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Regional 6. Polnisch-Deutsche Kulturtage beginnen
Nachrichten Kultur Regional 6. Polnisch-Deutsche Kulturtage beginnen
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18:50 26.09.2018
Die Fotografie ist ein Teil der Ausstellung „Polish Summer“ im Kunsthaus Raskolnikow ab dem 26. Oktober. Quelle: Foto: Tomasz Lewandowski
Dresden

Am 11.11., 11.11 Uhr, werden in Teilen Deutschlands von Jecken und sonstigen Narren, die mit Karneval, Fasching oder Fastnacht was anfangen können, mal wieder die Rathäuser gestürmt. Auch in Dresden. Im Stadtmuseum allerdings findet zu dieser Zeit zudem eine Festveranstaltung zum 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit statt. Anno 1918 wurde im Osten Europas die Landkarte neu gezeichnet. Nicht für alle Länder im Osten Europas ist das Datum ein Grund zur Freude. In Ungarn etwa wird der Vertrag von Trianon bis heute überwiegend als beispiellose Ungerechtigkeit und Tragödie betrachtet. Polen entstand neu, aber nicht als Nationalstaat, wie viele heute denken, sondern mit erheblichen Anteilen an deutschen, litauischen, weißrussischen und ukrainischen Minderheiten, die bald von den nun ihrerseits chauvinistisch agierenden Polen ziemlich drangsaliert wurden.

Zwei Städte mit ins Boot geholt

Aber gut, Polen war als Staat wiederauferstanden – und das wird auch bei den 6. Polnisch-Deutschen Kulturtagen, die vom Dresdner Kraszweski-Museum mit allerlei Partnern ausgerichtet werden, gebührend feierlich begangen. Zur Festveranstaltung am 11.11. gehört auch ein Vortrag: Igor Kakolewski vom Zentrum für historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften spricht zum Thema „Polens wieder erlangte Unabhängigkeit 1918 und vergessene Aspekte der sächsisch-polnischen Beziehungen“. Die Kulturtage stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Danzig und Breslau – Städte der Polen und der Deutschen“, alles in allem sind es 18 Veranstaltungen, die ab dem 27. September bis zum 25. November über die Bühne gehen werden. Stand bei der fünften Ausgabe der Kulturtage vor zwei Jahren Dresdens Partnerstadt Breslau (Wroclaw) im Blickpunkt, nicht zuletzt deshalb, weil die schlesische Metropole eine der beiden Kulturhauptstädte Europas war, so soll in diesem Jahr der Fokus allein auf Danzig (Gdansk) ausgerichtet sein – aber weil die polnischen Partner vom Jahrgang 2016 so begeistert gewesen waren, nahm man Breslau, das wie Danzig lange deutsch geprägt war, wieder mit ins Boot.

Musik, Literatur, Filme, Ausstellungen und Vorträge zu Kultur und Geschichte der beiden Städte sind zu erleben. Nach der offiziellen Eröffnung im Stadtmuseum, am 27. September 19 Uhr (nur mit besonderer Einladung), spielt anschließend ab 20 Uhr das Susan Weinert W.O.W. Trio im Jazzklub Tonne – „polnische Kultur ist ohne Jazz nicht denkbar“, erklärte Joanna Magacz, Leiterin des Kraszewski-Museums, gestern gegenüber den DNN. Zum Trio gehört Andrzej Olejniczak, dessen Karriere in den 1970er-Jahren begann und der in Polen heute als „lebende Legende“ bezeichnet wird.

Heimat, betrachtet aus einer ganz eigenen Perspektive

„Polish Summer“ ist der Titel einer Foto-Ausstellung im Kunsthaus Raskolnikow in der Böhmischen Straße 34. Besucher erwartet ab 26. Oktober „eine fotografische Analyse aktueller gesellschaftlicher Prozesse und Zustände vor dem Hintergrund der Neugründung Polens vor hundert Jahren“. Auf den Auslöser drückte der junge Fotograf Tomasz Lewandowski, der im oberschlesischen Neiße (Nysa) geboren wurde, aber schon seit einiger Zeit in Deutschland lebt, wo er ein Fotografie-Studium an der renommierten Burg Giebichenstein in Halle absolvierte. Lewandowskis Aufnahmen zeigen einerseits Szenen aus dem Alltag, anderseits politisch und historisch relevante Orte und Objekte im Polen der Gegenwart. Weil er sowohl in Niederschlesien als auch in Deutschland zu Hause ist, betrachtet der Künstler seine Heimat aus einer ganz eigenen Perspektive – „sowohl durch die Augen eines Fremden als auch eines Einheimischen“, wie Jürgen Schmidt, Vorstandsmitglied des Forums für zeitgenössische Fotografie e.V., versicherte.

Es gibt relativ viele Lesungen, größtes Zugpferd ist vielleicht Stefan Chwin, ein Autor, der 1949 in Danzig geboren wurde, dort auch lebt und „viel Einfluss auf die polnische Gesellschaft hat“, wie Magacz meinte. Chwin, der bei etlichen deutschen Lesern als polnisches Gegenstück zu Günter Grass gilt, liest aus seinem „Deutschen Tagebuch“, das von der Kritik u.a. als „bitterernste und teilweise sehr ironische Auseinandersetzung mit dem deutschen Geist und der deutschen Kulturgeschichte“ gepriesen wurde. Grass wiederum ist eine Filmreihe gewidmet, bei der ausgewählte verfilmte Werke des wohl bekanntesten Schriftstellers aus Danzig zu sehen sind.

Das ausführliche Programm ist unter www.polnische-kulturtage-dresden.de einzusehen. In den Museen der Landeshauptstadt liegen die Programmhefte aus.

Von Christian Ruf

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