Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Premiere der Art Basel in Hongkong mit Dresdner Beteiligung

Premiere der Art Basel in Hongkong mit Dresdner Beteiligung

1970 fand sie erstmals statt: die Art Basel - 90 Galerien, 10 300 Besucher. Mit 5,8 Millionen Franken Umsatz war sie damals auch finanziell ein großer Erfolg. Die Zahl der Galerien hat sich inzwischen verdreifacht, die der Besucher fast versiebenfacht.

Voriger Artikel
Dresdner Skulpturensammlung zeigt Akt um 1900
Nächster Artikel
"Falstaff"-Inszenierung von Studenten der Musikhochschule

Der Dresdner Galerist Ralf Lehmann im Gespräch vor einem Bild Martin Mannigs.

Quelle: Adina Rieckmann

Auf der 43. Kunstmesse Art Basel 2012 haben die Galerien innerhalb weniger Stunden Millionenumsätze erzielt. Sie ist unbestritten die erfolgreichste Kunstmesse weltweit - und das Mutterunternehmen MCH Group hungrig nach noch mehr Messen, noch mehr Geld. Seit 2002 gibt es einen erfolgreichen amerikanischen Ableger, die Art Basel Miami Beach. Die MCH Group erwarb 2011 zudem 60 Prozent der Anteile der vormals als Art Hongkong firmierenden Kunstmesse. Seitdem wabert es in der Kunstwelt, rotiert die Maschinerie. Knacken die Schweizer Asien, bestätigen sie auch dort ihren Ruf als weltbeste Kunstmesse? Zur Premiere werden bis Sonntag tausende Sammler, Museumsmitarbeiter, Kuratoren und Besucher erwartet. Insgesamt sind in Hongkong 3000 Künstler vertreten - präsentiert von 245 der weltweit führenden Galerien, darunter auch die Dresdner Galerie Gebr. Lehmann.

Durchaus Muffensausen

Doch die Brüder haben durchaus Muffensausen, wie Ralf Lehmann gesteht: "Diese Messe funktioniert anders als in Europa oder in den USA", sagt er. "Das Selbstverständnis westlicher Kunst, das wir kennen, ist außer Kraft gesetzt. Sie müssen wissen, die Asiaten kennen nur sich selbst. Sie öffnen sich aber gerade und sind sehr, sehr neugierig." Trotzdem müssten selbst große Galerien wie die Marlborough Gallery oder White Cube in Hongkong um Anerkennung kämpfen, meint Lehmann, und als kleine Galerie aus Sachsen müssten sie da erst recht sehr deutliche Signale setzen. "Wir haben lange überlegt, mit welchen Künstlern wir uns hier vorstellen. Dass wir Eberhard Havekost zeigen, das ist nur folgerichtig, schließlich ist er in Asien bereits in Museen präsent. Dass wir aber auch Martin Mannig mitnehmen, das war uns sofort klar, als wir seine neuen Arbeiten gesehen haben." Dieser Mix aus Erzgebirge und Fukushima, erklärt der Galerist weiter, sei wie für Hongkong geschaffen. Ralf Lehmann ist sich sicher, dass der gebürtige Freiberger, der in Asien ohnehin schon seine Fans habe, neue dazugewinnen werde.

Das Kalkül könnte aufgehen. Vor dem Stand der Lehmänner herrscht ein reges Kommen und Gehen. Immer wieder bleiben interessierte Chinesen, Japaner oder Koreaner vor den Bildern von Martin Mannig stehen, stellen Fragen über Fragen: Wie kommt der junge Mann dazu, Mangamädchen im Skelett zu malen, wieso sieht die Farbe der Mohrrüben so merkwürdig, so ungesund aus, warum steht dort ein Gartenzwerg, was soll dieser dickliche Schneemann da, und warum blickt das bleiche Mangamädchen so seltsam? Ralf Lehmann erzählt gebetsmühlenartig über die Reise von Martin Mannig in das kurz vorher vom Tsunami betroffene Gebiet rund um Fukushima und erklärt, dass der Künstler seitdem seine gewonnenen Eindrücke in seinen Bilder verarbeitet (DNN berichteten). Klick, klick macht es immer wieder, die Asiaten fotografieren ununterbrochen: den Gartenzwerg, den Mohrrübenwald, den Schneemann, und sie fragen tatsächlich auch nach Preisen. Und sie fragen nicht nur, sie kaufen auch. Nicht nur eine Arbeit von Martin Mannig, sondern alle - Bilder im Wert von 3000 bis 15 000 Euro.

