Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Norwegisches Trio Mediaeval überzeugt mit Gesangskunst

Norwegisches Trio Mediaeval überzeugt mit Gesangskunst

"Feuer Eis" lautet das Motto der Dresdner Musikfestspiele. Feuer und Eis - entweder erlischt das Eine oder schmilzt das Andere.Das Trio Mediaeval, 1997 in Oslo gegründet, zwischenzeitlich neubesetzt, seinem Anspruch an die hohe Gesangskunst aber treu geblieben, lieferte für "La giovinezza - Youth" ("Jugend"), dem neuen Film von Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza"), ein feines Gesangsstück namens "just (after song of songs)".

"Feuer Eis" lautet das Motto der Dresdner Musikfestspiele. Feuer und Eis - entweder erlischt das Eine oder schmilzt das Andere. Am Samstag wurde der Zauber unverhohlen bloßgestellt, denn es muss doch mit den Trollen zugehen, wenn drei Feen in Dresden auftreten, die gerade in Cannes beim Filmfest abräumten!

Das Trio Mediaeval, 1997 in Oslo gegründet, zwischenzeitlich neubesetzt, seinem Anspruch an die hohe Gesangskunst aber treu geblieben, lieferte für "La giovinezza - Youth" ("Jugend"), dem neuen Film von Paolo Sorrentino ("La Grande Bellezza"), ein feines Gesangsstück namens "just (after song of songs)". Im Kleinen Schlosshof freilich erklang nicht diese Komposition von David Lang, hier waren nordische Volksweisen und elektronische Verführung zu hören. Die norwegischen Damen Anna Maria Friman, Linn Andrea Fuglseth und Berit Opheim becircten mit spätem Mittelalter sowie mit seichter Moderne. In ihrem Gesang strömt die schiere Reinheit nordischen Wassers, glasklar sind ihre Töne, die wie von Morgentau und Sternenglanz benetzt wirken.

Ihre Stimmen umranken sich andächtig zart, meditativ entführen sie in Regionen, wo die Welt noch ganz heil zu sein scheint. Aus der kühlen Natur von Island, Norwegen und Schweden werden vokale Feuer entfacht - und plötzlich trifft das Festspiel-Motto das Konzert auf den Punkt. Oder ist es umgekehrt, haben uns diese Fee-Frauen urplötzlich verhext? Ist es der Stimmzauber, der unter dem Glasdach noch nachhallt, von dem wir betört sind?

Den Kontrast zu den Musik gewordenen Fjorden, Geysiren und Mythen bläst der Trompeter Arve Henriksen in den Raum. Mit Interludien und Untermalungen sorgt er für den besonderen Ton in dieser märchenhaften Meditation. Seine elektronischen Zuspiele allerdings wirken seicht bis banal, da tönen die Saiten der Hardangerfiedel und der Blasebalg der Shrutibox authentischer, werden aber nur allzu selten benutzt.

So schön es ist, wenn Künstler sichtlich Freude an ihrem Tun haben, um das Publikum damit anzustecken, so fällt es doch auf, wenn vokaler Präzision instrumental nicht immer standgehalten werden kann. Henriksens Trompetenkunst funktioniert da gut, wo er die Sängerinnen luftig umgarnen kann. Wenn aber vom gräsernen Teppich klanglich zum gläsernen Tanzboden gewechselt wird, ist das Resultat eher fad. Ein stimmmungsvolles Konzert, nur gut achtzig Minuten kurz, nach lediglich einer Zugabe und mit leicht zwiespältigem Eindruck beendet.

Dennoch hat es bewiesen, dass "Feuer Eis" als Motto durchaus passt. Denn die Musik aus dem Norden kann die Kühle auch hitzig angehen. Und wenn "La giovinezza" in die hiesigen Kinos kommt, dürfen wir gern an Manns "Zauberberg" denken, obwohl hier ein Italiener mit skandinavischer Gesangskunst einen amerikanischen Film realisiert hat.

Wie sehr das Trio Mediaeval musikalische Vielfalt und ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum beherrscht, sollte sein gestriger Ausflug auf den Konzertplatz Weißer Hirsch "Im Land der Trolle und Feen" beweisen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.05.2015

Michael Ernst

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr