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Regional "Olaf verbessert die Welt" - dafür zieht der MDR ins Festspielhaus Hellerau Dresden
Nachrichten Kultur Regional "Olaf verbessert die Welt" - dafür zieht der MDR ins Festspielhaus Hellerau Dresden
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20:31 09.09.2015
Der Einheizer vom WDR, Marko aus Köln (2.v.l.), verabschiedet das Publikum sowie Olaf Schubert, Öff Öff und Dr. Zack (v.l.). Quelle: Patrick Johannsen

Doch die ungeprobte Show in dem mit großem Aufwand hergestellten Ambiente lief nicht nur zeitlich aus dem Ruder, sondern entbehrte auch oft die üblich locker-legere Spontanwitzigkeit, mit der Olaf Schubert sonst zu begeistern weiß. Das liegt weniger an ihm, sondern an den Gegebenheiten vor Ort, die 450 Leute, darunter zahlreiche Ehrengäste, als lebendige Kulisse hautnah erleben durften. Diese saßen zum Großteil schon eine Stunde vor Sendebeginn auf ihren Plätzen, ehe sie gebeten wurden, um 21.17 Uhr zum "Warm up" wiederzukommen. Die Sachsen taten wie geheißen - und wurden von Marko empfangen.

Marko kommt aus Köln, ist riesig, schlaksig, langhaarig und angezogen wie ein cooler Sozialpädagoge. Er sei der Einheizer, komme vom WDR als Leihgabe, leiste hier "paar Sozialstunden" ab, duzt und lässt duzen und hat das Publikum mit Witz und direkter Ansprache sofort im Griff. Und übt mit allen gemeinsam, wie ordentlicher Beifall geht. Dann erst, 22 Uhr, beginnt für (eigentlich) 45 Minuten die Show.

Während der holprigen Sendung sieht das Publikum vor Ort vor allem das Kleinteilige schlecht. So die Sachen, die Herr Dr. Zack im Labor ausprobiert, oder die komischen Geräte, die Weltverbesserin Judith Holofernes mitgebracht hat. Erstaunlich zudem, wie schwach die Einspielfilme vorproduziert wurden. Vor allem jener, der Dr. Zack auf den Spuren von Öff-Öff zeigt. Kein Wort zu dessen Tauschphilosophie, deren libidösen Auswüchsen oder gar zu dessen Schwierigkeiten bis hin vor Gericht.

Dass Olaf Schubert als überzeugender Anarchist und querschürfender Tiefdenker die Welt verbessern kann, steht außer Frage. Auch wird die nächste Show aufgrund der Erfahrungen der ersten garantiert besser und vor allem straffer. Wenn er jedoch auch das Fernsehen, insbesondere den Heimatsender, verbessern soll, braucht es mehr als 45 Minuten. Und zwar planbar - ohne Überziehung.

Ganz abgesehen davon, dass Quote als Qualitätsstandard kaum taugt, errechneten die Fernsehforscher 230 000 Olaf-Zuschauer und einen Marktanteil von 7,8 Prozent. Das liegt zwar leicht über dem MDR-Durchschnitt des Sonntags, aber bedeutet auch einen Verlust von 160 000 Leuten direkt nach den Abendnachrichten - trotz der livehaften Einblendung mit der Suggestion, die Neuigkeiten sofort ins Programm einzuarbeiten. Eine unbewusste Folge der ungeplanten Zeitverdopplung: Die Doku "Verfolgt von den Nazis" sahen später, ab 0.50 Uhr statt 0.15 Uhr, dann nur noch 20 000 Mitteldeutsche.

Im Live-Chat zur Sendung entspannt sich derweil eine ambivalente Diskussion zwischen Fans und Gelangweilten. Eine Karola Wille fordert um 23.18 Uhr: "Oh mein Gott, ich erkläre die Sendung hiermit als beendet." Und just 23.19 Uhr: "Das hat ein Nachspiel". Der Sender versichert auf Nachfrage, dass dies keinesfalls die Intendantin selbst gewesen sei.

Doch lohnt es sich überhaupt für echte Schubert-Fans, sich dem Farbfernsehregime zu unterwerfen - für rund die Hälfte des sonstigen Live-Show-Kartenpreises? Wohl eher nicht - es sei denn, man will das System Fernsehen selbst erleben und den fulminanten Einsatz von Gebührengeldern direkt kontrollieren. Oder man strebt selbst vor die Linse. Oder aber: Man will Marko aus Köln wiedersehen, der auch während der Show an der Seite stehend gestenreich immer wieder die Stellen zum Beifall markiert. Ihm in seiner schnoddrigen Lässigkeit war auch die Verabschiedung überlassen. Er tat das mit dem ihm eigenen Humor - ob im Bewusstsein, dass er heute der eigentliche Gewinner war, ließ er nicht erkennen. Wetten, dass Marko bald eine eigene Show beschieden wird?! Aber hoffentlich nicht vorm 16. März, denn da folgt der zweite Weltbesserungsversuch vom grünen Hügel am Rande der Stadt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2014

Andreas Herrmann

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