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Olaf Schubert im Revoluzzer-Modus

Filmnächte am Dresdner Elbufer Olaf Schubert im Revoluzzer-Modus

4500 Menschen, alle fein sitzend, darunter rund zwei Drittel männlicher Art, wurden bei Olaf Schuberts Auftritt zu den Filmnächten am Dresdner Elbufer gezählt und waren nach knapp zweieinhalb Show mit Pause hochzufrieden.

Olaf Schubert

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. „Bürger, Deutscher, geboren 1967, Mann“ – so ist er kategorisiert im Netzlexikon, welches sogar Geburtstag und Ursprungsgestalt kennt. Die englische Variante hat noch German Comedian, German musician und – ganz wichtig – living People from Plauen zu bieten. Eigentlich gehörte noch „Vogtländer“ und „Neustädter Urgestein“ irgendwie hinein, denn für seinen Geburtsort kann keiner was – und ein Olaf Schubert gehört als Dresdner nicht auf die Altstädter Seite, auch wenn ab und an der Theaterplatz rief oder „Die Rockys“ das so genannte Stadtfest veralberten.

Aber dort war er ja Michael Rock – und so wie Gabi Schubert seit drei Dekaden bei Dekadance knallharter Trommler. Zum Trommeln kam er als deren Bruder Olaf am ausverkauften Dresdner Elbufer erst ganz zum Schluss – und das recht lahm, wie seine beiden Mitspieler an Bass und Gitarre bemerkten. Wer solche Kollegen hat, braucht keine Freunde – zumal der Hausherr mit Bert Stephan und Jochen M. Barkas an der Seite, allesamt recht verloren auf der riesigen Bühne ohne Bildschirmunterstützung – zuvor genug austeilte und sie als Trio nur recht wenig Musik darboten und er auch sein abschließendes heiländisches Handauflegen im Publikum recht schnell beendete.

Doch das war egal: 4500 Menschen, alle fein sitzend, darunter rund zwei Drittel männlicher Art, was ungewöhnliche Schlangenbildung beim Pinkeln hervorrief, waren nach knapp zweieinhalb Show mit Pause hochzufrieden – für den Maestro des kürzestärmeligen Humors war es vermutlich das bisher größte Heimspiel. Der Mut der Veranstalter, eine reine Comedyshow mit Lokalkolorit in der filmreifen Kulisse der Elbe zu wagen, ward belohnt, wobei die angedrohten Versionen Ballett und Feuerwerk sinnigerweise ausblieben.

Geprägt war die Abendgestaltung von der nur zaghaft melancholischen Freude über den Abschied seiner ewigen Freundin Carola, die nicht von der benachbarten Brücke winkte, weil sie Tag und Nacht vergeblich Schönheitsschlaf hielt – aber das war nur eine Metapher, die schnell echten Weltproblemen wich: Von Kindererziehung über Flüchtlingsproblematik bis zum Stalinismus, aber dann immer wieder auch in menschlich relevantere Gebiete jenseits der männlichen Gürtellinie witzig reisend.

Klare Haltung mit seltener Balance

Als Fazit bleibt: Die Show war ordentlich, dramaturgisch gut vorbereitet, auch die improvisiert wirkenden Elemente gerieten druckreif durchdacht, der Eindruck leichter Fahrigkeit, der manchmal durch diverse mattscheibene Talkformate diffundiert, war hier auf ein, zwei Momente reduziert, die Schubert gewöhnlich durch einen Treiblaut eskalieren lässt. Wie bei nahezu jeder lustigen Vergnügung fällt die Spannung nach hinten etwas ab, was natürlich vor allem an der vorhergehenden Gagdichte liegt. Und man kommt nicht umhin, Schubert trotz klarer Haltung sogar eine gewisse, heute recht seltene Ausgewogenheit zu attestieren – so dass auch das Servicepersonal aller Art herzlich mitlachen konnte. Nur die Werbeeinlage zwischen Schlussapplaus und Zugabe geriet recht obskur.

Die „Sexy forever“-Tour dauert im losen Prinzip noch bis Mitte November, weil sicher überall optimalkapitalistisch das analoge Angebot der geilen Nachfrage unterliegt, springen elektronische Schaufenster in Ohren wie Augen: Im Netzradio ist Schubert bei Sputnik der Freitagmorgenmann, um 7.20 Uhr erinnernd und mahnend zu wecken, auch die Bewegtbildmedien kommen nicht ungebührend um ihn herum: Das ZDF liebt sein Fernsehen (24. August, 20.15 Uhr), der RBB liefert „Das große Kleinkunstfestival“ (16. September, 20.15 Uhr), und unser Heimatsender weiß nach der Bundestagswahl wohl auch nicht mehr weiter. Außer: „Olaf macht Mut“ mit vier 45-Minuten-Folgen ab 19. November (22 Uhr) im Wochentakt.

Größere Chancen auf echte Karten haben heimische Fans aber schon am kommenden Dienstag in Niederau, wo die große Hörspielpräsentationsgala auf der Freiluftbühne Gellertberg läuft. Am 16. Oktober, einen Tag nach dem 90. und sicher besten Geburtstag der Schauburg, gibt es dort die nächste offizielle Stadtrundshow, im Dezember ist komplett „Krippenspiel“-Zeit – von 24 Aufführungen im ganzen Ossiland sind immerhin acht in Dresden (2./3. Dezember in der Scheune und ab 22. Dezember im Alten Schlachthof). Zumindest für Schauburg und Scheune brauchen die Herren nicht einmal ein Fahrrad zur Anreise – wie jetzt am Elbufer.

Wer auf Fortsetzung an frischer Luft hofft, muss nächstes Jahr am 16. August zur großen Garde in den jungen Garten. Warum? Weil – laut Netz – just am hundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution ein sehr rundes Jubiläum droht – welches schon eine Woche später am 14. November von Olafs Geburtstadt gefeiert wird – das Malzhaus hat dafür eigens die Plauener Festhalle angemietet.

Von Andreas Herrmann

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