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Regional Politische Kunstpreisträger: Jürgen Schieferdecker und Ezé Wendtoin
Nachrichten Kultur Regional Politische Kunstpreisträger: Jürgen Schieferdecker und Ezé Wendtoin
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07:52 13.03.2018
Der aktuelle Förderpreisträger der Stadt Dresden Ezé Wendtoin. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Der erste Gedanke: Hat der den Preis nicht schon bekommen? Immerhin zählt er zur ersten Garde derer, die die bildende Kunst in der Stadt über eine kleine Ewigkeit maßgeblich mitbestimmt haben. Einer, der schon in DDR-Tagen mit Kunst aufmerksam machte, die als humanistisch-zivilisatorisch beschrieben werden konnte, als sozialistisch das Adjektiv war, das viele Kleingeister unter den SED-Oberen der Kunst damals in erster Linie anheften wollten.

Die Rede ist von Jürgen Schieferdecker, dem mittlerweile 80 Jahre alten Künstler, der so rege ist: als Grafiker, Maler, Architekt und Kulturfunktionär (ein Wort, das zugegeben keinen guten Klang hat, bei ihm aber durchaus positiv konnotiert ist). Schieferdecker also ist der Kunstpreisträger der Landeshauptstadt Dresden 2018. Und das kommt, wie Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) beim Pressetermin in der Grafikwerkstatt einräumte, natürlich auch „einer Würdigung des Lebenswerkes“ gleich. Passend dazu haben die Mitarbeiter der Werkstatt ein paar Original-Arbeiten von Schieferdecker unprätentiös und genau deshalb angemessen ausgelegt. So ist der Geehrte zumindest indirekt anwesend. Denn leider lässt Schieferdeckers Gesundheitszustand eine Teilnahme an der Preisträger-Verkündung am Montag nicht zu. Auch telefonisch war der Künstler trotz mehrfacher Versuche nicht zu erreichen.

So bleibt es Klepsch vorbehalten, den aktuellen Kunstpreisträger (die Auszeichnung wird seit 1993 jährlich verliehen) entsprechend zu würdigen. Schieferdecker habe die Kunst in Dresden „über viele Jahrzehnte geprägt“, sagte sie. Und daran kann kein Zweifel bestehen. Außerdem steht er vor allem mit der Ausrichtung ins Grafische in einer großartigen Preisträger-Tradition, die Namen wie Elke Hopfe, Claus Weidensdorfer und Siegfried Klotz umfasst. Laut Begründung der zwölfköpfigen Jury hat sich Schieferdecker zeitlebens gesellschaftlich eingemischt und Missstände thematisiert. „In der Linie von Dix, Griebel und Grundig stehend, prägt sein Name die Dresdner Kunst wie kaum ein anderer.“

Der aktuelle Förderpreisträger, der gestern ebenfalls benannt wurde, ist in einem anderen Metier, in einer anderen Generation, aber gleichfalls in einer politisierten Welt künstlerisch tätig. Es ist der aus Burkina Faso stammende und seit 2015 in Deutschland lebende Musiker Ezé Wendtoin. 2017 hat er mit seinem Lied „Daheeme“ und vor allem seinem dazu produzierten Video eine ganz eigene Liebeserklärung an Dresden gemacht. In seiner westafrikanischen Heimat studierte er Germanistik bis zum Bachelorabschluss, in Dresden kommt demnächst wohl der Master hinzu. Seine Abschlussarbeit beschäftig sich mit dem Einfluss von Musik auf das Erlernen von Fremdsprachen, erzählte der junge Mann, der Jahrgang 1991 ist – und tatsächlich Bertolt Brecht verehrt, wie er im Gespräch bekannte. Mit Zeilen von Brecht hat er auch schon einen Song von AnnenMayKantereit gecovert.

Wendtoin erhalte den Preis, „weil er sich als zugewanderter Germanist und Musiker konstruktiv mit dem umstrittenen Begriff der Heimat auseinandersetzt“, wie Klepsch begründete. Das tut er unter anderem auch als Mitglied der Dresdner Gruppe Banda Internationale. Bei der Inszenierung „Der Junge mit dem Koffer“ am Theater Junge Generation ist Wendtoin Gastmusiker, auch beim Theaterexperiment „Wahlokratie“ im September 2017 am Staatsschauspiel Dresden war er musikalisch involviert.

Wendtoin zeigte sich geehrt und eloquent. „Ich fürchte, nicht die passenden Worte zu finden, um meine Freude auszudrücken“, sagte er. Der Preis gebe ihm „Energie und Überzeugung, meinen Weg weiter zu gehen“.

Kunst- und Förderpreis der Stadt sind mit jeweils 5000 Euro dotiert. Außerdem erhalten die Preisträger einen aus Bronze gefertigten geteilten Apfel, eine von Peter Götz Güttler gestiftete Plastik. In diesem Jahr gab es übrigens 24 Vorschläge: 19 für den Kunstpreis und fünf für den Förderpreis. Die Preisverleihung soll im Juni über die Bühne gehen. Weitere Details sind noch nicht bekannt.

Von Torsten Klaus

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