem Publikum mit dem berühmten Ehrengast das Beste zu bieten.

Der Opernsänger war schon oft zu Gast in Dresden – und möchte wiederkommen

René Kollo war nicht minder begeistert und hatte sichtlich Spaß an diesem Projekt. Zumal sich für ihn mit Dresden jede Menge Erinnerungen an seine lange Karriere verbinden: „Ich habe ja in der Dresdner Lukaskirche furchtbar viel aufgenommen, ich hab mit Karajan die ’Meistersinger’ gemacht, mit Janowski den ganzen ’Ring des Nibelungen’ aufgenommen, mit Kleiber ’Tristan und Isolde’, ’Rienzi’ mit Hollreiser und so weiter. Ich war ja fast jedes Jahr in Dresden, als die Mauer noch stand.“

Heute reist Kollo weniger oft, schließlich ist er voriges Jahr 80 geworden und hat gerade eine „Abschiedstournee“ mit mehr als einem Dutzend Konzerten hinter sich. Die Fahrt nach Graupa war dem Berliner aber dennoch ein Herzensbedürfnis. „Ich komme wieder“, versprach er und erläutert die tieferen Gründe für sein Engagement: „Musik hält gesund. Sie ist doch das einzig Gesunde, was wir heute haben. Denn sonst ist ja alles angekränkelt und krank. Von der Politik gar nicht zu reden. Musik ist eine ‚heilige Kunst‘, wie es bei Richard Strauss heißt. Sie ist etwas Mystisches, das in die Seele der Menschen geht, nicht nur in ihren Verstand.“

nächster Termin der Reihe „Wagner für Kinder“ in Graupa: 11. November, „Tristan und Isolde“, Anmeldung bitte unter Tel. 03501 4619650 oder per Mail an wagnerstaetten@pirna.de

www.wagnerstaetten.de

Von Michael Ernst

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