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Musikfestspiele: Hartmut Haenchen dirigiert Konzert in der Dresdner Frauenkirche

Musikfestspiele: Hartmut Haenchen dirigiert Konzert in der Dresdner Frauenkirche

Auch wenn Hartmut Haenchen viele Jahre seiner dirigentischen Laufbahn nicht in Dresden verbracht hat, ist er ohne seine Geburtsstadt nicht denkbar. Kreuzchor und Musikhochschule waren seine frühen Dresdner Stationen, später wagte er die Rückkehr in ein eigenes Haus, das ihn an die Stadt nicht fesselt, aber doch heimatliche Bindungen schafft.

Großen Ruhm erwarb er sich mit einer unglaublichen Arbeitsleistung vor allem in den Niederlanden, deren Staatsbürgerschaft ihm ehrenhalber verliehen wurde. Von 2003 bis 2008 war er Intendant der Dresdner Musikfestspiele, die ihm jetzt erneut eine Plattform für ein Gastdirigat boten. Es wurde im Vorfeld als Geburtstagskonzert bezeichnet, weil er in vor einigen Wochen seinen siebentes Lebensjahrzehnt vollendet hat. Die Kraft, über die er verfügt, lässt daran eigentlich zweifeln. Vielleicht hält Dresden jung; zumindest aber könnte die kulturträchtige Atmosphäre der Stadt dafür sorgen, dass Glanz nicht so schnell verblasst.

Zwei Werke seines Konzerts in der Frauenkirche hatten Verbindung zum imperialen Thema der diesjährigen Festspiele. Zunächst erklang Joseph Haydns Sinfonie Nr. 95 c-Moll, die dritte seiner so genannten Londoner Sinfonien. Haenchen, der als jahrzehntelanger Chef des Kammerorchesters C.P.E. Bach bewiesen hat, dass er die Musik der Übergangsperiode zwischen Barock und Klassik meisterhaft beherrscht, ist in der Fortsetzung, also der frühen Klassik, ebenso souverän. Haydns Sinfonie lebt aus dem ständigen Wechsel von Piano und Forte, aus einem heiteren Grundton, dem Kontrast zwischen eleganter Leichtigkeit und kraftvollem Triumph. Verblüffend und von Haenchen wohl auch absichtsvoll verdeutlicht ist der Charakter dieser Sinfonie ähnlich dem der 5. Sinfonie Beethovens, die zufällig auch in c-Moll steht und am Ende nach C-Dur aufhellt.

Noch einmal England begegnete uns gleich in doppelter Hinsicht, denn der Engländer Benjamin Britten hat mit dem Titel "Lachrymae" eine Melodie des englischen Lautenisten John Dowland in mehreren "Reflections" zunächst für Viola und Klavier und 1967, kurz vor seinem Tod, für Viola und Streichorchester verarbeitet. Das Werk beweist nicht nur, was ein guter Komponist aus einer einzigen Melodie machen kann. Es zeigt auch, welche Farben und Stimmungen exzellente Interpreten zum Klingen bringen können. Tabea Zimmermann, eine der besten Bratschistinnen der Gegenwart, spielte so, dass man den Eindruck gewann, ihr Instrument führe einen Dialog mit sich selbst. Schwebend, geisterhaft, unwirklich war ihr Klang, schwer fassbar die Tonalität des Klagelieds Dowlands in Brittens Darstellung.

Am Schluss zeigte Haenchen, dass er zu den wenigen Dirigenten gehört, die trotz großer Orchesterbesetzung die Probleme des Raums beherrschen. Aber auch die Königliche Philharmonie Stockholm war intensiv gefordert und musste teils mit extremer Zurückhaltung, teils mit eruptiver Klangfülle spielen, um Franz Schuberts Sinfonie Nr. 8 D 944 gerecht zu werden. Haenchen begann mit gut dosierter Vitalität und ließ die Einzelstimmen mit erstaunlicher Klarheit erklingen. Der Grundzug seines Dirigats orientierte nicht in erster Linie auf Schönheit. Die gab es durchgängig auch, war aber dem Ausdruck der Musik nachgeordnet. Manchmal schien Haenchen das Orchester regelrecht anzupeitschen, an anderen Stellen ließ er die Melodik frei strömen oder den pochenden Rhythmus dominieren. Das Publikum war davon höchst angetan und zeigte es unverhohlen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.06.2013

Peter Zacher

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