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Party per Hausrundgang: der 25. Geburtstag des Projekttheaters

Party per Hausrundgang: der 25. Geburtstag des Projekttheaters

Ziel wie Startpunkt war der Saal, die Halbzeit wurde im Hof mit Glühwein und Feuerkorb gefeiert, wobei der Winter als treuer Geselle leider diesmal nicht mitspielte, obwohl er gewöhnlich zu den Geburtstagspartys des Dresdner Projekttheaters dazu gehört.

Rund achtzig Gäste folgten dem Aufruf zur Feier des Urneustädter Biotops, das seit geraumer Zeit unter dem Untertitel Kulturschutzgebiet mitten im Neustädter Partytümpel als Oase gilt und dank Besitz der Immobilie in relativ ruhiger Gelassenheit planen und wirken kann. So geriet die Jubiläumsparty am Sonnabend unter dem Titel "Schön sollen die Anderen" völlig passend, also sympathisch unprätentiös, zum Beispiel mit Salzgebäck und Rotkäppchen statt Catering.

Die meisten Glückwünsche galten Julius Skowronek, als geschäftsführender Vorstand de facto Generalintendant und Vermieter in einem. Er hat fast alle 25 Geburtstage erlebt, denn der gelernte Physiker bekam nach der Wende bei TuR Übigau als Unternehmensberater echt großes Geld, als diese mit Treuhandhilfe von der Siemensfamilie adoptiert wurde und er Konzepte zur "Effektivierung", gemeint war Personalabbau, beisteuern sollte. Das war nicht seins und da kam Ende 1990 das Angebot der Gründer gerade recht: Steffen Rinka und Michael von Oppen unterschrieben einst als Anstifter die immer noch lesenswerte "Dresdner Erklärung" der Projektgruppe "projekttheater dresden" und gewannen klugerweise den Zentralen Klub der Jugend Dresden, heute besser bekannt als Scheune, als Fürsprecher dazu.

Doch dazu gab es vor fünf Jahren eine große Festwoche und ein um- fangreiches Extrablatt. Diesmal hielt Skowronek nur die Vorrede, den Rest überließ er Cheforganisatorin Anke Siefke - seit 14 Jahren seine rechte Hand. Diese hatte mit den Hausbewohnern und -benutzern einen Zehn-Hürden-Parcours durchs gesamte Haus organisiert. In je rund zehn Minuten erwarteten die in vier Gruppen eingeteilten Besucher "heiter-kuriose Szenen" in "Nischen und Nestern" - wobei je ein Besucher damit beauftragt wurde, jeweils ein großes Foto auf Pappe mit Geschichtsepisoden heil zum Ziel zu bringen.

Aus einem Unternehmensberater wird ein Theatergründer

Dieses hieß Hauptbühne, wo die Schwarz-Weiß-Dokumente per Wäscheleine zur Ausstellung und zur Staffage fürs große Schlussbild gerieten. Das fotografierte Skowronek junior, vornamens Georg und Sohn des Chefs, der seinen Vater selten so lachen sah, wie er beim vorherigen Gruppenfoto der einzelnen Partygangs stichelte. Nun gab es ziemliches Chaos und fast vierzig Akteure plus großen Tortenwagen mit Wunderkerzen als Erinnerung zum Abschluss der Performance.

Der Hausrundgang zuvor geriet durchweg überraschend, oft interaktiv und nicht immer als Kunst - aber es zeigte das Spektrum und die Tiefen und Höhen des Hauses. Ganz unten, im Keller des Hinterhauses, wartete die wohl intelligenteste Show: Markus Arnold lag als "alter Schneeberger Theatertechniker" im Liegestuhl, rauchte, trank Bier, las eine alte Mopo und relaxte gediegen, während neben ihm aus der Kofferheule mit Kassettenteil der Monolog eines Praktikanten über das Lob für ebenjenen Theatertechniker im blauen Kapuzenpullover, die über Sinn und Unsinn von echten und nur gefühlten Theaterjobs referierte, drang. Eine selbst geschriebene und eingesprochene Adaption auf Polleschs "Lob des alten litauischen Regieassistenten im grauen Kittel".

Ebenso lustig und temperamentvoll von Dirk Strobel und Martin Sommer im Café dargeboten: ein Ausschnitt von "Leonce und Lena als Hungerkünstler" - bei der Ostseetournee der Freien Bühne Dresden in Ahrenshoop im Sommer 2008 mit privatem Überraschungsbesuch vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler geadelt und in Einladung zum Abendessen endend. Die Freie Bühne ist zwar nun im "Rudi" zu Hause. Um die Zukunft muss Skowronek dennoch nicht bange sein. Denn die wilden Jahre kommen nur angesichts der Jugend der heutigen Akteure im Haus recht kurz. Nur bei den anschließenden Gesprächen fachsimpeln Frank Eckhardt und Skowronek über die Ein- tragungsreihenfolge im Dresdner Vereinsregister im März 1990. Da war der "riesa efau" knapp eine Woche schneller und bekam dafür die Nummer 9 - das Projekttheater die Nummer 77. "Das hatte schon epidemischen Charakter", brummt Skowronek rückblickend.

Einst kam auch Bundespräsident Horst Köhler

Sein Haus ist dank seiner Initiative seit Gründung der Dresdner Tanzwoche anno 1992 einer der Gastgeber - bis heute wird dieser mit personeller Überschneidung in den dazugehörigen Trägervereinen gehegt und stiftet die Perlen im Frühjahrsspielplan (als Festivalzentrum wieder vom 18. bis 29. April).

Die nächsten Höhepunkte sind weit eher: So eine richtig politische Kaba-rettwoche (2. bis 7. März) und nach 15 Jahren die wirklich allerletzte Vorstellung von "Mann gesucht! Karen" - es spielt wie traditionell zum Frauentag die Schweizer Palucca-Absolventin Nicole Meier, die einerseits mit ihren "Carrot Dancers" häufig im Haus gastiert, andererseits mit Ex-Haustechniker Maik Blaum für die ultimative Liebes-geschichte der Theaterhistorie sorgte, die am Abend per Videointerview zum Besten gegeben wird und deren Geständnisse den anwesenden Intendanten wohl überraschten, aber auch die Gelegenheit gab, den zitierten Witz korrekt zu erzählen. Deren Sohn war es bei der Party vorbehalten, in der zweiten Gästewohnung an die Theatersoap "Haare im Abfluss" von Jan Jochimskis "Theaterschaft" anno Herbst 1997 zu erinnern - per rohem Eierwurf, der natürlich am Gesicht des Opfers vorbeigeht.

Danach warten die lange Nacht der Dresdner Theater (21. März), wo plötzlich tausend Leute an einem Abend durchs Haus diffundieren, und Utz Pannicke, als bekannter Stachelheld der Bühnenarbeit auch mit Vereinsvorstandsmitarbeit betraut, wird am 9. April per Premiere mittels Liederabend neuen Tiefsinn stiften. Vielleicht nutzt er ja das Unikat, auf das der Geschäftsführer so stolz ist: das einzige Off-Theater weit und breit mit Drehbühne.

www.projekttheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.02.2015

Andres Herrmann

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