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Regional Palaissommer Dresden beginnt am Freitag
Nachrichten Kultur Regional Palaissommer Dresden beginnt am Freitag
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17:58 26.07.2016
Eugene Mursky eröffnet den Palaissommer 2016. Quelle: Ruediger Schestag
Dresden

Wenn es in Dresden im August wieder heiß und hitzig zugeht, das Stadtfest traditionell mit Fahrgeschäften, Zuckerwatte und populären Bands hunderttausende Besucher an das Elbufer und in die Innenstadt lockt, bietet, schon fast im Stil des gallischen Heimatdorfes von Asterix und Obelix, ein ganz besonderer Ort Platz für tiefenentspannte Abende voller Kunst, Kultur und Herzlichkeit – der Palaissommer im Garten des Japanischen Palais.

Die ehrenamtlichen Veranstalter und Organisatoren von Dresdens einzigem kostenfreien Kunst- und Kulturfestival gehen nun schon ins siebte Jahr, wenn am Freitag der mehrfach international prämierte usbekische Pianist Eugene Mursky zu einer hoffentlich unvergleichlichen, Palaissommer-Geschäftsführer Jörg Polenz würde es genau so unterschreiben, Klaviernacht einlädt. Eine von acht derartigen Veranstaltungen, die im prall und kulturell unheimlich vielfältig gefüllten Programm zu finden sind.

Der Palaissommer, der eigentlich bereits Anfang Juli mit dem wöchentlichen stattfindenden Yoga im Garten langsam eingeleitet wurde, will von Freitag an bis zum 28. August täglich mit außergewöhnlichen Musikern und Künstlern sowie ansprechenden Kunstveranstaltungen aus dem konventionellen Alltag entführen. Dabei bleiben die Organisatoren um Geschäftsführer Jörg Polenz und den künstlerischen Leiter Aleko Adamia der Linie aus den letzten Jahren treu. Klavier-, Hörspiel- und Filmnächte füllen die Abendstunden, tagsüber wird kreativ gewerkelt und entspannt.

Doch auch wer Lust auf bequemen Sport hat, kann im Palaisgarten auf seine Kosten kommen. Neben den thematisch aufgearbeiteten Yoga-Veranstaltungen, mit Einflüssen aus Qi-Gong, Feeyoga und sogar Tai-Chi, gibt es in diesem Jahr auch erstmals die Möglichkeit, Schach unter den schattenspendenden Platanen zu spielen. Der aus Georgien stammende Aleko Adamia nutzte die Gunst der Stunde und lud seine Landsfrau Nona Gaprindashvilli ein, ihres Zeichens Schachgroß- und mehrfache Weltmeisterin, um am 6. August das Schachspielen im Palaisgarten einzuleiten. Sie wird simultan gegen 15 passionierte Semi-Professionelle, die sich noch bis Anfang August bewerben können, antreten.

Und obwohl man beim diesjährigen Palaissommer wieder auf viel Altbewährtes setzt, kündigte Geschäftsführer Polenz auch eine Vielzahl spannender Projekte an, die das Festival am Elbufer gleichzeitig aufwerten und abrunden sollen. Da wäre zum einen die vielversprechende Singer-Songwriter-Nacht am 3. August. Neben der in Amerika lebenden Headlinerin Scout Niblett, die sich innerhalb der Szene durch ihre zutiefst gefühlvollen und leidenschaftlichen Auftritte schon lange einen Namen gemacht hat, sind mit Sarah und Julian und Staring Girl auch zwei deutsche Eigengewächse beim Konzertformat dabei.

Ebenfalls neu im Programm sind zwei sogenannte Klaviernächte+, bei denen sich die Künstler mit ihrer Musik etwas von den klassischen Pianisten der sonstigen Klavierveranstaltungen abheben. Mit dem Hamburger Lambert, der sein neues Album „Stay in the Dark“ vorstellt, das im Übrigen ausschließlich in der Dunkelheit der Nacht aufgenommen wurde, und der experimentierfreudigen Norwegerin Anette Askvik betreten zwei Künstler die Bühne, die Elemente aus Elektronik, Jazz und Minimal mit klassischer Romantik vereinen.

