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Radebeuler Maler und Grafiker Michael Hofmann stellt in Landesärztekammer aus

Ausstellung Radebeuler Maler und Grafiker Michael Hofmann stellt in Landesärztekammer aus

„Der besondere Moment“ heißt die aktuelle Ausstellung des Radebeuler Malers und Grafikers Michael Hofmann. Unser Autor hat sich die Werke bereits angesehen und ist sich sicher: ein optisches Ereignis.

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Ein Ausschnitt aus dem Werk „Atelierausblick“, Öl auf Leinwand

Quelle: PR

Dresden. „Der besondere Moment“, den der Radebeuler Maler Michael Hofmann zum Thema seiner Ausstellung in der Sächsischen Landesärztekammer gemacht hat, ist in erster Linie ein optisches Ereignis. Schon ein Blick aus dem Atelierfenster in die heimischen Weinberge kann einen solchen bewirken, ein Blick, der sich bei jedem Wetter, zu jeder Tages- oder Jahreszeit auf überraschende Weise anders darbietet. Auch kann ein beliebiger Weinstock in der Lage sein, an einem Wintertag ein Innehalten zu bewirken.

Es braucht dazu nichts weiter als ein bisschen Aufmerksamkeit und die Offenheit des Herzens dem Schönen gegenüber; der Dichter mag’s Empfindsamkeit nennen. Es ist eine Gabe, die dem Geschöpf zwar mit der Sehkraft gegeben ist, die aber der Entwicklung bedarf.

Der Künstler hat diese Gabe entwickelt. Sie macht ihm den Alltag nicht nur auf Reisen zum Erlebnis. Er weiß seine Sinne wach zu halten, ob er nun in Venedig aus dem Hotelfenster über die Lagune blickt oder über einen böhmischen Friedhof schlendert. Schon die Annäherung an einen Bahnübergang kann einen besonderen Moment enthalten.

Jeder Erdenfleck hat sein eigenes Licht und seine eigene Schönheit; jeder Erdenfleck kann ihn hervorbringen, den Moment des Erkennens, der manchmal auch den Schalk weckt, wenn ein Vogel um die Weinflasche kreist oder sich ein Krebs auf dem Kopf einer Dame räkelt. Und wenn die Reisenden heimkommen aus der Fremde in ihr Haus unterm Weinberg, wartet dort schon Moritz, der Kater, mit dem Maler ins Atelier hinauf zu steigen.

„Atelierausblick“, Öl auf Leinwand

„Atelierausblick“, Öl auf Leinwand

Quelle: PR

Der bleibt nämlich beim dankbaren Genießen nicht stehen. Er vermag es, den „besonderen Moment“ produktiv werden und mit schnellen Strichen in seinem Skizzenbuch zum Bild gerinnen zu lassen. Irgendwann später wird er ihn im Atelier in Holz schneiden oder auf einer Leinwand mit Ölfarben ausarbeiten. Im Farbholzschnitt aus der verlorenen Form hat er es zu besonderer Meisterschaft gebracht. Doch ist ihm die, wie er selbst sagt, „modulationsreichere“ Malerei in gleicher Weise wichtig geblieben. Sie bildet nun auch den Schwerpunkt der Ausstellung, die durch eine Reihe von Holzschnitten und Collagen ergänzt wird und somit einen Blick auf die ganze Breite seines Schaffens ermöglicht.

Die Entscheidung, auf welche Weise eine Erinnerung zum Bild wird, bedarf nun abermals des „besonderen Momentes“.

Charakteristische Köpfe schneidet Michael Hofmann, wie auch die Ausstellung zeigt, gerne in Holz. Für Porträts hält er den Holzschnitt eher nicht geeignet.

Hier ist, stelle ich mir vor, der Moment des Erkennens besonders wichtig. Der Maler muss schon ein Verhältnis nicht mit, aber zu dem Modell entwickelt haben, das dann wesentlich ins Porträt eingeht. Denn längst geht es nicht mehr um das bloße Abbild einer äußeren Erscheinung, sondern um die dahinter verborgene Person. Das ist manchmal ein für beide gefährlicher Vorgang.

Michael Hofmann liebt nicht nur die Farbe, er liebt auch das damit verbundene Abenteuer.

Er wurde 1944 in Chemnitz geboren. Als Reprofotograf und Gebrauchswerber hat Hofmann im väterlichen polygrafischen Betrieb das Sehen gelernt. Schließlich konnte er an der HfBK in Dresden Malerei und Grafik studieren, zuletzt als Meisterschüler bei Prof. Bondzin. Seit 1977 ist er freischaffend als Künstler tätig. Als er gleich zu Anfang die Möglichkeit erhielt, für den ersten in der DDR genehmigten Kirchenneubau in Gera-Lusan die Fenster zu entwerfen, erfüllte sich ihm ein früher Traum. Es liegt ihm, seinen Farben einen festen Halt zu geben – den finden sie auch im Holzschnitt; freilich ist der Rahmen hier nicht gar so fest zementiert. In der Malerei müssen sich die Farben gegenseitig halten.

Die Aufzählung der im Laufe der Zeit diesem Leben erschienenen besonderen Momente könnte noch eine Weile fortgesetzt werden, doch schon ein flüchtiger Blick über die Reihe der Porträts, Landschaften und Ortseindrücke in dieser Ausstellung legt nahe, dass ihr eigentlicher Reiz für ihn vielleicht doch ganz woanders liegt: Wenn nämlich der Maler die Treppe hinauf ins Atelier steigt, wenn er sich übers Brett beugt, um mit dem Beitel die Form herauszuschneiden, wenn er die Farbe walzt, Blatt für Blatt mit der Hand abzieht und zum Trocknen hängt, wenn er zum Pinsel greift und mit schnellen, wie abwesend wirkenden Bewegungen die Farben mischt, ist er so ganz von dem „besonderen Moment“ gefangen genommen. Er genießt diese Momente in der ehrlich empfundenen Dankbarkeit, jeden Tag so arbeiten zu können. und er arbeitet jeden Tag, sonst wäre der besondere Moment verschwendet.

bis 21. Januar, Landesärztekammer, Schützenhöhe 16, geöffnet Mo-Do 9-18, Fr 9-16 Uhr

www.slaek.de

Von Thomas Gerlach

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