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Regional Neues aus Dresdner Ateliers in der Villa Eschebach
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11:22 02.02.2018
Frank K. Richter-Hoffmann:Das Schweigen der Klarheit, 2015, (o.r): sinnlich wirkende farbige Holzschnitte sind charakteristisch für den Künstler  Quelle: David Brandt
Dresden

 Bereits um zweiten Mal, nach 2015, bietet die Villa Eschebach Mitgliedern des Künstlerbundes Dresden e. V. Raum für eine Ausstellung. Eine Jury hatte dafür aus 120 Bewerbungen – das entspricht rund einem Viertel der Verbandsmitglieder – 27 künstlerische Positionen ausgewählt, vertreten von „gestandenen“ KünstlerInnen, aber ebenso zahlreichen jüngeren, wobei die Spanne der Geburtsjahrgänge von 1940 bis 1983 reicht. Zu sehen sind aktuelle Werke aus Malerei, Grafik, Zeichnung und Fotografie. Der Besucher trifft auf eine vielfältige und qualitätvolle Auswahl von Arbeiten, wobei die Grafik und Zeichnung, aber auch die Fotografie besonders hervorstechen.

Vertreten sind zahlreiche Spielarten abstrakter und konkreter Kunst. Farblich fein abgestimmt und in gelockerter Strenge zeigen sich etwa die Bilder mit sich überlagernden Vierecken (u. a. „Dreiklang“ (2016) von Janina Kracht (Jg. 1964) oder auch Katrin Süss` (Jg. 1964) dezente kreisförmige Papierprägungen. Kann man hier durchaus auch einen konzeptuellen Ansatz erkennen, so ist er bei Jana Morgenstern (Jg. 1967) und Jens Küster (Jg. 1965) – beide arbeiten mit variierenden Stempeldrucken - evident. Gleichwohl erscheinen alle diese Werke und auch die farbigen, eher amorph wirkenden, kunstvollen Holzschnitte von Frank K. Richter-Hoffmann (Jg. 1979) recht sinnlich, keineswegs ausgesprochen streng, wenngleich durchaus klar im künstlerischen Ansatz. Interessanterweise ordnen sich hier auch zwei von der Fotografie herkommende Positionen ein. Das gilt zum einen für Michael Langes (Jg. 1959) großen, dezent farbigen Fotopigmentdruck, der von geometrischen Flächen lebt (o.T. Nr.81 aus „monden der morgen“, 2016). Ähnlich konstruktiv, aber dank Lichtwirkungen eher räumlich angelegt, zeigt sich Luc Saalfelds (Jg. 1975) nach einer Schwarz-Weiß-Aufnahme auf Film entwickelter Farbpigmentdruck aus dem Zyklus „Formstudien“ (2017). Die Vielfalt abstrakter Ansätze spiegelt sich ebenso bei Günter Schöttner (Jg. 1953), in seinen konzeptuell geprägten, aus Fundstücken geschaffenen Assemblagen (Corpus 1, 2016).

In der Villa Eschebach zeigen derzeit 27 Mitglieder des heimischen Künstlerbundes aktuelle Werke der Malerei, Grafik, Zeichnung und Fotografie.

Interessante Positionen findet man auch in einem Spektrum, dass man mit „zwischen Realismus und Surrealismus“ charakterisieren könnte. Der Bogen spannt sich von „klassisch“ inspirierten Landschaften, seien sie von Ulla Andersson (Jg. 1940), die eher die kleine Perspektive wählt (etwa „Das rote Haus“, 2017) – dies gilt auch für Marianne Dextors (Jg. 1942) Zeichnungen von unspektakulären Orten wie dem Güterbahnhof Friedrichstadt -, oder Gabi Keil (Jg. 1970), die das große Elbpanorama auf Leinwand bannt. Ein berückendes „Stillleben mit Geige“ (2016) von Walter Battisti (Jg. 1968), einem Maler, von dem man öffentlich gern mehr sehen würde, erhält dank seiner „fotografischen“ Erscheinung eine surreale Ausstrahlung. Das gilt in anderer Weise auch für Thomas Hellingers (Jg. 1956) schichtenreiche und tiefenräumliche malerische Adaption der Carceri von Piranesi.

Interessant sind in diesem Zusammenhang ebenso einige zeichnerische Positionen: Nadja Poppe, zu den jüngsten Beteiligten gehörend und durch die strenge Schule von Elke Hopfe gegangen, macht mit ihrer sich seit dem Diplom schnell weiterentwickelnden Zeichenkunst Eindruck. Dem Wesen eines Menschen nahe zu kommen, ist wohl nicht zuletzt Anliegen der Kohlezeichnung „Vogel J.“ (2017). Von Weiterentwicklung zeugen auch die körperhaften Felsformationen, die Anne Kern (Jg. 1981) zeichnet (2017).

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Werke einiger der Beteiligten – teils subtile – politische respektive soziale Bezüge aufweisen. Man muss schon genau hinsehen, um etwa in Constanze Hohaus`(Jg. 1967) Farbholzschnitt „Überfahrt am Schreckenstein, nach Ludwig Richter“ (2016) mehr als eine an Werner Wittig erinnernde Interpretation zu erkennen. Aber so ist es: Versteckt in einer zweiten Ebene zeigt sich die Küste der Türkei und das angrenzende Meer mit seinen Inseln. Da ist diese „Überfahrt“ dann sehr gegenwärtig. Und Hans-Jürgen Reichelts (1956) Ätzradierung „Die Frauen verlassen die Stadt“ (2016) lässt schon an die ostdeutsche Situation denken, dass über Jahre besonders junge Frauen den Osten gen Westen verließen, weil sich dort eine Perspektive bot, die es daheim nicht gab. Unbestritten soziale Bezüge enthalten ebenso Christine Starkes (Jg. 1951) Aufnahmen aus der Reihe „DIE SELBSTÄNDIGEN“ (2015/16) oder Anja Kaufholds (Jg. 1967) „Oberbank“ (2015). Letztere zeigt einen Obdachlosen auf einer Bank in Sichtweite der Oberbank.

Wie immer – die Villa Eschebach, Sitz der Volksbank Dresden-Bautzen eG, ist seit 20 Jahren zum wichtigen Ausstellungsort Dresdner Gegenwartskunst geworden – lohnt sich der Gang in die Räume am Albertplatz, wo zu den aktuell Ausstellenden auch Marion Kahnemann, Karen Koschnik, Mirjam Moritz, Maja Nagel, Katharina Probst, Gabriele Seitz, Juliane Vesting und Theresa Wenzel mit ihren ansehenswerten Arbeiten gehören. 2019 wird am selben Ort erneut „Neues aus Dresdner Ateliers“ zu sehen sein.

Bis 1. Dezember, Mo, Mi 8.30 – 16.00 Uhr, Di, Do, 8.30 – 18.00 Uhr, Fr 8.30 – 13.00 Uhr.

Von Lisa Werner-Art

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