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Performances aus aller Welt im Projekttheater Dresden

Performances aus aller Welt im Projekttheater Dresden

Der portugiesische Dramatiker Gil Vicente - er lebte im 15./16. Jahrhundert - muss ein Dichter voller Kraft und Aufruhr gewesen sein. Zumindest erahnt man das beim Gastspiel des Theaters von Joao Garcia Miguel aus Portugal, das im Projekttheater Dresden drei Stücke von Vicente aus dessen umfangreicher Barcas (Boot)-Folge zu einem Abend des totalen Theaters zusammenführte.

Soviel Maßlosigkeit nach Maß, wo die Dimension der Bühne geradezu gesprengt wird, erlebt man wohl eher selten im gemäßigten Mitteldeutschland. Und selbst, wenn man über den Dichter, der seine Werke in portugiesischer und kastilischer Sprache verfasste, kaum etwas weiß, spürt man doch, dass er seiner Zeit radikal den Spiegel vorgehalten haben muss.

Ganz sicher aus anderen Motiven als eben jene, die damit heute auf die Bühne gehen. Doch offensichtlich sind diese nicht weniger eindringlich und nachhaltig. Nach wie vor geht es um menschliche Schwächen und Verfehlungen, um falsche Frömmigkeit und missbrauchtes Vertrauen - Maßlosigkeit in jeder Hinsicht. Das haben die vielseitigen vier Darsteller - zwei Frauen und zwei Männer - drangvoll ins Spiel gebracht, und was sie dabei an Spiellust und Spielwut in die Wagschale werfen, ist einfach unglaublich.

Für das "Boot zur Hölle", das "Boot zum Fegefeuer" wie auch das "Boot zum Himmel" wählte Regisseur Joao Garcia Miguel jeweils unterschiedliche theatrale Mittel. Und ebenso spielen die Bootsplanken - fantasievoll variiert - eine markante Rolle. Das Ganze kommt daher wie ein mittelalterliches Spektakel, ist doch aber zugleich ein fein gesponnenes Welttheater, in dem einfach nichts unmöglich ist. Als zum Schlussbeifall nach Orgie und biblischer Sintflut, wo die vier ihr nacktes Leben retten und mit den Planken Hölle, Fegefeuer und Himmel zugleich assoziieren, alle auf der Bühne stehen, glaubt man, sich zu irren. Haben so wenige Darsteller so viel Tumult im besten Sinne machen, die Bühne mit allem, was das Theater so hergibt, in ein bewegtes Spielfeld verwandeln können?

Auffällig ist auch die wunderbare Musikalität der Performer Felix Lozano, Sara Ribeiro, David Pereira Bastos und Constanza Givone im Zusammenspiel mit Rui Gato, der für Musik und Video verantwortlich zeichnet. Das sind Klangebenen besonderer Art, wie überhaupt dieses Ensemble etwas Besonderes ist. Und man sollte den kommenden Gastspielen - vom 29.11. bis zum 1.12. kommt zum Beispiel eine Tanzcompany aus Milano - unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken. Zumal das europäisch geförderte Projekt "islands on the net tour" mit vier ganz unterschiedlichen Gruppen dabei jeweils nur in Bilbao und Cosenza wie eben auch im Projekttheater in Dresden zu erleben ist.

Gabriele Gorgas

www.projekttheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2012

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