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Perfektion in Surround-Sound: Schiller in der Messehalle Dresden

Perfektion in Surround-Sound: Schiller in der Messehalle Dresden

Draußen ist es kalt, düster und unangenehm. Drinnen ist es warm, hell und angenehm. Drinnen ist Schiller. Vorbei an Pizza- und Bratwurstständen begibt man sich in die Messehalle 1, um dort eine große Menge von Menschen vorzufinden, die etwas Ungewöhnliches machen: Sie befinden sich auf einem Konzert, das fast ausschließlich aus instrumentaler elektronischer Musik besteht.

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Der Mann hinter den Keyboards: Schiller-Mastermind Christopher von Deylen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Und doch sind sie nicht zum Tanzen da. Eine für die heutige Zeit paradox wirkende Konstellation, wird elektronisch doch meist mit lauten Techno-Beats, zu denen sich die Glieder vorzüglich bewegen lassen, gleichgesetzt. Was also wollen die Zuschauer hier, wenn nicht tanzen?

Im Vorfeld hatte man sich aber auch andere Fragen gestellt: Lässt sich die Musik Schillers, diese auf den Sound ausgerichtete Musik, live zur Zufriedenheit umsetzen? Würde die Lichtshow so aufwendig sein, wie es heißt? Würde das Konzert tatsächlich, wie auf den Plakaten angekündigt, in Surround-Sound zu erleben sein? Und wenn ja, ist es musikalisch sinnvoll oder Spielerei?

Die erste Frage lässt sich schon nach wenigen Stücken beantworten: Dank einer extrem professionellen Live-Band und dem klaren, differenzierten Sound in der Messehalle klingt die Musik Schillers ganz so, wie sie klingen muss, ja sogar besser als auf CD.

Auf der großen Bühne stehen sechs Musiker: ein Gitarrist, der erstaunlich oft zum Slide-Gitarristen mutiert, und auch nicht davor zurückschreckt, eine Akustik-Gitarre zu elektronischen Beats zu spielen; ein Bassist, der sich fabelhaft zurückhaltend in das Bandgefüge eingliedert; zwei Schlagzeuger, die sich mit akustischen als auch elektronischen Elementen ergänzen und dabei dem Hauptdarsteller fast die Show stehlen. Schiller alias Christopher von Deylen steht nämlich hinter ganzen vier Keyboards und wirkt dabei wie ein Kind, das hinter seinem Berg von neuem Spielzeug hervorschaut, um dann stolz jedes einzelne zu präsentieren.

Ein weiterer, eher unauffälliger Keyboarder und mehrere Gastsängerinnen komplettieren die Band. Alle Musiker beherrschen die große Kunst, sehr entspannt und unangestrengt zu wirken, obwohl sie anstrengend genaue, bis ins kleinste Detail ausgeklügelte Musik spielen. Gerade von Deylen selbst wirkt sehr locker und hat fast durchgängig ein Grinsen im Gesicht. Kein Wunder bei so vielen Zuschauern, die sich über die von ihm komponierten Songs freuen. Das wortkarge Mastermind hinter Schiller ist das genaue Gegenteil dessen, was man als Frontmann bezeichnen würde - er steht nicht einmal vorne. Und trotzdem ist er derjenige, der auf der Bühne den Ton angibt. Wenn auch meist nur musikalisch: Zu seinem Mikrofon greift er selten, um dann Dinge zu sagen wie: "Danke. Jetzt machen wir weiter... mit Musik." Dieser Mann ist sofort sympathisch.

Die Musik wird tatsächlich im Surround-Sound dargeboten. Im hinteren Teil der Messehalle hängen eine beachtliche Anzahl an zusätzlichen Boxen, die bestimmte, extra darauf abgestimmte Klänge übertragen. So entstehen interessante Effekte, wenn etwa ein Synthesizer-Sound die Runde durch die gesamte Halle nimmt. Schiller spielt mit diesem Element, aber es bringt tatsächlich ein völlig neues Musik-Erlebnis. Hinzu kommt die monströse Lichtshow, die das Ganze auch zum visuellen Erlebnis macht: In einem beweglichen Kreis schweben Lichter wie ein Heiligenschein über von Deylen, darüber noch ein größerer Ring. Rechts und links neben der Bühne weitere Scheinwerfer, die ihr Licht mal als Spiralen, mal als bunte Punkte an der Wand entlang geistern lassen. Musik und Licht scheinen eins zu sein und entfalten zusammen eine entspannende bis hypnotische Wirkung. Das Konzert wird so zu mehr als einem Konzert: Es wird zur bestmöglichen Art, die Musik von Schiller zu erfahren, weit besser als auf der heimischen Anlage oder im Club. Da dieses elektronische Musik-Erlebnis nicht zum Tanzen gemacht ist, wünscht man sich zur endgültigen Perfektion, dass es in einem bestuhlten Konzertsaal stattfinden würde. Und man versteht plötzlich, warum die ganzen Menschen hier sind: Sie wollen nicht tanzen. Sie wollen hören.

Falk Ulshöfer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2012

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