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Premiere für das Stück "Der Totmacher" im Societaetstheater Dresden

Premiere für das Stück "Der Totmacher" im Societaetstheater Dresden

Charles Manson oder Jack the Ripper haben es in unser Schauergedächtnis geschafft. Jeder weiß, diese Namen stehen für bestialisch zu Werke gehende Serienmörder.

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Tom Quaas in der Inszenierung "Der Totmacher" im Societaetstheater.

Quelle: Detlef Ulbrich

Doch bei Fritz Haarmann klingelt erst mal nichts, zumindest nicht bei jüngeren Menschen. Dabei war er, der bis 1924 vermutlich 24 Jungen und jungen Männern die Kehle durchbiss und sie danach in seiner Wohnung zerstückelte, der "Vampir", die "Bestie" oder eben der "Totmacher von Hannover". Anhand des Buches von Romuald Karmaker und Michael Farin durchleuchtet norton.commander.productions. im Societaetstheater die Gerichtsprotokolle des damaligen Verfahrens und rekonstruiert damit die letzten Tage Haarmanns. Das Stück stellt die Frage nach der Grenze zur Zurechnungsfähigkeit, nach Schuld und öffentlichem Druck - bis heute sehr gängige Begriffe. "Der Totmacher" ist eine spannende Kammer-Psychiaterstunde mit einem großartig schizophrenen Tom Quaas, der als Täter, Ankläger, Protokollant und zerstückeltes Opfer auftritt.

Quaas' Haarmann sitzt auf der Bühne, die der Verhörraum ist, und macht sich Kaffee. Er läuft synchron mit seiner Figur, die hinter ihm auf die Leinwand projiziert wird, hin und her, und irgendwann schaltet er die Kaffeemaschine aus und wird zum Psychiater Professor Dr. Ernst Schultze. Der Mann auf der Leinwand bleibt Haarmann. Zwischen dem echten Menschen und seinem digitalen Gegenüber entstehen Dialoge, in denen der eine viel fragt und der andere kaum etwas verschweigt. Es ist ein Bäumchen-Wechsel-dich-Spiel, in dem Haarmann immer wieder zu Schultze wird und andersherum, in dem die Seiten langsam verschwimmen.

Die Zuschauer erfahren ein paar Episoden aus der gestörten Kindheit und Jugend Haarmanns, der vom Vater misshandelt, vom Bruder missbraucht und von der Mutter verhätschelt wurde. Er erzählt von seiner gescheiterten Verlobung und der Zuwendung zu jungen Männern vom Straßenstrich, seinen "Puppenjungs", die niemand vermissen würde und die doch schließlich immer freiwillig mit zu ihm gegangen seien. Er habe sie gelutscht und am nächsten Morgen wären sie immer tot gewesen.

Ein Thema, das erdrückender kaum sein könnte, wird unter der Regie von Harriet und Peter Meining und mit den Sound- und Bildcollagen von Nikolaus Woernle bzw. Martin Bochmann und René Liebert fast ein bisschen lebensbejahend umgesetzt. Alleine dafür sollte man sich "Der Totmacher" anschauen. Für diese leichte Note, die das Schwere bekommt, wenn Haarmann mal fast kindlich naiv aus seinem Leben erzählt. Oder auf der Leinwand in seine Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut wird. Nicht ins Lächerliche werden die Morde damit gezogen, sondern eher ins Sterile - nirgends klebt Blut, hier wird sauber im Photoshop getrennt, was dem echten Haarmann nur mit großer Mühe und unter ständigem Ausruhen gelang, wie er dabei erläutert. Diese Distanz, so wirkt es, macht die Geschichte überhaupt erst erzählbar. Zumindest wenn man nicht nur vorhat, das Monster im Käfig auszustellen, vor dem sich dann alle kurz zum Gruseln aufstellen können.

Der echte Haarmann wurde nach der sechswöchigen Untersuchungszeit für voll zurechnungsfähig erklärt und hingerichtet. "Auf Wiedersehen" waren seine letzten Worte. Der gespielte Haarmann sitzt am Ende fast erlöst da und sagt, er habe doch nur ein Denkmal haben wollen. Er wollte, dass sich auch nach seinem Tod jemand an ihn erinnert.

Wieder am 2.6., Societaetstheater

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2013

Juliane Hanka

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