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Plastiken und Zeichnungen von Helmut Heinze und Hans Steger in der Galerie Himmel

Im Vergleich Plastiken und Zeichnungen von Helmut Heinze und Hans Steger in der Galerie Himmel

Anlässlich zweier Bildhauer-Jubiläen, dem 85. Geburtstag von Helmut Heinze und dem 110. Geburtstag von Hans Steger, präsentiert die Dresdner Galerie Himmel mehr als 40 Werke beider Künstler. Die Ausstellung mit Bronzen, Gipsplastiken und Bildhauerzeichnungen lädt zum Vergleichenden Sehen ein.

Helmut Heinze, Alter Angler, 1959, Bronze, Auflage 2/5, Länge 25 cm
 

Quelle: Galerie Himmel

Dresden.  „Alle Kunst ist Maß; Maß gegen Maß, das ist alles“, soll der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck Anfang des 20. Jahrhunderts gesagt haben. Eine Reihe von Künstlern der nachfolgenden Generationen hat versucht, diesen Satz in ihrem Schaffen umzusetzen, darunter Hans Steger. Unter anderen Vorzeichen gilt die Maxime von Maß, Proportion, Raum und Statik auch für dessen Schüler, den Dresdner Bildhauer Helmut Heinze. Aus Anlass zweier Jubiläen, dem 110. Geburtstag von Hans Steger und dem 85. Helmut Heinzes, sind in der Galerie Himmel nun Werke beider Künstler zu sehen, die das Verhältnis ihrer Kunst zeigen und sie in der Traditionslinie figürlicher Bildhauerei in Deutschland verorten.

„Aus einem Geiste“ lautet der Ausstellungstitel. Ihren Machern geht es dabei nicht um eindimensionale Entwicklungslinien und die viel strapazierte Rede vom wie auch immer gearteten künstlerischen „Einfluss“ des Älteren auf den Jüngeren. Vielmehr stellen sie das Schaffen der beiden Bildhauer in mehr als 40 Werken einander gegenüber und laden so zum eigenen Erkunden von Gemeinsamkeiten ein und, vor allem, von Differenzen, die sich im Laufe der Betrachtung immer deutlicher herauskristallisieren.

Helmut Heinzes „Jünglingstorso“ (1977) und Heinz Stegers „Aufsteigende“ (1965/68), beide Bronze

Helmut Heinzes „Jünglingstorso“ (1977) und Heinz Stegers „Aufsteigende“ (1965/68), beide Bronze.

Quelle: Galerie Himmel

Der Ältere, Hans Steger (1907-1968), wurde um 1930 bei Wilhelm Gerstel an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin ausgebildet, zusammen mit Hermann Blumenthal, Fritz Cremer und Gustav Seitz. Betrachtet man Stegers Werke, ist die Wirkung des Lehrers Gerstel offenkundig wie auch die Prägung durch Lehmbruck. Dies lässt sich besonders eindrucksvoll am „Geneigten Frauenkopf“ von 1950 am Beginn der Ausstellung nachvollziehen. Die schiere Größe kontrastiert mit der einfühlsamen Behandlung des Bildnisses der Mutter des Künstlers, unterstrichen von der melancholischen Neigung des schmalen Kopfes. Die weiblichen Statuetten Stegers in der Ausstellung offenbaren sein Interesse für den Ausdrucksgehalt der Gebautheit des menschlichen Körpers, seine ponderierten Einzelvolumina. Dabei werden die Gliedmaßen zuweilen stark gedehnt und ausgedünnt, etwa bei der „Aufsteigenden“ von 1965/68, in der sich Steger mit den überlängten Figuren Lehmbrucks der 1910er-Jahre auseinandersetzt, wie der „Knienden“ und dem „Emporsteigenden Jüngling“.

Zunächst freischaffend, lehrte Steger ab 1954 an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden, bis zu seinem plötzlichen Tod 1968. Zu seinen Schülern gehörte der 1932 in Mulda geborene Helmut Heinze, der ab 1961 an der TU Dresden Architekturzeichnen unterrichtete. Ab 1972 Dozent, seit 1979 Professor für Plastik an der HfBK Dresden, lehrte er bis in die 1990er-Jahre die von Hans Steger vermittelte ältere Tradition figürlicher Bildhauerei. Ebenfalls sensibler Porträtist, ist Heinzes Zugang insgesamt ein stärker „psychisierender“, wie sich auch in seinen zum Teil torsierten Jünglingsfiguren zeigt, deren Adoleszenz er durch noch im Wachsen scheinende Körperformen und zaghafte, verinnerlichte Posen umsetzt.

Die figürliche Plastik machte in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts den größten Teil der plastischen Produktion aus und setzte sich vor allem mit den gegensätzlichen Positionen von Auguste Rodin und Adolf von Hildebrand auseinander. Durch die Dreidimensionalität des Mediums und das potenziell menschliche Maß transportiert sie stets auch die Erwartung bzw. das Versprechen von geformter Natürlichkeit und vermeintlicher ‚Wirklichkeit’. Auch deshalb dürfte sie seit den 1950ern das von der DDR-Kulturpolitik bevorzugte Medium gewesen sein, dessen Repräsentationswert in heroischem Format gehuldigt wurde. Auf der anderen Seite entstanden gerade in den 1960er- und 70er-Jahren im Osten viele Kleinplastiken, auch als Möglichkeit intimerer künstlerischer Auseinandersetzung.

All diese Aspekte scheinen in der Ausstellung der Galerie Himmel anhand von Plastiken unterschiedlichen Formats und Materials sowie feinen Bildhauerzeichnungen in Silberstift, Blei und Feder mit auf. Und mag man einzelnen Statuetten und Bildnisköpfen auch zuweilen etwas mehr Platz wünschen, so bietet die Schau doch eine konzentrierte, qualitätvolle Schule des vergleichenden Sehens. Und zwar sowohl was die Kunst von Hans Steger und Helmut Heinze angeht als auch den Vergleich von Arbeiten in Gips und Bronze sowie von plastisch geformter und gezeichneter Figur.

Ausstellung „Aus einem Geiste – Helmut Heinze & Hans Steger“. Bis 17. Juni in der Galerie Himmel, Obergraben 8, 01097 Dresden. Geöffnet Montag bis Freitag, 10 bis 19 Uhr. Samstag, 10 bis 16 Uhr. Siehe: www.galerie-himmel.de

Von Teresa Ende

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