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Rauschhaft und bitter - Die Dresdner Philharmonie und Markus Poschner im Albertinum

Rauschhaft und bitter - Die Dresdner Philharmonie und Markus Poschner im Albertinum

So stellt man ihn sich vor, den Don Juan, wie er im Buche steht: Rauschhaft und glutvoll, unerschrocken, in gleißendem Licht. "Hinaus und fort nach immer neuen Siegen.

.." - die Dresdner Philharmonie und Markus Poschner nahmen sich im Albertinum dieses auch von Richard Strauss in seiner Tondichtung nach Lenaus dramatischem Gedicht aufgenommene Motto eins zu eins zu Herzen. Führten den Titelhelden und die eigenen musikalischen Ressourcen zu immer neuen Höhenflügen. Es blühten und schillerten die zarten wie die üppigen Klänge. Bis zumindest bei Don Juan "der Jugend Feuerpulse" verglimmen. Sein Ende kommt schnell, fahl, beinah ergeben.

Das Ende von Manon Gropius war lang und bitter, und vor allem kam es lange bevor ihr Leben hätte in Blüte stehen können. Der Tod der 18-jährigen Tochter Alma Mahlers fand Widerhall im zu diesem Zeitpunkt bereits angedachten Violinkonzert Alban Bergs, der es dann "Dem Andenken eines Engels" widmete. Diese Hintergründe setzen das Werk in krassen Gegensatz zum zuvor Erklungenen. Programmatisch besonders glücklich ist das Nebeneinander nicht, wenngleich sich natürlich Begründungen in den vielen Facetten des Lebens finden lassen.

Die schwere Aufgabe, das Publikum nach dem großen Rausch mit hineinzunehmen in die zurückhaltende, oft zarte und vor allem schmerzvolle Musik Bergs, bewältigte Carolin Widmann auf bewundernswerte Weise. Tiefe Ruhe und große innere Spannkraft einend, fühlte sie jeder Klanglichkeit nach, ließ Anmut und jugendliche Inbrunst ebenso erstehen wie man im zweiten Satz das gefesselte, verhauchende Leben nahezu körperlich spüren konnte. Poschners Wille, dem mit dem Orchester in allen Momenten zu entsprechen, war groß, nicht immer zu hundert Prozent erfolgreich, jedoch immer wieder zu gleichermaßen berührenden Momenten findend - etwa mit den in der Komposition immer brüchiger werdenden Zitaten des Bach-Chorals "Es ist genug".

Dass Carolin Widmann auch rein geigerisch brillierte, rückte in ihrer Interpretation nahezu völlig in den Hintergrund gegenüber Sprache und Inhalt. Das Publikum dankte mit langem Applaus für eine berührende Begegnung mit jenem Konzert, das als letztes vollendetes Werk auch zum Requiem für den Komponisten wurde. Berg - und da ist die Formulierung im Programmheft etwas missverständlich, er habe die Leitung der Uraufführung abgeben müssen, da er sich der Aufgabe physisch nicht gewachsen fühlte - starb vier Monate vor dem ersten Erklingen.

Zurück zum schäumenden Rausch war die Direktive nach der Pause. Das ist prinzipiell treffend für Beethovens wuchtige 5. Sinfonie, die sich als großes Crescendo gibt und deren enorme Energie glücklicherweise mittlerweile wieder unmittelbarer und universaler wahrgenommen wird als unter dem Deckmantel der zahllosen Interpretationen, die Musikgeschichte und Musikwissenschaft und alle sonstigen mehr oder weniger Berufenen im Verbund so hervorgebracht haben.

Markus Poschner, der damit seinen Zyklus der Beethoven-Sinfonien mit der Philharmonie abschloss, gab sich sehr dem Schwelgen, den - siehe oben - immer neuen Siegen hin. Vielleicht war es auch keine so schlaue Idee, mitten im Konzert die Orchesteraufstellung (hin zur alten deutschen Variante mit einander gegenüber sitzenden Violin-Gruppen und links postierten Kontrabässen) und damit die Orientierungswege unter den Musikern zu ändern. Es entspricht der Historie, und es wertet die von Poschner ja sehr geliebten mittleren und unteren Register auf, verbreitete satten, glutvollen Klang. Was aber litt, war - ob aus dem einen oder dem anderen Grund - die Genauigkeit des Zusammenspiels. Davon kann gerade Beethovens Fünfte einiges vertragen. Diese hier setzte auf die große Geste und die großen Leistungen der einzelnen Instrumentalisten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.04.2014

Sybille Graf

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