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Regional Olsenbande im Liederabend-Format
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09:45 12.01.2018
Mittendrin: Harry (Jan Mickan), Holm (Mirko Brankatschk) und Jensen (Ralph Hensel).  Quelle: Uwe Soeder

 „Und damit ihnen die Zeit die Zeit nicht lang wurde, sangen sie sich eins.“ So starteten die Bremer Stadtmusikanten ihre reichhaltigen musikalischen Einlagen. Dass die Bautzener Olsenbande singen kann, war bislang nicht so recht überliefert, aber ist nun, seit dem jüngsten Bühnenball im Deutsch-Sorbischen Volkstheater – seit jeher in Kooperation mit dem Sorbischen National-Ensemble ein allseits lukrativer Termin und auch für den regionalen Mittelstand ein gesellschaftliches Ereignis – in aller Munde. Und zwar: mächtig gewaltig.

So erfüllte sich Intendant Lutz Hillmann ein langjähriges Liebäugeln: Er peppte das Showprogramm zu einer eigenständigen Inszenierung auf und hob sie als Premiere zusätzlich in den Spielplan – schlauerweise in der Sauregurkenzeit zum Jahresanfang. So gibt es jetzt für die Olsenbandenfans der Republik eine neue Folge mit völlig neuem, recht schrägem Sujet und neuer Art. Denn „Die Olsenbande und das Gebiss des Grauens“, die durchaus auch den Zusatz „das Gebiss des Gräußlichsten“ oder „des Bräunsten“ vertragen könnte, spielt mit dem Gedanken, was Hitlers Dritte wert sind – irrtümlich abgelegt in der dänischen Reichsregistratur und nur versehen mit der Krankenversicherungsnummer.

Doch eigentlich will Egon Olsen anfangs gar nicht so recht raus, hat er doch im Knast – als edelster Häftling am Dirigierpult – ein Festprogramm für den „Tag der Verfassung“ einstudiert, welches als Höhepunkt Verdis „Gefangenenchor“ mit neuem Text hat: „O sing’ uns von der Zeit, wo fern von Leiden / Egons Geist der Knechtschaft Ketten nicht trug.“ Doch nach der Probe dieser „Königlichen Staatsgefangenenbürgerbühne“ fragt ihn der Gefängnisdirektor nach der künstlerischen Konzeption, denn schließlich kommt Ihre Majestät höchst selbst. Und entlässt ihn vorsorglich.

Weil aber Hillmann aufgrund der Beteiligten „ein musikalisches Intermezzo“ bietet und die wichtigsten Coups aller 13 echten Olsenbandenfilme schon in den drei Sommertheaterinszenierungen eingebaut hat, wovon die dritte Mitte Juni Uraufführung feiert, kommt nun in Bautzen nicht nur ein Olsenbanden-Liederabend, der witziger als jene von Wittenbrink und dessen Nachahmern ist, sondern auch einen neuen Handlungsstrang gebiert: Die Jagd nach des Führers Beißerchen – die zudem die Gabe verleihen, wie der Führer das Volk per Redegewalt in den Bann zu ziehen, weshalb sie viele Millionen wert sind.

Den Beweis tritt ausgerechnet die im Sommer stets als Running-Gag installierte Stolperoma, die immer wieder stört, an: Sie schnappt sich in Form von Gabriele Rothmann das doppelt geklaute Gebiss und hält in Adaption an Chaplins großen Diktator eine mitreißende Rede, ob deren Inhaltslosigkeit sie alle heutigen Parteichefs beneiden. Dazu bietet sie noch „Dänen lügen nicht“, wobei nahezu alle Tränendrüsen wasserfrei gelacht werden. Aber auch anderen Szenen gelingen umwerfend: so die Revierflucht von Dynamit Harry (Jan Mickan) per „Schmidtchen Schleicher“ (Choreografie: Mia Facchinelli), live während des Verhörs von Henning Holm (Mirko Brankatschk) und Viggo Jensen (Ralph Hensel). Dazu kommt eine simple, aber wirkungsvolle Bühnenidee (Miroslaw Nowotny) zum Einsatz: ein Laufband für panoptikumartige Skulpturenbilder, oft als Schattenbild, die dann zu Auf- und Abtritten führen, während Nowotny die große Leinwand dahinter mit Bildern und Filmen bespielt.

