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Ralph Lindner trotz interner Probleme als Direktor wiederbestellt

Kulturstiftung Sachsen Ralph Lindner trotz interner Probleme als Direktor wiederbestellt

Kein einfaches Unterfangen: Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen muss sich zusammenraufen. An ihrer Spitze steht seit 2003 Ralph Lindner. Er wurde jüngst auf diesem Posten bestätigt – trotz interner Probleme.

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Ralph Lindner, Direktor der Kulturstiftung Sachsen

Quelle: Arno Burgi/dpa

Dresden, .
Als Kurt Biedenkopf 1990 Ministerpräsident in Sachsen wurde, schwebte dem leidenschaftlichen Privatisierer und Anti-Etatisten eine gewaltige Kulturstiftung als eine Art Ersatzministerium vor. Kulturelle Selbstverwaltung auf höchster Ebene sozusagen. Die Kunst landete schließlich klassisch im Wissenschaftsministerium, von der großen Stiftungsidee blieb 1993 nur eine kleine, „unechte“ Stiftung mit bescheidenem Kapital und großem Zuschussbedarf aus der Kasse des Freistaates. Sie fördert in erster Linie, übernimmt mit Tagungen und Workshops aber auch operative kulturpolitische Aufgaben.

Ihre Arbeit erledigte die Stiftung weitgehend unauffällig. Die zweite Säule öffentlicher Kulturförderung neben den Haushalttiteln des Kunstministeriums erregte eigentlich nur vor zehn Jahren einmal größeres Aufsehen, als der Stiftung Aufgaben des Ministeriums übertragen wurden. Abgelehnte Förderanträge sorgten bei einzelnen Antragstellern naturgemäß für Ärger, sind aber bei vielfach überzeichneten Förderprogrammen unvermeidlich. Generelle Kritik an der Förderpraxis war nicht zu vernehmen. „Die Stiftung macht eine gute Arbeit“, stellt der Sprecher der Landeskulturverbände Torsten Tannenberg vom Sächsischen Musikrat der Kulturstiftung insgesamt ein gutes Zeugnis aus. Seit Jahren sei man regelmäßig im Gespräch.

Kurz vor der Sitzung des Kuratoriums am Dienstag unterstellte ein Artikel des Leipziger Stadtmagazins „Kreuzer“ der Stiftung hingegen eine „Kultur des Stillstands“. Von „konservativen weißen Männern“ ist die Rede, die als Regierungsvertreter im Kuratorium die Stiftung angeblich parteipolitisch lenken, was zu „Stagnation und Resignation“ unter Kulturschaffenden führe. Solche Urteile vermengt der wenig kenntnisreiche Artikel mit einem tatsächlichen stiftungsinternen Problem. Der seit 2003 amtierende Stiftungsdirektor Ralph Lindner gilt vor allem bei seinen eigenen Mitarbeitern zunehmend als schwierige Personalie. Zehn der zwölf Angestellten in Hellerau schrieben wegen ihrer Arbeitsbelastung und des gestörten Klimas Ende November an den Stiftungspräsidenten Ulf Großmann. Kommunikationsprobleme, gelegentlich auftretende cholerische Charakterzüge Lindners und vor allem Aufforderungen zu gegenseitiger Überwachung haben das Vertrauen erschüttert.

Das war auch Kulturleuten außerhalb der Stiftung bekannt, wurde aber als interne Angelegenheit und als ein lösbares Problem angesehen. Mit der bislang aller fünf Jahre praktizierten Bestätigung Lindners als Direktor tauchte nun erstmals die Frage seiner möglichen Ablösung auf. Bei einer Sitzung des Stiftungsvorstandes am 6. Dezember wurde ein Rechtsgutachten diskutiert, das Lindner ein unbefristetes Arbeitsverhältnis als Stiftungsdirektor bescheinigt. Für viele war das eine Überraschung. Das Kuratorium hat nun am Dienstag einer erneuten Wiederbestellung Lindners zugestimmt. Eine Mitteilung des Wissenschafts- und Kunstministeriums fordert zugleich dazu auf, die lobenswerte Arbeit der Kulturstiftung von der Diskussion um die Person des Direktors zu trennen.

Ralph Lindner selbst weist zunächst auf die rasante Entwicklung der Stiftung hin, die die unterstellte Stagnation ad absurdum führe. Seit 1998 ist sie durch die Zuführung der ehemaligen sächsischen Anteile an der ostdeutschen Stiftung Kulturfonds eine „echte Stiftung“. Erst zum Jahresende 2017 ist ihr Stiftungskapital auf 20,5 Millionen Euro aufgestockt worden, womit trotz der Niedrigzinspolitik Erträge von etwa 600 000 Euro jährlich erzielt werden. Der Stiftungsetat wuchs seit dem Amtsantritt Lindners 2003 von einer Million auf fünf Millionen Euro an. Die Projektförderung verzehnfachte sich auf mittlerweile 3,6 Millionen Euro. Die darüber befindenden 34 Fachbeiräte in sechs Kultursparten amtieren nur für drei Jahre, so dass etwa im Vergleich zu den sächsischen Kulturräumen eine größere inhaltliche Beweglichkeit gegeben ist.

Das Personal und die Arbeitsräume aber seien mit der Fülle der Aufgaben nicht mitgewachsen, sagt Lindner. Mindestens zwei Stellen benötige er dringend. Trotz der Kritik an seiner Person stellt sich der Direktor vor seine „hochmotivierten Mitarbeiter“. Den internen Stress schreibt er überwiegend den Veränderungen zu. Eine persönliche Verantwortung räumt er nicht direkt ein, schließt jedenfalls vermutete persönliche Probleme als Ursache aus. „Wir kriegen es hin, die Spannungen abzubauen“, zeigt er sich zuversichtlich im Interesse einer großen Gemeinwohlaufgabe. Tatsächlich soll nach einem Gespräch mit den Mitarbeitern im Dezember nun eine Mediation den Konflikt ausbalancieren.

Wie lange er den Direktorenposten noch bekleiden möchte, sagt Lindner nicht, lächelt aber bei der Feststellung, dass ihm dieser Dienst an der Kultur sehr viel Spaß mache. Auch die sonst sehr kritische Grünen-Landtagsabgeordnete und Kulturpolitikerin Claudia Maicher hatte lediglich gemahnt, dass die Wiederberufung Lindners „kein Automatismus“ sein solle. Ein Klimawandel in der Stiftung scheint indessen dringend nötig, weil die kollegialen und Arbeitsbelastungen bereits zu einem erhöhten Krankenstand geführt haben.

Von Michael Bartsch

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