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Neue Malerei von Sebastian Glockmann im Zahnärztehaus Dresden

Zwischen Lichtrhythmus und Schattenraum Neue Malerei von Sebastian Glockmann im Zahnärztehaus Dresden

Am Fluss gehts weiter“ heißt es programmatisch bei einer Ausstellung von Sebastian Glockmann im Zahnärztehaus Dresden. Das klingt wie eine Aufforderung zu einem Spaziergang an den Ufern der Elbe zwischen Königstein, Meißen und Riesa – da, wo der Maler häufig seine Motive findet.

Sebastian Glockmann: Lichtung am Pfaffenstein, 2015, Öl auf Leinwand.

Quelle: Repro: Ralf Woehling

Dresden. „Am Fluss gehts weiter“ heißt es programmatisch bei einer Ausstellung von Sebastian Glockmann im Zahnärztehaus Dresden. Das klingt wie eine Aufforderung zu einem Spaziergang an den Ufern der Elbe zwischen Königstein, Meißen und Riesa, wo der Maler häufig seine Motive findet. Die ständige Bewegung von Licht und Schatten, der weite unbebaute Raum vibriert und antwortet im Mikadospiel glitzernder Streifen und Spiegelungen. Der Blick wandert in die Tiefe der schichtweise übermalten Farbzonen, sucht und löst sich wieder aus dem Taumel der Linie und dem malerischen Strich, die in einem Gespinst den Raum in sich hineingezogen haben. Dieser Sog „schwarzer Löcher“ dimensioniert das Bild, macht es zu einem Malkörper mit eigener Existenzberechtigung.

Seit einigen Jahren arbeitet Sebastian Glockmann vor der Natur mit Ölfarbe auf Leinwand. Was früher sicher und schnell im Aquarell vollbracht wurde, entwickelt sich nun über mehrere Wochen nach immer wieder neu ansetzender Sitzung vor Ort. Wiederholte Besuche des Motives sind notwendig. Bis dahin hat sich vieles schon verändert, so dass der Maler nicht nur den Raum malt, sondern auch dessen zeitliche Veränderung. Mehrere Ebenen kommen ins Bild, mehrere Lichtsituationen, Schattenbildungen, die Reflexion der sich verändernden Vegetation, das Spiel der Wolken und die Höhe des Sonnenstandes. Glockmann analysiert, komponiert und reduziert im Wechsel zwischen dem Landschaftsmotiv und seiner Abstraktion, formt um, auch das eigene Nachdenken über den Lichtraum und sein sphärisches Gerüst.

Das Erlebnis vor Ort ist immer wichtig, obgleich Skizzen und nur wenige Fotos gemacht werden. Das Draußen-Sein ist Glockmanns Element. Die Liebe zur freien Natur, das Interesse am Landschaftlichen, das er sich erwandert und genießt. Auch Botanik, Dendrologie, Geologie, Wetter und der Reiz großer Ausblicke. Dort kommt er bei sich selbst am besten an. Waldeinsamkeit, Stille und Unberührtheit im Thoreauschen Sinne bestimmen seine intensiven Naturerlebnisse. Alles geht durch ihn hindurch, ganzheitlich, unisono.

Man spürt, dass für den Maler die räumlich-malerische Seite des Naturraumes entscheidend ist. Das Motiv wird (von Juni bis Mitte Oktober) während des täglichen und jahreszeitlichen Lichtrhythmus, der Höhe des Sonnenstandes, der Bewölkung und des Schattenwurfes, manchmal auch von unterschiedlichen Standpunkten aus beobachtet und mit sicheren Pinselstrichen festgehalten. Dabei wählt er oft einen schattigen Platz, um den Lichtraum klar zu erfassen. Wiederholung und oft das gleiche Motiv führen zu einer bildlichen Vertiefung und Verdichtung, gleichsam wie ein subjektiv aufgefasstes, malerisches Dokument des natürlichen Landschaftsausschnittes. Glockmanns Bilder bilden damit ein poetisches Archiv von reflektierten Naturzuständen, von dem man in der Ausstellung einen guten Überblick erhält und der bis in die Anfänge seiner für ihn jetzt typischen Handschrift zurückreicht. Das sind die Jahre 2000 bis 2006, in denen er noch mit dem konkreten Naturraum experimentiert und real-erkennbare Zustände auf die Leinwand projiziert.

Licht erscheint in Gestalt zersplitterter Farbstreifen, die einander durchdringen und überlagern, kreuz und quer zu „Lichthaufen“ geschüttet, die wie Fänge funktionieren, in die sich die Gegenständlichkeit zurückgezogen hat. Das Auge des Betrachters vollzieht diesen Prozess nach, analysiert und baut das Bild neu zusammen. Titel fungieren als topografische Begriffsstützen, die als Leitmotiv dienen, das mit Hilfe des einmal selbst Gesehenen den Vergleich mit Glockmanns Optik wagen soll.

Raumzwischenzustände werden in den Interieurs mit Ausblick thematisiert, von denen eines als „Brückenbild“ gilt, das 2006 entstand und die noch unentschiedene Phase zwischen Gegenstand und Abstraktion berührt. Eine Draufsicht auf Früchte und eine Karaffe kreuzt sich mit dem Blick aus dem Fenster („Interieur mit Ausblick“) auf einen Hausgiebel, der sich im geöffneten Fenster spiegelt. Eine subtile Raumsituation, die ein intensives Sich-Einsehen verlangt, weil die Fokussierung mehrmals wechselt und den Gegenstand synchron in einem Zeitmoment von vielen Seiten betrachtet. Sebastian Glockmann gelangt mit seinen neuen Ölbildern und Aquarellen zu einer Unaussprechlichkeit, die nur durch verbale Annäherung und ein Kreisen um den Gegenstand gemindert werden kann.

Bis 29. September. Zahnärztehaus Dresden, Schützenhöhe 11; Mo, Di. Mi, Do, Fr 14-16 Uhr

www.zahnärzte-in-sachsen.de

Von Heinz Weißflog

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