Ulla statt Angie

Ansonsten funktioniert der Abend durch die Musikauswahl – und deren Darbietung. Meist witzig, teilweise wirklich gut gesungen, aber auch Rührung stellt sich ein: So als Bennys Ulla (ein schnuckliges Modell aus dem ersten Film – hier in Form von Ana Pauline Leitner) mit dem Wunsch nach dem „Geilen Leben“ abhaut. Worauf dieser, also Istvan Kobjela, mit einem ebenso beeindruckenden „Ulla“ (alias Mick Jaggers „Angie“) antwortet – und sie sich dann beide, so als unerwartetes Ende mittels „Tonight, I Celebrate My Love“ von Peabo Bryson & Roberta Flack wiederfinden. Egon – Olaf Hais als souveräner Bandenchef – landet natürlich wieder im Knast, um dann, schwer geläutert, zum Jailhouse Rock statt Nabucco das Finale zu rocken. Wird genug geklatscht, kommt der Abend auf fast zwei Stunden mit Pause und bietet als Zugabe die Beamten der Reichsregistratur mit „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ den 15. Song eines kurzweiligen Abends.

Die Bande, diesmal recht selten als Trio, wird komplettiert mit Katja Reimann als Yvonne und (etwas überraschend) Torsten Schlosser als Kjeld. Sympathisch auch, dass je nach szenischer Sachlage die Mehrheit des singenden Fußvolkes – wobei etliche Schauspieler recht unterbeschäftigt wirken, was sich allerdings aus dem Rahmenspielplan erschließen lässt – entweder im Knast oder im Staatsdienst beschäftigt sind, und zwar jeweils in Doppelrolle. Selbst Holm und Jensen, zwischendurch als tanzende Verkehrspolizisten mit den vier Tänzern des National-Ensembles, die rings um Tasso Schille an den Tasten und dessen drei Musikern im kleinen Graben tanzen, in Konkurrenz, finden sich anfangs und zum Schluss im Zebraoutfit.

Gewiss ist, dass das derzeit monatlich geplante Zwischenspiel funktionieren wird – zumindest bis zu Sommer, weil dann Hillmann seinen dritten Freiluft-Olsentrumpf aus dem Spielplanärmel zieht: Ab 14. Juno heißt es „Die Olsenbande hebt ab“ beim 23. Bautzener Theatersommer. Im Vorjahr zogen die 34 Vorstellungen über 40 154 Zuschauer auf den Hof der Ortenburg. Nach der Trilogie soll endgültig Schluss sein, so ist versprochen. Je nachdem, wie oft bis dahin noch das gräuliche Gebiss zuschnappt und ob man die beiden eingebetteten Bühnenballaufführungen mitzählt, hätte Bautzen dann in zwei Dekaden mindestens 244 Olsenbandenabende erlebt, von denen nur ganz wenige nicht ganz voll waren.

Doch zuvor warten noch zwei interessante Uraufführungen am Deutsch-Sorbischen Volkstheater auf Publikumsgunst: Die Puppensparte erzählt am 16. Februar auf dem Burgtheater „Die Wahrheit über die Farm der Tiere“ in Fassung von Regisseur Ronald Mernitz. Und am 9. März steht die erste Uraufführung des Theaterpreises namens „Lausitzen“ an: Ralph Oehme aus Leipzig gewann die erste Ausschreibung des gemeinsamen Wettbewerbs mit den Theatern in Senftenberg und Cottbus mit „Lausitzer Quartiere oder der Russe im Keller”, inszenieren wird – zwischen seinen beiden Olsenbandenpremieren – Intendant Hillmann.

Nächste Vorstellungen am 20. Januar, 2. Februar und 31. März (je 19.30 Uhr).

Netzinfos: www.theater-bautzen.de

Von Andreas Herrmann

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