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Regional Ostrale überrascht von Absage aus Chemnitz – in Dresden wird es für die Ausstellung nicht einfacher
Nachrichten Kultur Regional Ostrale überrascht von Absage aus Chemnitz – in Dresden wird es für die Ausstellung nicht einfacher
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17:52 03.10.2018
Die Ostrale war 2017 zuletzt in den Futterställen des Dresdner Ostrageheges angesiedelt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Die Absage aus Chemnitz hat die Dresdner Ostrale-Macher kalt erwischt. „Für mich war das so nicht zu erwarten“, sagte Bernd Kugelberg, Schatzmeister des Vereins Ostrale.freunde, am Mittwoch auf DNN-Anfrage. Die Gespräche mit der dortigen Kulturverwaltung seien zuvor sehr einvernehmlich verlaufen.

Die Ostrale-Macher versuchten seit dem Frühjahr, die Chancen eines möglichen Umzugs der großen Ausstellung zeitgenössischer Kunst von Dresden nach Chemnitz auszuloten. Im Juni hatte der dortige Stadtrat für Verhandlungen gestimmt, deren Ziel ein Zehn-Jahresvertrag mit der Ostrale war.

Fotorückblick: Die Ostrale 2017 - letztmalig in Dresden?

Die Internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst Ostrale in Dresden steuert bei der Premiere als Biennale auf einen Besucherrekord zu - trotz Verkürzung um drei Wochen. Die Gesamtzahl wird bei etwa 29 000 Gästen liegen.

Am Dienstag kam jedoch der Stopp für dieses Projekt. Nach drei Beratungsrunden hatte eine Prüfungskommission „trotz kooperativ verlaufender Gespräche“ empfohlen, den Umzug ad acta zu legen, wie aus einer Pressemitteilung der Stadt Chemnitz hervorgeht. Als Grund wurde vor allem ein zu erwartender finanzieller Mehraufwand für Miete, Umzug und die Umbauten des avisierten Gebäudekomplexes ins Feld geführt. Die mit 250 000 Euro avisierte Förderung aus der kommunalen Kunst- und Kulturförderung (die bereits deutlich über der zuletzt jährlichen Dresdner Ostrale-Fördersumme von 82 000 Euro lag) „würde nicht für Verortung der Ostrale in Chemnitz und die komplette Umsetzung und Durchführung der Biennale ausreichen“, hieß es abschließend.

Die möglichen Mehrausgaben waren mit zusätzlichem Platzbedarf begründet worden, den sowohl der Ostrale-Verein als auch Vertreter des ins Auge gefassten Objektes, eines ehemaligen Spinnereimaschinenbaus, ins Feld geführt hatten. Die ursprünglich vorgesehene Summe soll anderweitig in Chemnitz verwendet werden, „um auf diesem Wege vorhandene Formate mit internationaler Ausstrahlungskraft zu stärken oder zu entwickeln“.

Widerstand aus mindestens zwei Stadtratsfraktionen

Nach den drei Beratungsrunden war das Thema in Chemnitz Anfang September noch einmal zurück in die Stadtratsfraktionen verwiesen worden. Nach DNN-Informationen gab es aus mindestens zwei Fraktionen Widerstand. Somit wäre kein klares politisches Signal für die Ostrale zustande gekommen. Also auch keine Empfehlung für einen Umzug.

Damit liegt nun wieder alles bei Dresden. Doch hier steht das Thema schon lange auf der Kippe, im Angesicht der jüngsten Entwicklungen umso mehr. Nun müssen die Ostrale-Macher erneut die Gespräche mit den hiesigen Verantwortlichen suchen und deren Bereitschaft erfragen, ob die Zukunft der Ostrale doch in Dresden liegen könnte.

Dresden theoretisch klar pro Ostrale

Denn obwohl in Dresden theoretisch alles seit mindestens zwei Jahren klar pro Zukunft Ostrale ausgerichtet ist, sieht die praktische Seite eben anders aus. Kurzer Rückblick: Im Juli 2016 sprach die Stadtspitze öffentlich ihre Überzeugung für die Ostrale aus. Was nicht nur eine Bejahung deren Zukunft war, sondern auch noch eine am angestammten Ort, denn „das Ostragehege ist der ideale Platz dafür“, sagte damals Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) den DNN. Sie fügte ebenfalls an, dass es außerdem keine Absichten gebe, das betreffende Grundstück an private Dritte zu veräußern oder es einer anderen Nutzung als der kultureller Natur zuzuführen. Doch ein Problem blieb: die Finanzierung der Sanierungen. Auch das hatte Klepsch benannt.

Diese Sanierung der Futterställe kostet laut Gutachten gut 13 Millionen Euro. Ob sich diese Summe im Doppelhaushalt 2019/2020 findet, ist bislang eher zu bezweifeln. Über den Etat wird der Stadtrat im November entscheiden, im Dezember der Kulturausschuss über mögliche Förderungen.

Existenzielle Probleme der Ausstellung „seit mehr als zwei Jahren“ bekannt

Die Ostrale war von 2007 bis 2017 jährlich in Dresden daheim. 2018 wechselte sie in einen Biennale-Modus. Wo und wann der Jahrgang 2019 stattfindet, steht in den Sternen. Im Osten also nichts Neues.

Zuletzt hatte vor rund zwei Wochen der CDU-Stadtrat Gottfried Ecke dem Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) per Pressemitteilung anhaltende Untätigkeit in Sachen Ostrale vorgeworfen. Ecke wiederholte dort noch einmal, dass die existenziellen Probleme der Ausstellung „seit mehr als zwei Jahren“ bekannt sind. Dem darf der geschulte Beobachter des Themas hinzufügen: Bekannt ist das schon deutlich länger. Getan hat sich kaum etwas. Was übrigens stark dazu beitrug, dass ein Umzug nach Chemnitz ins Auge gefasst wurde. Häme wegen der Absage von dort wäre übrigens unangebracht. Eine Neuverhandlung in Dresden dürfte auch so schon kompliziert genug sein.

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Die Ostrale, Dresdens große Ausstellung zeitgenössischer Kunst, wird nicht nach Chemnitz umziehen. Das ist das Ergebnis einer dortigen Prüfungskommission, die diesen Plan als zu teuer und zu aufwendig verwarf. Die Zukunft der Ostrale für das Jahr 2019 ist damit ungewisser denn je.

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