Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Regional Nicht ohne britischen Humor
Nachrichten Kultur Regional Nicht ohne britischen Humor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 17.05.2018
Ihren 101. Geburtstag erlebte die aus England stammende Dresdner Malerin und Zeichnerin Priscilla Ann Siebert Thornycroft im "Bad der Menge" zur Eröffnung ihrer Ausstellung in der Galerie von Holger John in Dresden. Quelle: Gabriele Gorgas
Anzeige
Dresden

 Wer seinen 101. Geburtstag erlebt, hat einen Tusch verdient. Wenn der Jubilar oder wie hier die Jubilarin fast ihr gesamtes Leben als Künstlerin verbracht hat, liegt es nahe, mit einer Ausstellung auch die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen an diesem seltenen Ereignis. Holger John, mit seinen Räumen ansässig in der Rähnitzgasse am Goldenen Reiter, hatte wie so oft seinen guten Galeristenriecher rechtzeitig in den Wind gestellt und konnte nun pünktlich am Geburtstagstag eine neue umfangreiche Werkschau von und mit Priscilla Ann Siebert Thornycroft eröffnen. In einer gewichtigen Eröffnungsveranstaltung war die Gratulationscour direkt vor Ort fast ebenso umfangreich wie ein Jahr zuvor in ihrem beschaulichen, einfachen Heim. Der Galerist hatte für Spektakel und Musik gesorgt (die Querflötistin Hedwig Matschke erinnerte mit ihrem Instrument indirekt daran, dass auch die Künstlerin darauf spielen kann), auch Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch, Künstlerfreund Peter Graf, Landsmann Christopher Haley Simpson und nicht zuletzt Queen Elisabeth II. mit deutlichen Ähnlichkeiten zu Tom Pauls brachten einen warmen, freundlichen und weltoffenen Ton in den Nachmittag.

Weltläufig gestaltete auch Ann Siebert ihr Leben, über das in den DNN mehrfach berichtet wurde. Ihr Denken und Handeln ist zeitlebens von linken Positionen geprägt, sie engagierte sich in diese Richtung und das führte ihren Weg über die Heirat mit dem deutschen Kommunisten Hans Siebert 1952 nach Dresden. Früh prägte sie ihre eigenständige Bildsprache aus, die z.B. bereits das Bild „Bojen in Yarmouth“ von 1934 zeigt. Was sich Ann Siebert mit ihrer Kunst erarbeitet hat und was diese ausmacht, ist inhaltlich und formal zwischen Narration und Kontemplation, zwischen Symbol, Allegorie und Humor angesiedelt, und bedient sich einer energischen Statik zum Zweck der Überhöhung.

Ein dreigliedriger Grundsatz wird über die Jahrzehnte des künstlerischen Schaffens kontinuierlich beibehalten: Persönliche Erlebnisse, Reflexion gesellschaftlicher Ereignisse, das Transformieren in Bildsprache. Eine für die Ausstellung zusammengetragene Bildreihung wie die Fisch-Meerestier-Formation mit kleinformatigen Ölmalereien in den oberen Räumen der Galerie illustriert das bestens und ist sowohl in jedem Einzelteil als auch in ihrer bildnerischen Geschlossenheit meisterhaft und überzeugend.

Ann Sieberts Kunst bedarf im Grunde keiner Beschreibung, sie erschließt sich durch genaues Hinsehen. In der Ausstellung lassen sich Zeit- und Lebenszusammenhänge aus 80 Jahren erkennen, die mittels Kunst gebündelt und durchaus auch erzählerisch werden, ohne im Detail didaktisch zu wirken. Dass über die Jahrzehnte des Schaffens in einzelnen Bildern immer wieder Gesellschaftskritik sichtbar wird, ist dem Siebertschen Werk immanent. Auch in ihrem Alterswerk bleibt sie sich darin treu, wie das Gemälde „Die falsche Antwort“ von 2013 zeigt.

2014, also ganze achtzig Lebensjahre nach den grandiosen „Bojen von Yarmouth“ (in der Ausstellung zu sehen), malt Ann Siebert das kleine Format „Ende der Vorstellung“, und man erkennt in diesem Bild zweifellos noch die gleiche Handschrift wie in den Frühwerken. Und ihren englischen Humor. Ein Zeugnis für künstlerische Kontinuität, für Aufarbeitung der Vergangenheit und sicher ein Schlüsselbild im Spätwerk der Künstlerin.

Die Aufmerksamkeit für Ann Sieberts Werk in Dresden ist seit vielen Jahren ungebrochen. Mehrere Galerien engagierten sich in den letzten Jahren mit Ausstellungen für das Werk von Ann Siebert. In wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen sind ihre Werke vertreten, und einer umfassenden Werkschau steht nichts im Wege.

Braucht man Stille am Ende des Lebenszirkus‘? Man brauchte Stille nach den Kriegen, meint Ann Siebert.

Ausstellung bis 3. Juni in der Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17, geöffnet Dienstag bis Sonntag 14 bis 19 Uhr

www.galerie-holgerjohn.de

Von Claudia Reichardt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am 18. Mai werden auf zwei Etagen im Flughafen Dresden mehrere Blues, Boogie und Swing-Bands ihre Musik vortragen. Damit die Zuhörer sicher nach Hause kommen, fährt extra eine S-Bahn vom Terminal in die Innenstadt.

16.05.2018

In Semper Zwei, der Experimentierbühne der Semperoper, wurde am Sonntag Johannes Wulff-Woestens Kammeroper „Das Rätsel der gestohlenen Stimmen“ uraufgeführt. In diesem kurzweiligen, für Groß und Klein entworfenen Stück kommt ein Mädchen mit ihrem Hund einem Schurken auf die Schliche, der am liebsten die ganze Welt zum Schweigen bringen will.

15.05.2018
Regional Musikfestspiele Dresden - Ein Sir am Pult

Sir John Eliot Gardiner begeistert sein Publikum mit viel gestalterischem „Paukenschlag“. So auch bei den Dresdner Musikfestspielen, wo er in der Frauenkirche am Pult stand.

13.05.2018
Anzeige