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Regional Ostrale Dresden 2017: Besucherrekord und offene Fragen
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07:55 29.09.2017
Die Futterställe, Ort der Ostrale, sind marode und müssen saniert werden.  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Faktisch gesehen, könnte Dresdens Ostrale, die Ausstellung zeitgenössischer Kunst, mit ihren aktuellen Besucherzahlen hausieren gehen. Trotz einer um drei Wochen kürzeren Laufzeit als im Vorjahr wurden 2017 rund 29 000 Besucher gezählt. Was zwar eine Schätzung ist, da die Ostrale noch bis zum Sonntag besucht werden kann. Dennoch zeichnet sich damit ab, dass etwa 4000 Gäste mehr kamen als 2016.

Allein rund 440 Schulklassen besuchten die Schau mit rund 1120 Arbeiten von 165 Künstlern und Gruppen aus 26 Ländern zum Thema „re_form“ auf dem Gelände im Ostragehege, wie es in einer Mitteilung der Ostrale hieß. Anders als früher seien die Altersgruppen stärker gemischt gewesen, sagte Ostrale-Chefin Andrea Hilger. Es habe zudem auch viel internationales Publikum gegeben. „Wir haben Führungen in Russisch, Französisch und Englisch angeboten“, fügte Hilger hinzu. Und man hätte bei Nachfrage sogar noch Chinesisch in petto gehabt.

Die Internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst Ostrale in Dresden steuert bei der Premiere als Biennale auf einen Besucherrekord zu - trotz Verkürzung um drei Wochen. Die Gesamtzahl wird bei etwa 29 000 Gästen liegen.

Auf den ersten Blick ein gutes Ergebnis. Man könnte also meinen: Alles in Butter. Doch wer auch nur am Rande das jahrelange Hin und Her um die Zukunft der Ostrale an ihrem angestammten Ort im Ostragehege mitbekommen hat, der weiß, dass es – folgerichtig, müsste man sagen – nicht bei Erfolgsmeldungen zur Besucherresonanz bleibt. Das Aber folgt auf dem Fuß: Die Macher der Ostrale, die als Biennale weitergeht und 2018 erstmals nicht in Dresden ausstellt (DNN berichteten), wissen bislang weder, wo sie 2019 (wenn die Ostrale wieder in Dresden Station machen soll) ihr Interimsquartier aufschlagen werden noch gibt es maßgebliche Entwicklungen bei der Frage, wie die Ostrale weiter und möglicherweise auch umfassender als bisher finanziell unterstützt werden kann.

Hintergrund 1: Der bisherige Ausstellungsort, die Futterställe im ehemaligen Schlachthofgelände des Ostrageheges, soll saniert werden. Der Umbau könnte 2019 beginnen – mit Blick auf Dresdens Bewerbung als Europas Kulturhauptstadt 2025 sollte es wohl auch nicht sehr viel später geschehen. Nach DNN-Informationen ist die STESAD Gmbh, ein Tochterunternehmen der Stadt Dresden für Stadtentwicklung, mit einer Kostenermittlung für die besagte Sanierung beauftragt worden. Die Zahlen könnten bis Jahresende vorliegen.

Hintergrund 2: 2019 soll die Ostrale wieder in Dresden Station machen, braucht dann aber ein Interim als Ausstellungsort. Es gibt „eine nicht spruchreife Liste“ von etwa zehn Objekten, wie sich gestern aus Äußerungen von Bernd Kugelberg, Schatzmeister der Ostrale.freunde, und Ostrale-Sprecher Tobias Blaurock entnehmen ließ. „Wir sind dazu in guten Gesprächen mit der Stadt“, sagte Hilger. Die Angebote würden genau geprüft. Ohne den Raum zu kennen, in dem die Ausstellung stattfinden soll, könne sie nicht konzipiert werden, fügte Hilger an. Das Problem: Keins der Gebäude sei ohne Mängel, der gute Wille der Stadt aber da, sagte Kugelberg.

Andrea Hilger, Bernd Kugelberg (l.) und Detlef Schweiger. Quelle: Anja Schneider

Hintergrund 3: das liebe Geld. Einerseits ist unklar, aus welchen Mitteln ein mögliches Interim-Quartier in Fragen des Brandschutzes und der Zugänglichkeit für die Besucher ertüchtigt werden kann. Andererseits bleibt „die finanzielle Unterdeckung eines unserer größten Probleme“, wie es Kugelberg ausdrückte. Die Stadt habe die jährliche Förderung auf 82 000 Euro gesteigert, wofür man dankbar sei. Verglichen mit den Subventionen für andere Institutionen in Dresden sei die institutionelle Förderung aber „relativ gering“. Private Sponsoren könnten die fehlenden Mittel der öffentlichen Hand auf Dauer nicht kompensieren, „teilweise wollen sie es künftig auch nicht mehr“. Mindestens 150 000 Euro für die Ostrale kommen von privater Seite, sowohl Geld als auch Sachleistungen, sagte Kugelberg. Ob diese Sponsoren, die alle aus der Region kommen, auch 2018 (im Nicht-Jahr der Ostrale) bei der Stange bleiben, „müssen wir noch klären“. Für eine solide und planungssichere Finanzierung der kommenden Biennale würden jedenfalls , verglichen mit dem Budget für 2017, etwa 180 000 Euro fehlen, rechnete Kugelberg vor. Er machte mit Blick auf die gerade beendete documenta in Kassel auch kurz die Größenordnungen deutlich. „Die documenta hat ein Budget von 37 Millionen Euro, wir haben 1,5 Prozent davon.“

2018 wird das Ostrale-Team die Präsentation zeitgenössischer Kunst in Europas Kulturhauptstadt Valletta (Malta) organisieren. Gezeigt werden sollen ausgewählte Werke der aktuellen Ostrale-Ausstellung. „Biennale heißt nicht, dass wir uns im nächsten Jahr ausruhen“, machte Hilger klar. Sie verwies auch auf Kooperationen mit Breslau 2016) und Pécs 2010, die in Polen und Ungarn in den jeweiligen Jahren ebenfalls schon europäische Kulturhauptstädte waren.

„Wenn wir es nicht schaffen, mit größerer öffentlicher Unterstützung zu arbeiten, können wir uns nicht weiterentwickeln“, lautete das Fazit Kugelbergs mit Blick auf die Zukunft der Ostrale. Dazu gehört weiterhin auch das Ringen um eine bislang ausgebliebene Förderung auf Landesebene. „Die Kontinuität dieser Nichtförderung ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Kurator Detlef Schweiger. Die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen habe einen entsprechenden Antrag erneut abgelehnt. Im Landtag war ein Antrag der Grünen auf institutionelle Förderung der Ostrale im November 2016 von CDU und SPD abgelehnt worden.

www.ostrale.de

Von Torsten Klaus

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