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Regional Oper "Capriccio" in Richard Strauss' Jubiläumsjahr an der Semperoper
Nachrichten Kultur Regional Oper "Capriccio" in Richard Strauss' Jubiläumsjahr an der Semperoper
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17:20 09.09.2015
Renée Fleming als Gräfin in der Strauss-Oper "Capriccio". Quelle: Matthias Creutziger

Befürworter, damals und heute, sehen in diesem Werk der späten Weisheit von Richard Strauss so etwas wie den Nachklang seines ästhetischen Widerstandes.

Das Stück führt in die Nähe von Paris im Jahr 1775, auf ein Schloss, weitab von aller Wirklichkeit, an einen Fluchtpunkt für die Freiheit der Gedanken und der Gefühle. Hier kann man ungestört eine Diskussion zelebrieren, die am Ende die Frage nicht beantworten wird, mit welchen Maßstäben des sogenannten wirklichen Lebens die Wahrhaftigkeit der Kunst, in diesem Falle die der Oper, zu messen ist.

In Dresden steht "Capriccio" in der Inszenierung von Marco Arturo Marelli seit 21 Jahren auf dem Spielplan, gespielt wird es selten, jetzt zu den Richard-Strauss-Tagen sind zwei Vorstellungen angesetzt, Christian Thielemann am Pult, auf der Bühne eine namentlich hochkarätige Besetzung, die erste der beiden Aufführungen wurde im ausverkauften Opernhaus euphorisch gefeiert.

Marellis Inszenierung im Zeitlupentempo, bei der die Protagonisten meistens etwas verloren am rechten Rand eines scheinbar zu groß geratenen und auffällig kühl wirkenden Raumes sitzen, hält sich ansonsten an Handlung und Vorgaben des Textes, da kommt der Musik weit höheres Gewicht zu als der Szene. Lediglich sieben an die Wand geklebte Scherben eines zu Bruch gegangenen Spiegels könnten auf Assoziationen verweisen, die über die privaten Plänkeleien der Künstler und derer, die es sein möchten, hinaus gehen.

Das Private der Atmosphäre dieses "Capriccio", mit seinen Launen, Grillen und originellen Einfällen, worauf ja der Titel verweist, wird durch den vornehmlich kammermusikalischen Grundgestus des rezitativisch parlierenden Werkes bestimmt. Und somit wird diese Aufführung zu etwas mehr als zwei klingenden Sternstunden der Sächsischen Staatskapelle und ihres Dirigenten.

Der Bogen spannt sich vom fein gewobenen Beginn des Streichsextetts bis zum musikalischen Zauber der "Mondscheinmusik" und dem vom Solohorn umspielten Schlussmonolog der Gräfin, typisch für Strauss, dieser zärtliche Glanz des Verzichts, "Besser kann ich's nicht mehr", soll er in München zur Uraufführung geflüstert haben, als die letzten Töne der Sängerin Viorica Ursuleac als Gräfin verklungen waren.

In Dresden singt Renée Flemmig diese Partie. Auch ihr Gesang nicht als Triumph der Unverletzlichkeit, im Gegenteil, eher getragen von der Fragilität künstlerischer Bewusstheit des beständigen Abschiedes, und jede so gern zitierte Art der "Mühelosigkeit" des Gesanges stünde einer solchen, existenziellen Interpretation entgegen.

Um sie herum ein kraftvolles Ensemble, allen voran Georg Zeppenfeld als Theaterdirektor La Roche, ein wunderbarer, singender Lebensspieler, keine Karikatur, dafür eine glaubwürdige Persönlichkeit mit Brüchen. Mit weniger Spieltemperament, dafür mit ansprechenderem Gesang, sind der Tenor Steve Davislim als Musiker Flamand und der Bariton Adrian Eröd als Dichter Olivier zu erleben.

Eine bodenständige Figur mit satter Tiefengrundierung des Gesanges gibt Daniela Sindram als Schauspielerin Clairon. Kein Wunder, dass Christoph Pohl als Bruder der Gräfin etliche Re-gister seines Baritons zum Klingen bringt um bei dieser klugen Frau zu landen.

Christina Poulitsi lässt als italienische Sängerin aufhorchen, ihr etwas zu aufgedrehter Partner ist Manuel Núñez Camelino. Zum Gesamtbild dieser Ensemble-Oper, deren Fluss und Transparenz für keinen Moment Dank des "Mitspielers" am Dirigentenpult gefährdet ist, gehören Johannes Preißiger in der skurrilen Rolle des vergessenen Souffleurs Monsieur Taupe, Bernd Zettisch als Haushofmeister und acht dienstbare Herren des Opernchores.

nächste Aufführung: 19.11., 19 Uhr

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.11.2014

Boris Gruhl

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