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Regional Raus aus der Haustariffalle
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19:36 12.06.2018
Das Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau wird auch von der neuen Finanzregelung profitieren. Quelle: Oliver Killig, picture alliance/ZB
Dresden

Nicht nur das künstlerische und das Bühnenpersonal an den fünf sächsischen Kulturraumtheatern und in vier Orchestern darf sich freuen. Auch die eifrigen Theater-und Konzertbesucher in den Regionen können aufatmen, weil das immer drängendere Problem der Unterfinanzierung der Häuser erheblich gemildert worden ist. Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hätte beispielsweise wegen des auslaufenden Haustarifs Insolvenz gedroht. Nach fünfmonatigem zähen Ringen ist mit einer am Dienstag vom Regierungskabinett gebilligten Vorlage des Wissenschafts- und Kunstministeriums tatsächlich der große Wurf gelungen. Um aus der unentrinnbar erscheinenden Falle des Lohnverzichts zugunsten der Erhaltung des künstlerischen Angebots herauszukommen, schießt der Freistaat jährlich sieben Millionen Euro für die Personalkosten zu. Die kommunalen Träger der Theater und Orchester steuern nochmals drei Millionen bei. Auch die allgemeinen Zuschüsse des Freistaates an die Kulturräume werden um weitere drei Millionen Euro erhöht und betragen nun 97,7 Millionen Euro jährlich.

Seit über 20 Jahren klafft bei fast allen Kulturraumbühnen die Lücke zwischen Haus- und Flächentarif weiter auf. Die Spanne des Lohnverzichts reicht von sechs bis zu 30 Prozent bei den beiden Orchestern des Kulturraumes Leipziger Land. Der zusätzliche Mittelbedarf für die Wiederannäherung an den Flächentarif wurde auf 13 bis 15 Millionen Euro beziffert. Die im Januar zwischen CDU und SPD nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vereinbarte Agenda für die restlichen eineinhalb Jahre der Legislaturperiode wollte hier Abhilfe schaffen. Ein entsprechender Auftrag ging an das zuständige Wissenschafts- und Kunstministerium. Bei der Eröffnung des sächsischen Theatertreffens Anfang Mai hatte sich Schirmherr und Ministerpräsident Kretschmer nochmals öffentlich für eine „ordentliche Bezahlung“ der Kulturschaffenden eingesetzt.

Wissenschafts- und Kunstministerin Eva-Maria Stange. Quelle: André Kempner

Das nun auf Regierungsebene beschlossene Konzept ist ein verhandlungstaktisches Meisterstück des Kunstministeriums und in juristischer wie finanzieller Hinsicht eine artistische Leistung. Sie habe sich „über Nächte den Kopf zerbrochen“, sagte Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) bei der Vorstellung am Dienstag. Im Prinzip erlaubt das Sächsische Kulturraumgesetz keine zweckgebundenden Zuweisungen des Landes an die Träger der großen Kultureinrichtungen. Die Konvente der Kulturräume entscheiden nach Empfehlung der Beiräte selbständig, wen sie unter den Bewerbern fördern und in welcher Höhe. Die Goldene Brücke führt nun über die so genannten Strukturmittel. Auch bisher schon konnte der Freistaat damit in relativ bescheidenem Umfang bestimmte Härten zielgenau abfedern, zum Beispiel Abfindungen bei Personalabbau bezahlen. Die kommunalen Träger hatten die andere Hälfte dieser Mittel beizusteuern, ein Anteil, der nun auf 30 Prozent ermäßigt wurde. Der Zweck dieser sieben Millionen Euro jährlich für die kommenden vier Jahre besteht nun in der „besseren Bezahlung der Beschäftigten“.

Man habe sich für diese Variante an Stelle eines schwierigen Zusatzfördertopfes mit einer langwierig zu erarbeitenden Richtlinie entschieden, sagte die Kunstministerin. Die Zustimmung der Landräte und des Finanzministeriums zu erlangen, blieb indessen hartnäckigen Verhandlungen überlassen. Sie habe nur „ihren Job gemacht“, als sie hier vermittelte, sagte die ebenfalls einbezogene CDU-Landtagsabgeordnete Aline Fiedler. Schließlich müssen die beiden regierungstragenden Fraktionen von CDU und SPD auch das Wirksamwerden dieser Vereinbarung garantieren, wenn Ende dieses Jahres die Verankerung im kommenden Doppelhaushalt ansteht. Auch aus dem Finanzministerium war zu vernehmen, dass man nicht gerade in überschäumender Kunstbegeisterung zugestimmt hat. Ab Januar 2019 soll das Geld zur Verfügung stehen. Das Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau hat schon darauf gebaut, als es den Haustarif nur bis zum Ende dieses Jahres verlängerte. Nicht in jedem Fall wird es für eine komplette Angleichung an den Flächentarif reichen. Die Ministerin rechnet mit verbleibenden Unterschieden zwischen den Häusern.

Der Chemnitzer Theaterintendant Christoph Dittrich sprach als Vorsitzender der Landesgruppe des Deutschen Bühnenvereins von einer „richtig guten Nachricht“ und nannte angesichts der jahrzehntelangen Bemühungen das Ergebnis „überwältigen“. Damit gebe der Freistaat zugleich ein „ehrliches Bekenntnis zu Kunst und Kultur“ ab.

Von Michael Bartsch

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