Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
"Orpheus und Eurydike" - Uraufführung am Theater Junge Generation in Dresden

"Orpheus und Eurydike" - Uraufführung am Theater Junge Generation in Dresden

Was ist ein Mythos? Eine Geschichte? Der Versuch, die Welt zu erklären? Eine Art zu denken? Oder "ganz spitz, weil er alles auf den Punkt bringt und immer auch ein bisschen weh tut.

Voriger Artikel
Rauschender Beifall für Donizettis „Liebestrank“ in der Semperoper Dresden
Nächster Artikel
Sven Väth lockte die Ausgehgesellschaft ins Dresdner Kraftwerk Mitte

Christian Pfütze und Ulrike Schuster spielen "Den Sternen so nah - Orpheus und Eurydike" (ab 10 Jahre) im tjg Puppentheater im Rundkino.

Quelle: Klaus Gigga

" Wer Kindern erzählen will, was ein Mythos ist, der braucht solche einfachen Worte. Der kann sagen: "Der Mythos ist überall, wo wir ihn haben wollen: in unseren Sehnsüchten, in unserer Liebe, in unserer Trauer." Der Wiener Autor und Regisseur Christoph Bochdansky ist mutig genug, solche Sätze zu sagen. In seinem Stück "Den Sternen so nah - Orpheus und Eurydike" bringt er einen immerhin ziemlich tragischen Mythos für ein junges Publikum auf die Bühne (ab 10 Jahre) und geht dabei ungewöhnliche Wege.

Denn auf der sparsam ausgestatteten Bühne führen die beiden Spieler Christian Pfütze und Ulrike Schuster die Geschichte vor und schlüpfen zugleich selbst in die verschiedenen Rollen, bangen mit und nehmen kurz darauf wieder Abstand von der uralten Geschichte, die "jeder so erzählt, wie er sie hören will". Ein schlauer Schachzug des Regisseurs, der die Kinder damit einerseits in die Geschichte zieht und ganz dabei sein lässt, andererseits aber auch ein Gefühl dafür vermittelt, dass dieser Mythos eben "nur" erzählt ist. Wunderbar gelingt das etwa, wenn die beiden Spieler den Tod der Eurydike vorführen. Zum grotesk-witzigen Gedicht von der "fiesen Wiese" heben sie schwarze Figuren - eine Schlange, ein Bein, einen Schlangenkopf - wie Schautafeln in die Höhe und demonstrieren damit fast wie im Unterricht die Szene. Am Ende der Szene packen sie die Figuren in eine Mappe, Klappe zu, Schluss, aus, "die Party ist vorbei."

Ein kurzer Moment der Ratlosigkeit, und dann stürzen sich die Spieler wieder mit ganzem Körpereinsatz ins Geschehen und wagen den Weg in die Unterwelt. Ein großer dunkler Schleier zaubert den Fluss Styx eindrucksvoll auf die Bühne, im Wechsel von Schattenspiel, Figurentheater und Schauspielerei entfaltet sich das wilde Geschehen vor den Augen der Zuschauer. Höllenhund Kerberos, die Schatten der Unterwelt, sogar Hades und seine Gattin Persephone sind vom Gesang des Orpheus angerührt und lassen die Seele der Eurydike mit ihm gehen. "Es ist, als hätte jemand ein Fenster geöffnet, seit dieser kleine Sänger-", raunt ein Fisch dem anderen zu, "als kitzelte jemand die Unterwelt am Bauch."

Die beiden Fische sind es auch, die das Ende der Geschichte erzählen, die es durchspielen in seinen verschiedenen Varianten, die ausflippen, als Orpheus seine Eurydike das zweite Mal verliert, weil er sich in seiner großen Liebe doch nach ihr umwendet. Sie geben der tragischen Geschichte einen versöhnlichen und heiteren Schluss. Denn die Liebe verwandelt auch sie auf geheimnisvolle Weise.

tjg Puppentheater im Rundkino, nächste Termine: heute, 2.5., 8./9./10.5., 17.6.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2012

Birgit Andert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr