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Prägende Persönlichkeit der Kirchenmusik: Hans-Joachim Schwinger ist tot - ein Nachruf

Prägende Persönlichkeit der Kirchenmusik: Hans-Joachim Schwinger ist tot - ein Nachruf

Mit Hans-Joachim Schwinger ist am Sonntag eine der prägenden Persönlichkeiten der sächsischen Kirchenmusik gestorben. 1927 in Dresden geboren, trat Schwinger 1948 sein erstes Kantorenamt 1959 in Leisnig an.

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Hans-Joachim Schwinger

Quelle: Archiv

1959 wurde er zum Kirchenmusikdirektor des Kirchenbezirks Leisnig ernannt. 1969 übernahm er das Kantorat in der St. Pauli-Kreuz-Kirchgemeinde im damaligen Karl-Marx-Stadt, wiederum verbunden mit der Aufgabe als Kirchenmusikdirektor. Als Landesobmann führte er das Kirchenchorwerk der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens ab 1974 bis zu seinem Dienstende. 1977 wurde er zum Landeskirchenmusikdirektor der sächsischen Landeskirche berufen. Dieses höchste kirchenmusikalische Amt hatte er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1992 inne.

Die nüchternen Angaben zur erfolgreichen Biographie eines Kirchenmusikers werden der Persönlichkeit Schwingers noch nicht gerecht. Er war ein Musiker von großer Ausstrahlung, der höchst effektiv, bestens organisiert arbeitete und die Menschen zum Singen zu begeistern wusste. Dankbar und mit Freude erinnern sich zahlreiche Sängerinnen und Sänger an das Musizieren mit ihm in der kontinuierlichen Chorarbeit oder während der von ihm geleiteten Singwochen in Buckow.

Der Übergang in das kirchenmusikalische Leitungsamt bedeutete für Hans-Joachim Schwinger den weitgehenden Verzicht auf eigene musikalische Tätigkeit. Als Landeskirchenmusikdirektor leitete er noch den Buckower Singkreis; doch seine eigentliche Arbeit bestand darin, die Kirchenmusik in der Landeskirche optimal zu entwickeln, ihre Strukturen sowie die Arbeitsbedingungen für die Kantorinnen und Kantoren so günstig wie möglich zu gestalten. Zu ihnen bewahrte er engen Kontakt, wusste über ihre Situation, ihre Freuden und Probleme bestens Bescheid und vertrat ihre Interessen energisch und erfolgreich. Er verlangte viel von sich selbst und von anderen. In seinem Wesen verband sich Strenge mit persönlicher Anteilnahme und Fürsorge. Seine Personalführung war durch Klugheit, Weitblick und Menschenkenntnis gekennzeichnet; besonderes Augenmerk widmete er der kirchenmusikalischen Ausbildung junger Menschen.

Unter den schwierigen Bedingungen eines atheistisch geprägten Staates folgte Schwinger seiner Vision einer lebendigen, ausstrahlenden Kirchenmusik und wusste sie mit hohem persönlichem Engagement, großem diplomatischen Geschick sowie nie versiegendem Humor umzusetzen. Seine Ehefrau Elisabeth war ihm dabei eine unermüdliche, wichtige Partnerin und Helferin.

Kirchenmusikalische Großereignisse wie die Landeskirchenmusiktage 1982 und 1991 trugen seine Handschrift. Die Planung und Durchführung des kirchlichen Bachfestes 1985 in Leipzig (als Gegenüber zum staatlichen Bachfest, das kirchliche Kräfte völlig ausblendete) war eine großartige Leistung. Unter seiner Leitung erlebte die sächsische Kirchenmusik eine Blütezeit.

Hans-Joachim Schwinger war weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt. Er arbeitete maßgeblich an der Entwicklung des jetzt gültigen Evangelischen Gesangbuchs mit und wurde im Kreise seiner Kollegen hoch geschätzt.

Viele Sängerinnen und Sänger, Kollegen und Weggefährten trauern um Hans-Joachim Schwinger. Sie denken an ihn in großer Dankbarkeit und werden ihm ein treues, ehrendes Andenken bewahren.

Die Trauerfeier findet heute, 12.30 Uhr in der Versöhnungskirche Dresden statt. In ihr wirken Landesbischof i.R. Volker Kress und Oberlandeskirchenrat Peter Meis mit. Der Chor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden unter Leitung von Stephan Lennig sowie Martin Strohhäcker an der Orgel gestalten den musikalischen Rahmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2013

Christfried Brödel

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