Vereinen will der Palaissommer in diesem Jahr auch verschiedenste Kulturen und Menschen. Dafür sei das Projekt „Folge kleinen Herzen“ genau richtig und werde neben Begeisterung hoffentlich auch viel Leben auf die Wiese bringen, erklärt Polenz. Im Zeitraum vom 1. bis zum 28. August laden nämlich Aleko Adamia und seine fünfköpfige Künstlergruppe täglich von 12 bis 17 Uhr Kinder aus Dresdner Kitas, Schulen oder privaten Gruppen gemeinsam mit geflüchteten Kindern zur Malerei ein. Neben hunderten Leinwänden und hochwertigem Künstlermaterial wird jeder der sechs Lehrer eine zwei mal 2,5 Meter große Leinwand zur Verfügung stellen, an denen sich die Kinder austoben können.

„Am Ende ist es die Aufgabe meines Teams, die Bilder fertigzustellen, ohne dabei die Handschriften der einzelnen Kinder zu verfälschen“, erklärt der künstlerische Leiter Aleko Adamia. „Dresden hat anders, als meistens in den Medien dargestellt wird, eine unheimlich starke Zivilgesellschaft“, ergänzt Kai Kranich vom DRK, der das Projekt als Partner gemeinsam mit dem Palaissommer auf die Beine gestellt hat. Es sei eine hervorragende Möglichkeit, Kinder und Kulturen unter optimalen Bedingungen künstlerisch zu vereinen. Die besten Arbeiten werden nach dem Festival in einem 50-seitigen Katalog der Öffentlichkeit präsentiert.

Bewerbungen von Kitas, Schulen oder privaten Gruppen sind noch jederzeit möglich. Auch eine ganz besondere Kunstreihe, mit der der Palaissommer mehr oder weniger seit der Erstausgabe 2009 groß wurde, wird in diesem Jahr nicht fehlen. „Pleinairmalerei gehört einfach dazu und macht einen wesentlichen Teil des Palaissommers aus“, so Polenz. Ein gutes Dutzend Künstler, einige sind Profis, andere Autodidakten, wird täglich von 12 bis 22 Uhr mit Malerei-Willigen im Palaisgarten auf künstlerische Reisen starten. Auf einer rund 60 Meter langen roten Wand werden die Kunstwerke dann den ganzen Palaissommer über ausgestellt.

Ebenfalls nicht zu kurz kommen darf die in den letzten Jahren so erfolgreiche Akt-Malerei. Für den Palaissommer 2016 haben sich die Organisatoren deshalb etwas Besonderes ausgedacht. Eine Akt- wird am 13. August auch gleichzeitig zur Nachtmalerei – und das parallel zur Musik der Pianisten Andrej Lakisov und Ulugbek Palvanov. „Auf jeden Fall eine sehr interessante und spannende Geschichte, die eine tolle Atmosphäre verspricht“, ist sich Polenz sicher. Abgerundet wird das umfangreiche und vielversprechende Rahmenpogramm von sechs Hörspielnächten, die sich allesamt um das Thema Krimi drehen, einer Filmnacht mit dem Streifen „Jahrgang 45“ von Jürgen Böttcher und einer Lesenacht mit Sky Du Mont. Eine Chansonnacht mit Inez & Sammeltonium Wunderland soll gleichfalls weitere künstlerische Akzente setzen.

Damit verspricht der Palaissommer in diesem Jahr bereits im Vorfeld sehr viel. Das Ziel von Geschäftsführer Polenz, die rund 21 000 Besucher aus dem Vorjahr zu übertreffen, scheint daher realistisch. Die Verantwortlichen scheuten zudem keine Kosten und gingen in die Offensive. Der Vertrag mit dem Gastronomiepartner Bellevue wurde um drei Jahre verlängert. „Die Sommerwirtschaft ist Dresdens erster und einziger Biergarten, bei dem mitgebrachte Getränke und Speisen ausdrücklich erwünscht sind“, stellt Polenz noch einmal deutlich klar. Für eine neue Tonanlage im Park wurde sogar ein Kredit genommen.

Dennoch ist Dresdens größtes kostenfreies Kunst- und Kulturfestival kein Selbstläufer. Die Verantwortlichen sind in erster Linie auf Spenden angewiesen. Etwa 20 000 Euro sind bisher zusammen gekommen. Laut Polenz sei man sehr zuversichtlich, die noch fehlende Summe bis Ende August zu akquirieren. Los geht es am Freitag jedenfalls erst einmal mit dem preisgekrönten usbekischen Pianisten Eugene Mursky.

Palaissommer 2016 vom 29. Juli bis 28. August, Garten des Japanischen Palais.

Programm: www.palaissommer.de

Von Sebastian Burkhardt

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