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Premiere von "Flowerpower" in der Comödie: Schwestern teilen alles

Premiere von "Flowerpower" in der Comödie: Schwestern teilen alles

Mobile Phones (= Handys)? Establishment-Shit! Espresso-Maschine? Bullshit! Currywurst? Schmeckt ganz, ganz schrecklich! Markenklamotten? Voll ätzend! Hasch(isch) allerdings, ob nun geraucht oder verbacken im Keks, ist voll okay.

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Jürgen Mai, Ramona Kunze-Libnow und Ulrike Mai machen in "Flowerpower" in der Comödie gemeinsam auf alternativ.

Quelle: Elizabeth Kynast

Pia, die einst nach Amerika auswanderte, ist das, was ihre Schwester Barbara befürchtet hat: eine flippige Hippie-Braut. Voll auf dem Esoterik-Trip. Crazy. Dazu voll Öko. Blöderweise haben sich die beiden Schwestern, die sich nun nach Jahrzehnten wiedersehen werden, in ihrer Jugend geschworen, nie zum Establishment zu gehören - und sollte eine von ihnen wider Erwarten zu Reichtum gelangen, dann müsse das Vermögen schwesterlich geteilt werden.

Also machen Barbara Werner und ihr Mann Michael, ein zynischer Creative Director, auf alternativ, krempeln das schmucke Heim auf versiffte WG um, nehmen dazu einen lebensuntüchtigen Pflanzenfreak mit Kinderseele auf, spannen Werners aparte Sekretärin Sandra, auf die der Hausherr steht (und sei es mit Hilfe von Viagra), mit ein. Bald entspinnt sich in dem Stück "Flowerpower", das jetzt an der Comödie Dresden Premiere hatte, ein wirres Versteckspiel. Zur Krönung taucht vorfristig der holländische Tulpenmagnet von Moelden auf, mit dem der umtriebige Werner ein lukratives Geschäft vorhat.

Bald laufen die Dinge aus dem Ruder in dieser Komödie von Philipp Sonntag, die von Regisseur Matthias Kitter mit Sinn für Details in Szene gesetzt wurde. Den Zuschauer erwartet geballte Frauenpower: Ramona Kunze-Libnow ist Barbara Werner, geb. Hartmann, die tapfer wie angewidert die makrobiotische Vollwertkost hinunterwürgt und teures Geschirr zerdeppert, damit der Schwindel nicht auffliegt; Ulrike Mai (ebenfalls vielen aus diversen TV-Produktionen bekannt) hat den Part der Pia, die wie viele Hippies nicht erwachsen geworden ist und die wie viele Deutsche spricht, die es lange unter die Amis verschlug: an Anglizismen ist - "you know" - wahrlich kein Mangel; und Bianca Warnek ist Werners sexy Sekretärin Sandra, die das Herz auf dem rechten Fleck und darüber eine Kreation von Coco Chanel trägt, die bald im Katzenklo landet. Dass ihr diese Batik-Behandlung ihres Kleids die Tränen in die Augen treibt, sollten selbst Mode-Muffel verstehen.

Dass das Luxusweibchen Sandra sich ausgerechnet in den lebensuntüchtigen Softie Benno (Benjamin Elstner) verliebt - und zwar schon bevor sie bekifft ist und auf Geheiß des umtriebigen Werner (Jürgen Mai) von Moelden (Herman van Ulzen) schöne Augen macht - ist so ziemlich die größte Unglaubwürdigkeit von Sonntags turbulenter Komödie um späte Verstrickungen zweier, wenn nicht dreier Alt-Achtundsechziger, die nach dem Marsch durch die Institutionen Teil dessen sind, was ihnen früher Hort allen Übels war: des Establishments. Denn schon bald deutet sich an, dass nicht nur Barbara, sondern auch Pia zu viel Money gekommen ist, ganz gegen ihre Absicht natürlich.

Es macht trotz gelegentlicher Längen im Großen und Ganzen Spaß zuzusehen, wie hier die Hippiebewegung auf die Schippe genommen wird. Allerdings betreiben Autor und Regisseur dies liebevoll, nicht böse. Klar wird kräftig übertrieben, das Klischee bemüht. Aber so funktioniert nun mal eine Komödie, meistens jedenfalls. Sonntag hat ein Gespür für Pointen. Hübsch auch der immer wieder aufblitzende Wortwitz, etwa wenn Werner, verfänglich auf Sandra liegend, seiner Gattin versichert: "Es ist nicht so, wie es aussieht! Ich couche sie, äh, coache sie!" Das Spiel der Akteure nimmt ein. Elstner bleibt ein bisschen blass, aber das ist nur konsequent in der undankbaren Rolle eines Softies.

Nächste Vorstellungen: Di. bis Sa., jeweils 19.30 Uhr, Di. und Sa. auch 15 Uhr, So. 18 Uhr. Heute ist Theatertag: da gibt es rund 20 Prozent Nachlass. Karten: Tel.0351/86 64 10

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2011

Christian Ruf

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