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Prager Pavel Haas Quartett spiete auf Schloss Albrechtsberg

Prager Pavel Haas Quartett spiete auf Schloss Albrechtsberg

Seit mittlerweile zehn Jahren spielt das Pavel Haas Quartett und daran, dass die Prager Musiker zu den ganz festen Größen unter den Streichquartetten gerechnet werden dürfen, ließen sie auch bei ihrem Konzert in der Reihe "Meisterkonzerte" keinen Zweifel, im ausverkauften Kronensaal von Schloss Albrechtsberg.

Als eines unter wenigen Ensembles spielt das Quartett regelmäßig die nur drei Streichquartette des Janácek-Schülers Pavel Haas (1899-1944, Auschwitz), ein zwangsweise schmal gebliebenes Œuvre, dessen geringe Bekanntheit gar nicht in seiner Qualität zu suchen ist. Im Gegenteil verbinden sich darin die Kriegs- und Lebenserfahrungen des jungen Komponisten mit der modernen Tonsprache in einer Dichte, wie sie sich zeitgleich nur noch bei Josef Suk finden lässt. Am Beginn stand Haas' Streichquartett Nr. 1 cis-Moll von 1920. Dessen Spannung zwischen Niedergeschlagenheit und Hoffnung, aber auch die Bestürzung darüber, dass die Hoffnung unerfüllt bleibt, waren vorbildlich herausgearbeitet. Das in dunkle, erdige Farben gefasste Spiel des Quartetts entspringt einer Klangidee, die bei tschechischen Streichern öfter zu finden ist. Doch ist dieses Spiel zudem so intensiv, dass ein Ausdruck von körperlicher Wirkung möglich wird, der sich zu entziehen schwer fiele. Schon die extreme Dynamik und die tiefe Bewegung durch die Gefühlslagen bei Haas' einsätzigem Stück waren Beispiel genug dafür.

Noch intensiver, drängender war Smetanas Streichquartett Nr. 1 e-Moll "Aus meinem Leben" erfasst. In der dunklen Prägung der Farben durften die Instrumente zu einem Klang zusammenfließen, und die Grenzen zwischen erster und zweiter Violine (Veronika Jaruskova, Eva Karová), Viola (Pavel Nikl) und Violoncello (Peter Jarusek) wurden nebensächlich. Bis zum Äußersten waren auf diesem Grund die Emotionen freigelegt, eine Risikobereitschaft im Spiel, in der sich der Humor des Polka-Satzes bis ins Aberwitzige steigern ließ und dem im Largo eine Ruhe gegenüberstand, die über einem ganz frei behandelten Metrum blühen konnte. So ganz ohne Rückversicherung in Vorsicht oder vorgeschobene Eleganz zu spielen, barg zwar Gefahren für Intonation und Konzentration, doch angesichts des musikalischen Ereignisses war derlei marginal.

Im Gestus klarer konturiert, dennoch die selben klanglichen Mittel nutzend, spielte das Pavel Haas Quartett schließlich Schuberts Streichquartett Nr. 14 d-Moll (Der Tod und das Mädchen). Eine eigentlich unmöglich zu denkende Verbindung aus Innigkeit und Kraft für den langsamen Satz oder der beunruhigende, beim Hören zur inneren Mitarbeit treibende Ritt durch den Finalsatz, dem jedoch nichts Grobes anhaftete, loteten die Ideen des Stückes auch im spätromantischen Sinn aus. Die Anspannung durfte man bei einer Zugabe aus Dvoráks "amerikanischem" Quartett abschütteln und noch etwas länger über die Wirkung des Spiels der Musiker staunen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2012

Hartmut Schütz

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