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Oda Pretzschner und Philipp Lux brillieren in "Eine Sommernacht" am Societaetstheater Dresden

Oda Pretzschner und Philipp Lux brillieren in "Eine Sommernacht" am Societaetstheater Dresden

"Wollen Sie mit zu mir nach Hause und wilden hemmungslosen Sex haben?" Ist ne klare Ansage, von der Männer vielleicht träumen, aber nie zu hören kriegen. Und hat auch Helen, erfolgreiche Scheidungsanwältin mit entsprechend Parfüm und Contenance in Edinburgh, natürlich nicht zu Robert, nein Bob, einem alles andere als gewieften Kleinkriminellen mit einem unerfüllten Lebenstraum, in einer Weinbar gesagt.

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Hier sind nicht nur Flötentöne dramatisch-komisch: Philipp Lux als Bob und Oda Pretzschner als Helen.

Quelle: Detlef Ulbrich

So direkt ist keine Frau mit Klasse. Gesagt hat Helen, die soeben von ihrem verheirateten Lover per SMS versetzt worden war, zu Bob "Wollen Sie sich mit mir betrinken?", auf wilden hemmungslosen Sex insgeheim aber durchaus hoffend.

Es kommt in der Tat zu einer intensiven körperlichen Begegnung, aber guter Sex sieht irgendwie anders. Das, was Oda Pretzschner als Helen und der schlaksige Philipp Lux als Bob in Constanze Kreuschs Inszenierung "Eine Sommernacht" zeigten, war ein für beide Seiten ziemlich enttäuschender One-Night-Stand, dessen Ende beide herbeistöhnten wie -sehnten (O-Gedanken-Ton Helens zu sich selbst: "Ach Gott, er gibt sich so viel Mühe, stöhn wenigstens").

Das wäre nun eigentlich das Ende der Geschichte. Wenn man sich nicht am nächsten Tag zufällig wiederbegegnen würde. Aus einem gemeinsamen Nachmittag wird eine lange, schräg-magische Mittsommernacht, in der sie Gefühle offenlegen, erkennen, dass der Wunsch nach Nähe nicht die einzige Gemeinsamkeit der anfangs scheinbar so unterschiedlichen Charaktere ist. Beide sind 35, unzufrieden mit ihrem Leben. Bob bekommt beim vergeblichen Versuch zu pinkeln von dem, was Mann gern als sein "bestes Stück" bezeichnet, zu hören: "Ich will zwei Hände, an die ich mich gewöhnen kann, die mich durch die Jahre geleiten." Helen, hübsch und zerzaust, verloren und dann doch zielstrebig, hätte diese Hände - und den Rest, den man an einem Menschen schätzen kann, auch. Herz inklusive.

Und so werden sie die 15000 Pfund, die aus einem nicht ganz legalen Autodeal stammen und nicht Bob, sondern an sich seinem (Gangster-)Boss gehören, auf den Kopf hauen. Sie werden auf ihrer Flucht vor depressiver Einsamkeit literweise edelsten Wein trinken, verschütten, an Grufties verteilen, Hummer verputzen, Bob die feuerrote Gitarre seiner Träume kaufen ... Die wahre Liebe schlägt zu, als ob Puck mit Zaubertrank manipuliert hätte.

Was David Greig und Gordon McIntyre mit "Sommernacht" verfasst haben, ist eine Liebesgeschichte mit Slapstick-Hindernissen, Lebensbeichte und Drama ineinander verschränkt, dank Wiederkennungslachern im Minutentakt voller (bitterer) Komik doch kein Schwank, angelehnt an Shakespeares "Sommernachtstraum". Im Klassiker ist es ein Zauberwald, der die Wirrnisse einer Nacht birgt, bei Greig/McIntyre die Großstadt. Das Stück spielt federleicht mit den schweren Fragen, die man sich zumindest im fortgeschrittenen Alter immer mal wieder im Leben stellen sollte.

Lux, Ensemblemitglied des Staatsschauspiels Dresden, und Pretzschner, spielen grandios auf, es ist eine Lust, ihnen zuzusehen. Oft tummeln sie sich in einem Schwimmbecken (das Wasser ist nur knöcheltief, aber es reicht, dass die Feuchte des schottischen Regens auch äußerlich sichtbar ist). Hingerissen verfolgt man, wie sie ihren umwerfend komischen Mittsommernachtsrausch mit Zeitsprüngen nach vorn und zurück mit schnellem Vor- und Rücklauf erzählen. Blitzschnell wechseln die beiden Akteure aus der Chronik der Ereignisse in melancholische und witzige Dialoge und die Rollen sowieso (die dazu notwendigen Requisiten hängen an den beiden Türen rechts und links). Auch die vielen kleinen Regieeinfälle überzeugen. Und die Musik passt in jeder Hinsicht, ist mitreißend, allen voran die Songs der von Bob so geliebten schottischen Indie-Rockgruppe The Jesus and Mary Chain aus East Kilbride.

Nächste Vorstellungen: 9, 10. & 27. März

Karten: Tel. 0351/8036810

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2013

Christian Ruf

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