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Regional Perfekte Unterhaltung dank Torsten Sträter
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21:00 19.01.2018
Unverkennbar, nicht nur wegen der Mütze: Torsten Sträter. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Ich bin allergisch gegen Kalauer. Was andere zum Schenkelklopfen und lautem Aufbrüllen animiert, erzeugt bei mir das Bedürfnis, den Raum zu verlassen. Noch schlimmer ist es mit allem, was auch nur ansatzweise unter „Fäkalhumor“ fällt. Da bin ich raus. Mental und körperlich. So war es bislang. Dann sah, hörte und erlag ich Torsten Sträter.

Der Alte Schlachthof ist fast ausverkauft. Aus diesem „fast“ entstehen die ersten fünf bis zehn Minuten Programm, denn der Mann mit der Mütze setzt erst einmal um. Er hätte nichts verpasst, begrüßt er einen Zuspätgekommenen. „Ich bin noch beim Beisortieren.“ Torsten Sträter kommt unüberhörbar aus Dortmund. Gut, eigentlich aus Waltrop. Aber wer kennt schon Waltrop?

Interaktion mit dem Publikum ist Programm. Da ist die Vergangenheit als Slammer spürbar, die erfolgreich absolvierte Lehre in kleinen Clubs. So schafft er es, selbst in diesem Riesenraum die Leute einzubinden und allesamt in seinem Bann zu halten. Mit freien Assoziationsketten, pointierten Alltagsbeobachtungen, Kalauern und Fäkalhumor. Dermaßen auf den Punkt, mit solch einem perfekten Timing, dass auch Menschen wie ich sich einfach nur köstlich amüsieren. Laut auflachen gar.

Politisches käme nicht vor, behauptet er gleich zu Anfang, eine Botschaft habe er nicht. „Da kann ich nichts für Sie tun.“ Dennoch sind natürlich – Das Private ist politisch! – seine Alltagsgeschichten politisch, wenn er da etwa feststellt, dass „der Thermomix ja so viel kostet wie ein kleines Entwicklungsland“ oder von seinem 14-jährigen Sohn erzählt, der mit der Realität nichts mehr zu tun haben will, dessen Gesicht er nur noch blau angestrahlt sieht. Aufhänger für diese Abschweifung: Jemand aus den ersten Reihen, der während des Programms mit seinem Handy beschäftigt ist. „Handeln Sie gerade mit Schweinehälften in Tokyo?“

Gefühlt bleibt niemand unbeachtet bei diesem Programm. Was natürlich Unsinn ist, denn realistisch kann der Mützenmann nur ein paar Reihen im Blick haben. Aber dafür wird ja immer mal wieder das Saallicht eingeschaltet. Früher gehen? Undenkbar. Und nicht nur wegen der Bemerkungen. „Tragen Sie da eine Luftmatratze oder ist das eine dieser Steppjacken?“ Dabei wird mit Ansage überzogen. Der normale Ablauf, zweimal 45 Minuten, wie es ihm gesagt worden wäre – das gäbe es bei ihm nicht. Wobei der Grund dafür ein egoistischer ist: „Sie glauben gar nicht, wie gut ich mich unterhalte. Das ist so viel besser als Arbeiten. Glauben Sie mir, ich hab beides versucht!“ Als gelernter Herrenschneider und zwölf Jahre in einer Spedition. Da lernt man die Privilegien des freischaffenden Künstlers zu schätzen. Aber mehr noch. Torsten Sträter weiß auch, welches Maß an Zufall immer im Spiel ist, wenn jemand erfolgreich wird. „Glück und Vitamin B“, konstatiert er nüchtern.

Wobei das Talent, die Pointen so passgenau zu setzen, natürlich durch keinerlei Beziehungen zu ersetzen ist. Und so sehr die von ihm perfektionierte Methode des „Von Hölzken auf Stöcksken kommen“ im Ruhrgebiet auch verbreitet ist – glauben Sie mir nun wiederum: Wer es nicht beherrscht, und es beherrschen sehr, sehr viele nicht, der zwingt seine Mitmenschen auf Familiengeburtstagen zur Flucht in den Alkohol. Deshalb arten Familiengeburtstage im Pott auch so oft aus.

Wo war ich? Torsten Sträter. Macht kein politisches Programm, sich stattdessen über die AfD und Gauland mit seiner „Entenkrawatte“ lustig. Plädiert ansonsten für jährliche Gesundheitschecks für Männer. Auch wenn diese Prostata-Untersuchung... sehr ausführlich angedeutet wird. Witzig? Ja!

Was man eher aus den TV-Programmen kennt, in denen er regelmäßig auftritt, sind die Lesungen aus seinen Büchern. Auch immer sehr unterhaltsam, ebenfalls mit Abschweifungen, erzeugen sie nicht das Maß an Amüsement wie die frei erzählenden Passagen. Auch live nicht. Dennoch ist sein „Afrika-Tagebuch“ nett, und die Geschichte über die SMS, die er seiner toten Mutter schickt, hat alles, was eine solche Story braucht: Sentiment, Absurdität, witzige Wendungen, schräges Happy End. Als Zugabe muss dann noch die Omma zu Wort kommen – eine nahe Verwandte der gleich geschriebenen Ahnfrau Frank Goosens und ehemals weit verbreitet zwischen Duisburg und Dortmund, und um kurz nach elf strömen jede Menge Menschen von einem Ohr zum anderen grinsend hinaus in Regen und Wind.

Von Beate Baum

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