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Phillip Boa mit einer Liebeserklärung ans Publikum

Phillip Boa mit einer Liebeserklärung ans Publikum

Spitz und scharfkantig sägen sich die ersten Töne hin zum Publikum, dumpf hämmern sich die Bässe ihren Weg durch die Dunkelheit im Schlachthof. Der Voodooclub greift zögerlich ins Geschehen ein, lässt die Stimmung kippen und Phillip Boa betritt die Bühne, greift nach der Gitarre und ordnet sich hinter seinen Musikern ein.

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Wand seinem Publikum überraschend Kränze: Phillip Boa.

Quelle: Dietrich Flechtner

Er war nie derjenige, der primär um Aufmerksamkeit besorgt war, der sich in den Vordergrund spielte. Was das Arbeiten mit ihm wohl etwas kompliziert wirken ließ, waren seine Gefühlsausbrüche auf der Bühne, die Kompromisslosigkeit, der Maßstab, den er an sich selbst stellte und der den Voodooclub permanent fordert - auf der Suche nach dem perfekten Song, der einzigartigen Interpretation, der unüberhörbaren Emotion.

All das sorgte für ein Bild, das bisweilen arrogant wirkte, unterkühlt und steril. Am Sonnabend jetzt die Kehrtwende, Phillip Boa machte einen Schritt auf seinen Voodooclub zu und, das war das Schönste, einen weiteren hin zum Publikum. Das Ganze war kein subjektives Gefühl, keine Mutmaßung, sondern eine Tatsache, die Boa selbst aussprach. Als er "Dream On Planet Cherry" fertig gespielt hatte, war er hingerissen zu der Aussage: "Das war das erste Mal richtig gut." Er hatte Recht, die neue Platte "Loyalty" ist erst einige Monate auf dem Markt und trotzdem hinlänglich bekannt, er fand eine Sprache, die eingängig und sympathisch ist und vor allem sind die Songs so angelegt, dass sie gern wahrgenommen werden.

Gemeinsam mit Pia Lund, die weiterhin Boas Stücken die zweite Stimme gibt, ist er so nah an den Zeitgeist herangerückt, dass seine Musik allein stehen kann, kaum einer weiteren Umschreibung bedarf. Das gilt für das titelgebende Stück "Loyalty" ebenso wie für "Til The Day We Are Both Forgotten" oder "You Are Beautiful And Strange", ein Lied, das ihn wunderbar mit Pia Lund verband. Auf der einen Seite steht die blonde Schöne und auf der anderen schreit der strange Typ seine Band an, kämpft mit imaginären Gegnern und peitscht seinen Voodooclub zur Höchstleistung, ringt jedem einzelnen Musiker sein ganzes Können ab. In dieser Art folgte Höhepunkt auf Höhepunkt, Explosionen ohne Unterlass bis zu dem Moment, als Phillip Boa seinem Voodooclub die Hommage sang: "When The Wall Of Voodoo Breaks" - ein Feuerwerk zur Huldigung, ein Stimmungsgewitter, vor dem es kein Entrinnen gab. Schon nach den ersten Takten war klar, hier gibt es kein Drüberweghören, keinen Fluchtpunkt, das ist die Musik für den Voodooclub und für das Publikum, welche beide gleichermaßen in sich aufnahmen und sich ihr ergeben mussten.

Mittlerweile ist vielen Musikfans klar, warum Phillip Boa so bekannt geworden ist, sich heute wieder ein neues und junges Publikum erspielen kann, denn viele kennen einen der Boa-Songs wie beispielsweise "This Is Michael" oder "Container Love". Nur wenige Takte genügen und es wird klar, wer da Musikgeschichte geschrieben und diesen unbeschreiblichen Sound zu verantworten hat. Vor diesem Hintergrund verwundert es auch kaum, dass der Voodooclub quasi mit allen Bands gearbeitet hat, die den Musikzirkus zum Rotieren brachten. David Bowie, Bob Dylan, Ramones und wer sonst noch vorn dabei sein wollte, der musste sich dem Voodooclub ergeben. Wer jetzt mit diesem Wissen noch einen kleinen Schritt weiter zurückgeht, der wird auch erkennen, weshalb Phillip Boa heute noch sein Publikum nach Hause schickt mit der Aufforderung "Kill Your Ideals". Vorgänger des Clubs war der Voodoocult, eine Metal Allstar Band, und dahinter verbargen sich keine geringeren als Mille Petrozza (Kreator), Dave Lombardo, Schlagzeuger bei Slayer, und der 2001 bereits verstorbene Chuck Schuldiner, der Vater des Death Metal. Aus dieser Ära übrig geblieben ist eben jener Song "Kill Your Ideals", der bei Boa zum Pflichtprogramm gehört.

Am Sonnabend passte dieser Klassiker wieder besser als die Jahre zuvor in das Programm und zu Phillip Boa, dem das Konzert großen Spaß gemacht hat und der vom Publikum eine gewaltige Welle der Begeisterung zu spüren bekam - so einfach ist ein schönes Konzert, wenn man auf und vor der Bühne die gleiche Sprache spricht.

Stephan Wiegand

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.11.2012

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