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Packender Ökothriller am Dresdner Theater Junge Generation

„Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ Packender Ökothriller am Dresdner Theater Junge Generation

„Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ ist keine Neuauflage von Hänsel und Gretel, auch wenn Ausgangslage und Hexenwerk ähnlich gefährlich anmuten, sondern ein hochaktueller Ökokrimi in postdemokratischen Zeiten, der geschickt den Bogen vom normalen Schulalltag über die Kleinstadt- und Medienhysterie im Katastrophenfall bis hin zu den ganz großen Problemen der Menschheit spannt. Eine Uraufführung am Dresdner Theater Junge Generation.

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Szene mit Moritz Stephan und Sara Klapp

Quelle: Marco Prill

Dresden. Der Wald ist verrucht bis verboten, kein Kind darf dort je hinein, nur ein Obdachloser mit seinen Hunden wohnt dort – aber auch das nicht mehr lange. Nur einer aus der Klasse, der recht brutale Chad, traut sich da durch und erzählt Räuberpistolen. Das begeistert das blonde Girlie Monica am meisten, während die dunkelhaarige Tamaya und der sportliche Marshall ganz schnell unter der krawalligen Oberfläche des Außenseiters leiden und aus Angst vorm Match eher und hintenrum die Schule per Abkürzung verlassen. Durch den Wald, ergo Chads Revier. Dort lauert aber nicht nur der, um sie beide ordnungsgemäß zu vermöbeln, sondern es warten auch jene Schlammlöcher, die das Leben des Trios schlagartig verändern werden, weil sie nicht als Catch-Ring taugen …

Doch „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ ist keine Neuauflage von Hänsel und Gretel, auch wenn Ausgangslage und Hexenwerk ähnlich gefährlich anmuten, sondern ein hochaktueller Ökokrimi in postdemokratischen Zeiten, der geschickt den Bogen vom normalen Schulalltag über die Kleinstadt- und Medienhysterie im Katastrophenfall bis hin zu den ganz großen Problemen der Menschheit spannt. Denn in Zeiten ungebremsten Bevölkerungswachstums verbraucht der Mensch ganz rasch seine Ressourcen – die wichtigste Zukunftsfrage (nach jener behufs Trinkwasser) ist die einer Lösung in Sachen Energie. Das humanoide Hauptproblem bleibt aber die Todsünde Gier, die gerne über Leichen geht – jene steckt geschickt en passant hinter der Geschichte von Louis Sachar, die jetzt am Dresdner Theater Junge Generation ihre Uraufführung erfuhr.

Dazu hat sich Regisseur Ronny Jakubaschk eine eigene Fassung aus dem amerikanischen Original gebastelt, in dem er drei Ebenen geschickt verwebt: eine zivilisatorisch-urbane, eine naturell-wilde und eine medial-politische, deren folgenreiches Zusammenwirken trotz der reichhaltigen Rollenwechsel der Hälfte der Beteiligten – nämliche jener der so genannten Erwachsenen – immer erstaunlich klar bleibt und sich somit vor allem nach der frühen Pause zu einem packenden Thriller auswächst.

Dazu gehört die beeindruckende Ausstattung von Ulrike Kunze, die mit Vergnügen mit Größe und Technik der Bühne im Kraftwerk Mitte spielt, vorn Stadt und hinten Wildnis trennt und mit einem klaren Farbkonzept – oft im alten Hausgrün – das Regiekonzept hervorragend stützt.

Einen Teil seines souveränen Oktetts – aus dem Sara Klapp als omnipräsente Tamaya und Lukas Stöger als verquerer Dr. Fitzman, genannt Fitzi herausragen, aber rundherum alle überzeugen – kennt der Regisseur bereits aus seiner jüngsten Dresdner Arbeit, dem Zoo-Robin-Hood. Und wie damals animiert er diese zu einer harmonischen Ensembleleistung. Neben Klapp geben Judith Nebel, Marc Simon Delfs und Moritz Stephan, der hier ganz kurzfristig für den verletzten Julian Trostorf mit bemerkenswerter, fast angsteinflösender Präsenz als Bösewicht einsprang, ein doppeltes Jugendpaar, deren Annäherungen geschickt jugendfrei im vagen Auge des Betrachters bleiben, während die Alten sich in je ihrer Rolle einprägen: Bettina Sörgel als Schuldirektorin und Umweltamtschefin, Erik Brünner als TV-Reporter und Chefarzt und Susan Weilandt als Krankenschwester und Lehrerin. Letzteren beiden bleibt am Schluss, als die Schüler gerettet, die Epidemie gebannt und eine Pandemie verhindert sind, mittels Moralironie das Happy End, denn als Senator und Fabrikchefin sorgen sie dafür, dass sich die Geschichte jederzeit wiederholen kann. Natürlich nur zum Wohle der gesamten Menschheit.

Die Altersempfehlung (P 12) ist gewagt – nicht wegen der Spannung oder der Gewalt, sondern wegen des horizontalen Spektrums, was aufgemacht wird, und weil es vielleicht 16- bis 24-Jährige, die es ebenso fesseln dürfte, abschreckt. Solch‘ eine packende, intellektuell nachhaltige Uraufführung hätte man sich und dem TJG am Eröffnungswochenende gewünscht.

Nächste Vorstellungen: 16.1. (19.30 Uhr), 18. & 19.1. (je 10 Uhr) & 21.1. (18 Uhr);

www.tjg-dresden.de

Von Andreas Herrmann

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