Die Brüder Lehmann haben im Vorfeld nichts dem Zufall überlassen, haben sich sehr gründlich auf die erste Art Basel Hongkong vorbereitet. Unterstützung gab es dafür auch von der Messeleitung. Sie informierte alle Teilnehmer in einem mehrseitigen Schreiben über Verhaltensregeln, um Missverständnisse oder Brüskierungen zu vermeiden. "Wir waren darüber sehr froh", sagt Ralf Lehmann. "Die Chinesen sind komplett anders als wir Europäer. Nichts ist schlimmer als der vermeintliche Gesichtsverlust."

Über 600 Galerien haben sich für die 1. Art Basel Hongkong beworben. Fünfzig Prozent der Galerien aber stammen aus Asien und dem asiatisch-pazifischen Wirtschaftsraum. Das ist ein deutliches Signal für das Interesse dieser Region an moderner und zeitgenössischer Kunst. Schon heute ist Hongkong der wichtigste Umschlagplatz für Kunst in Asien. Auf dem Auktionsmarkt ist die Stadt schon länger etabliert und gehört neben London und New York zu den umsatzstärksten Handelsplätzen. Genau das lockt auch die Dresdner auf das Inselterritorium an der Mündung des Perlflusses: "Darüber muss man sich erstmal klar werden: Der asiatisch-pazifische Knotenpunkt ködert mit etwa drei Millionen Millionären Asiens und etwa 60 Milliardären in China", sagt Ralf Lehmann. Außerdem, so erklärt er weiter, würden in der Sonderwirtschaftszone die Import- und Exportsteuer entfallen. "Das sind alles Faktoren, die wir nicht außer Acht lassen dürfen und die die Sammler natürlich auch nicht übersehen." Seine Beobachtungen werden auch durch die European Fine Art Foundation bestätigt. China hat inzwischen die USA als weltweit größter Markt für Kunst und Antiquitäten überholt.

Und so tummeln sich neben den großen asiatischen Galerien wie Lin & Lin Gallery (Taipei, Beijing) und Tomio Koyama (Tokyo, Kyoto) selbstverständlich auch die wichtigsten internationalen Händler in der früheren britischen Kolonialstadt. Gagosian (New York), David Zwirner (New York) und Hauser & Wirth (Zürich, London, New York) sind vertreten, aber auch Perrotin (Paris), Thaddaeus Ropac (Salzburg, Paris) sowie Contemporary Fine Arts (Berlin), Sprüth Magers (Berlin London), Eigen + Art (Leipzig, Berlin) und die Dresdner.

40 000 Euro Standgebühr

Die Galerie Gebr. Lehmann (Dresden, Berlin) präsentiert sich - als eine der wenigen auf dieser Messe - außerdem mit einem Gemeinschaftsstand. Sie arbeiten mit dem Galeristen Shinji Nanzuka aus Tokyo zusammen, nicht das erste Mal, aber noch nie so deutlich. "Man darf eins nicht vergessen: Die Kunstwelt ist eine Welt der Global Player, also sehr international, aber eben auch sehr klein", erklärt Ralf Lehmann. "Man muss den Sammlern immer wieder etwas Neues bieten, sonst ziehen sie zu einem nächsten Ort, zu einem noch hipperen. Ich muss also auf die Sammler zugehen, richtige Aufbauarbeit leisten." Mit diesem Stand, so meint er noch, finde jetzt ein wirklicher Dialog statt: "Dresden meets Tokyo in Hongkong." Und in der Tat, solch eine Präsentation sieht man hier auf der Messe nicht oft.

Wie auch immer, die ersten Galerien vermelden noch am Eröffnungstag Millionenumsätze, auch Ralf Lehmann und Shinji Nanzuka strahlen. Die 40 000 Euro Standgebühr jedenfalls sind eingelöst. Es scheint, als wird die Art Basel Hongkong noch größer und durchschlagender als der Ableger in Miami Beach. Über die Summe, die die Schweizer 2011 in Hongkong auf den Tisch legten, wurde übrigens Stillschweigen vereinbart. Man will sich eben nicht mehr in die Karten gucken lassen.

https://www.artbasel.com/en/Hong-Kong

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.05.2013

Adina Rieckmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr