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Regional Rarität des barocken Orgelbaus - Die Dresdner Werkstatt Wegscheider restaurierte erstmals eine Orgel in Polen
Nachrichten Kultur Regional Rarität des barocken Orgelbaus - Die Dresdner Werkstatt Wegscheider restaurierte erstmals eine Orgel in Polen
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18:02 09.09.2015
Die 1719 erbaute Andreas-Hildebrandt-Orgel in Paslek wurde durch die Dresdner Orgelwerkstatt Wegscheider restauriert Quelle: Hartmut Schütz

Kompositionen von Bach-Zeitgenossen wie Theophil Andreas Volckmar oder Daniel Magnus Gronau etwa lassen sich seit Kurzem in der Stadt Pasek wieder im speziellen, verloren geglaubten Klangbild des Danziger Orgelbaues erleben.

Bald nachdem der junge Orgelbaumeister Andreas Hildebrandt (um 1685 bis 1762) ein erstes Werk in Danzig erbaut hatte, drang sein Ruf in die 75 Kilometer entfernte, damals Preußisch Holland genannte Stadt im ostpreußischen Oberland. Ab 1712 sammelte die Gemeinde der St. Bartholomäuskirche Geld und schon 1719 wurde Hildebrandts zweimanualige Orgel eingeweiht, die noch nach 1900 in Reiseführern Erwähnung fand und in der Region als das beste Instrument neben dem des Königsberger Domes galt. Ein Umbau im Jahr 1929 und Beschädigungen am Ende des Zweiten Weltkrieges veränderten die Hildebrandt-Orgel stark.

Vor vier Jahren entdeckten die Organisten und Orgelsachverständigen Krzysztof Urbaniak (Lodz) und Martin Rost (Stralsund) das ruinöse Werk. Die Untersuchung zeigte, dass sich in Paslek trotz aller Eingriffe das einzige größere Instrument Hildebrandts erhalten hatte, an dem sich bei sorgfältiger Rekonstruktion die Eigenart des für Danzig typischen Barockklanges zurückgewinnen ließe. Mit dieser Arbeit wurde die Dresdner Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider betraut, die damit erstmals eine Orgel in Polen restaurierte. Die erhaltenen Originalteile - Prospektpfeifen, Register aus dem Orgelinneren, Windladen und Bälge - wurden ab 2010 ausgebaut, restauriert und ergänzt. Die Farbfassung und die Schnitzereien der beiden Gehäuse von Hildebrandts Orgel stellte die Restauratorin Marta Skowronska wieder her.

Hildebrandt hatte sein Instrument geteilt, da die Westwand der Kirche ein großes Fenster besitzt und die Manualwerke im linken, das Pedal aber im rechten Gehäuse eingebaut. Nachdem die gesamte Mechanik der Orgel rekonstruiert ist, besitzt sie auch wieder die Möglichkeit zweier Stimmtonhöhen. Über einen Hebel unter den Manualen kann der Organist vom hohen Chorton in den einen Ganzton tieferen Kammerton wechseln, was zum Begleiten barocker Instrumente nötig ist. Intonateur Reinhard Schäbitz und Mitarbeiter der Werkstatt Wegscheider gewannen schließlich den alten Klang zurück, der jetzt warm und charaktervoll strahlend den Kirchenraum füllt.

Kürzlich wurde die Orgel geweiht und in einem Konzert mit Anna Krawczyk (Sopran), Teresa Piech (Violine) und Krzysztof Urbaniak der begeisterten Gemeinde vorgestellt. Finanziert haben die Restaurierung die Wojewodschaft Ermland-Masuren, die Stadt Pasek und die Hermann Reemtsma Stiftung Hamburg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.08.2013

Niklas Thouret

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