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Regional Raumklang trifft Klangraum: Ronin und Knuckleduster kommen nach Dresden-Hellerau
Nachrichten Kultur Regional Raumklang trifft Klangraum: Ronin und Knuckleduster kommen nach Dresden-Hellerau
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20:28 09.09.2015
Kaspar Rast, Sha, Nik Bärtsch und Thomy Jordi (v.l.). Quelle: Martin Möll

Wer in der avantgardistischen Pop-Szene von Faust, Can, Einstürzende Neubauten, Kraftwerk und Klaus Schulze sprach und spricht, weiß längst um To Rococo Rot, Tarwater oder jene freigeistigen Projekte, in denen die Lippok-Brüder solo und mit Kollegen auftauchen. Begonnen haben sie als Ornament & Verbrechen und damit als eine der wirklich wichtigen "anderen Bands" in Ostberlin. 1983 war das, und es war die Grundlage für alles Folgende.

Also auch für Knuckleduster, jenes neue Duo, das Robert Lippok mit dem indisch-kanadischen Weltmusiker Debashis Sinha vereint. Mit der ersten CD "Nuukoono" (Gustaff Records) kommen beide jetzt zum TonLagen-Festival nach Hellerau. Aufgenommen wurde die Platte als achtstündige Session im alten DDR-Rundfunkstudio in der Adlershofer Nalepastraße. Elf Tracks mit 39 Minuten blieben davon "übrig". Lippok und Sinha zerrissen die Aufnahmen, setzten sie neu zusammen, offerieren damit eine grandiose Dramaturgie. Partiell knabbern die famosen Sounds, Strukturen und Partikel an der Hirnrinde und nehmen mühelos den Anspruch, unter Kopfhörern, in Räumen oder Sälen gehört und erobert zu werden. Installateur Lippoks feinsinnige und -sinnliche Electronics sind keine keifenden Beats, sondern minimalistischer Natur. Es gibt kaum Flächen, kaum Aus-Spiel, dafür einen "Spaziergang in einem magischen, gefährlichen Wald". (Lippok). Gestört, getragen, vernetzt und gesplittet wird dieses Ambient(e) ein einziges Mal vom Schlingern eines Saxofons, einer fernen weiblichen Stimme, ansonsten alterniert von der vorzüglichen Drums-, Perkussions- und Geräuscharbeit Sinhas, vom Knittern und Klagen seiner Röhren, Felle, Bleche, Hölzer. Nur kurz wird hier geflutet, der Löwenanteil verbleibt beim Zuhörer und seiner Imagination. "Nuukoono" bemächtigt sich des Rezipienten.

Den Jazz'n'Funk-Part beim TonLagen-Festival übernimmt der Schweizer Pianist und Fender-Organist Nik Bärtsch. Mit seinem Langzeit-Projekt Ronin und vier Kollegen kommt er zum Einzel nach Hellerau. Regelrecht pressfrisch ist dabei die neue Doppel-CD, schlicht "Live" (ECM) betitelt. Das Dokument von drei Jahren bzw. 50 Konzerten weltweit. Lörrach, Leipzig, Tokio, Amsterdam, Wien - zahlreiche Jazz-Veranstalter und ihr waches Publikum haben sich von der Energie und feingliedrigen Wucht von Ronin längst überzeugt. Der nichtssagende Slogan "Zen Funk" hat dabei sicher kaum geholfen, mehr das handwerkliche und kompositorische Potenzial der Band. Bärtsch selbst bezeichnet sie als "sozio-musikalischen Kosmos", nicht nur, weil man seit Jahren montags im eigenen Club Exil in Zürich zusammenfindet, gemeinsam isst und hernach immer wieder neu künstlerisch zusammenfindet. Die so errungenen, großzügig phrasierten Stücke zeugen von Präsenz, Spielfreude und Raffinesse.

Bärtsch ist dabei ganz Frontmann, auf Drums und Perkussion lässt er bauen, Bassklarinette und Alt-Sax sind klare Ensemble-Instrumente, fordernder ist ein den Groove peitschender Bass. Viele der als "Modul" bezeichneten Stücke fallen auf wundersame Weise in sich zusammen und machen einer fließenden cinemascopischen Komponente Platz.

Andreas Körner

Nik Bärtsch's Ronin, morgen 20 Uhr; Knuckleduster, Freitag, 22 Uhr, Festspielhaus Hellerau

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2012

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