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Regional Premiere von Futurum in der Messe Dresden
Nachrichten Kultur Regional Premiere von Futurum in der Messe Dresden
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17:50 09.09.2015

Mitglieder von Futurum wollen die Romantik wiederbeleben und in das 21. Jahrhundert transportieren. Indem sie Werke Schumanns - genauer gesagt Auszüge aus dem Liederkreis op. 39 und der Dichterliebe op. 48 - neu vertonen, wollen sie dem Komponisten huldigen. Und mit ihm selbstredend auch den Verfassern der Kunstlieder Heinrich Heine und Joseph von Eichendorff. Mehr Romantik auf einmal geht nicht!

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss man sich allerdings einiges einfallen lassen. Kontraste müssen her! Und die gab es an diesem Abend zuhauf. Betrat man als Zuschauer die Messehalle 3, in der das Konzert stattfand, fühlte man sich - mit etwas Fantasie, wohlgemerkt - vielleicht so wie Caspar David Friedrich selbst, als er sich in Rückansicht über das Nebelmeer blickend malte. Eine riesige Halle, nur ein kleiner Teil davon bestuhlt, am hinteren Ende die dunkle Bühne. Etwas verloren lief man da die Stuhlreihen entlang, während über einem beeindruckend dicke und lange Rohre von der Decke prangten. Dazu tönten als Einstimmung aus den Boxen Klavierwerke von Schumann. Kontrast Nr. 1 also perfekt umgesetzt. Kontrast Nr. 2 folgte sogleich: An der Hinterwand der Bühne eine riesige Leinwand, von der interessant verknüpft verfremdete Ausschnitte aus CDFs Gemälden und futuristischen Installationen nieder leuchteten.

Der eigentliche, wichtigste Kontrast war natürlich der auditive. Schumanns Lieder dürften die meisten Besucher gekannt haben - was aber Futurum daraus gemacht haben, zeugte von Kreativität, Einfallsreichtum, aber auch von Mut. Das Dresdner Publikum ist bekanntlich klassikverwöhnt, doch damit hatte die musikalische Transformation in die gegenwärtige Zeit nicht mehr viel zu tun. Eine dröhnende und verzerrte E-Gitarre, Schlagzeug, E-Bass und Elektronik - ein romantisches Gewitter brach über den ein oder anderen herein, wenn man es mal so ausdrücken möchte. Schumann goes Elektro, beziehungsweise Rock.

Die Umsetzung der Idee scheiterte jedoch leider am Sound. Der Klang der Instrumente verschwamm regelrecht in den Weiten der Halle, und Sänger Sebastian Lohse war selten zu verstehen. Doch wäre gerade der Text, die Poesie, essenziell für das Konzertereignis gewesen. Somit funktionierte der wichtigste Kontrast - zwischen Romantik und Moderne - nur ansatzweise. Sehr schade.

Durch kleine, unbegleitete Gedichteinschübe (die man dann etwas besser verstand!) seitens des Sängers sollte die beabsichtigte Stimmung aufrecht erhalten werden, ebenso durch Intermezzi von Christian Keymer am Keyboard, Johannes Hautop an der E-Gitarre, Florian Salewski am E-Bass und dem großartigen Stephan Salewski an den Drums. Keine Unterbrechungen durch Begrüßung oder Zwischenreden. Zum Glück! Doch die Stimmung war bei vielen schnell verflogen, weil von der Bühne keine verständlichen Worte drangen. Da konnte sich die Band noch so bemühen.

Die Konzertatmosphäre war eine andere, eine atypische, aber keinesfalls verkehrte. Dennoch: Ohne den Text erhielt der Zuschauer keinen Zugang zur Musik und damit keinen Zugang zur tollen Idee dahinter. Sebastian Lohse bekannte am Ende des Konzertes, "einen Hauch von Ewigkeit" zu spüren, wenn die Poesie ihn erreicht. Das hätten sich die meisten Besucher sicherlich ebenso gewünscht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.09.2014

Annette Thoma

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