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Regional Musiker des Bandhauses Reick suchen Ausweichquartiere – kaum Unterstützung durch Stadt
Nachrichten Kultur Regional Musiker des Bandhauses Reick suchen Ausweichquartiere – kaum Unterstützung durch Stadt
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17:58 09.09.2015
Die jetzigen Nutzer des Bandhauses Reick möchten in der Kaitzer Straße 2 ein Probe- und Künstlerhaus einrichten. Quelle: Tanja Tröger

Zwar gebe es auf der Kaitzer Straße ein Wunschobjekt, die Stadt hat dem jedoch einen Riegel vorgeschoben. Als Übergangslösung schauen sich die Musiker auf dem privaten Wohnungsmarkt um.

Am liebsten würden die Musiker, die derzeit noch im Bandhaus an der Reicker Gasanstaltstraße 10 proben, geschlossen in ein neues Domizil umziehen. Ein Objekt dafür haben sie bereits im Auge: die Kaitzer Straße 2 nahe des Hauptbahnhofs. Auf dem knapp 3000 Quadratmeter großen Grundstück stehen zwei miteinander verbundene Gebäude, die insgesamt rund 1200 Quadratmeter Nutzfläche bieten – genügend Raum für viele Künstler. Zudem sind alle Zimmer ähnlich groß. Und das Beste: Das Haus ist gut von der Nachbarschaft abgeschirmt, sodass sich die Musiker wenig Sorgen um Lärmbelästigung machen müssen.

Ein Künstler- und Bandhaus an der Kaitzer Straße

[image:php3619efc04a201307011132.jpg]An der Kaitzer Straße wolle man deshalb ein Künstler- und Probenhaus für verschiedene Kreative etablieren, so Bandsprecher und Pianist Jan Kossick. Das Konzept sieht vor, dass im Seitengebäude, im Keller und Erdgeschoss vorwiegend Proberäume für nicht-kommerzielle Bands und Solisten entstehen. Für ausreichenden Lärmschutz wollen die Musiker sorgen. In den oberen Etagen des Haupthauses wäre Platz für Ateliers, Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Ein Verein soll das Gebäude betreiben.

Ihr ausgearbeitetes Nutzungskonzept haben die Musiker Ende Mai bei der Stadt und dem Immobilienverwalter Stesad eingereicht. Die Stesad hatte das Gebäude zur Vermietung oder zum Kauf angeboten und mit verschiedenen Interessenten Besichtigungen durchgeführt. Wenige Tage, nachdem die Musiker ihr Nutzungskonzept abgegeben hatten, erhielten sie jedoch die Nachricht, dass nun das städtische Liegenschaftsamt für das Haus Kaitzer Straße 2 zuständig sei und das Gebäude auch nicht mehr vermietet, sondern nur noch verkauft wird. Jan Kossick findet das sehr merkwürdig: „Noch vor vier Wochen hätte die Stesad vermietet, und plötzlich ist das Liegenschaftsamt zuständig und will verkaufen?“

Gebäudezustand: Marode oder nicht?

Die Stadt Dresden als Besitzerin begründet ihren Veräußerungswunsch mit dem baulichen Zustand des Hauses: „Die Gebäude auf dem Grundstück Kaitzer Straße sind in einem Zustand, der eine Vermietung in nutzbarem Rahmen nicht zulässt. Bei Neunutzung müssten Sanierungen durchgeführt werden, für die der Eigentümer rechtlich verantwortlich ist und bleibt, für die aber im städtischen Haushalt keine Mittel eingestellt sind.“

Das schätzen die Musiker, die das Objekt besichtigt haben, völlig anders ein: Bausubstanz, Elektrik und Rohre seien gut in Schuss, weil das Gebäude bis 2011 durch den sächsischen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) genutzt wurde. „Es gab keine gravierenden baulichen Mängel, welche zum Auszug führten. Der Landesverband benötigte einfach mehr Platz, dies hätte in der Kaitzer Straße zu einem erhöhten Investitionsbedarf geführt“, teilte DRK-Sprecher Torsten Wieland auf Anfrage von DNN-Online mit.

„Einzig eine zweijährige Nichtbelüftung hat einen muffigen Geruch hinterlassen. Elektrik, Wasser und Heizung muss überprüft und gegebenenfalls erneuert werden, vermutlich auf Mieterkosten“, schreiben die suchenden Bands auf ihrer gemeinsamen Internetseite. „Ein Fernwärmeanschluss ist möglich. An einer Ecke des Hauses ist im Untergeschoss die Wand feucht, da von außen Erde anliegt. Lässt sich aber gut beheben.“

Gern würde der in Gründung befindliche Verein aus Musikern und Künstlern das Haus kaufen und teilte der Stadt umgehend seine Absichten mit. Die antwortete, dass die Immobilie 2014 öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben werden soll. Zu spät für die Musiker, die bereits Ende Juli aus ihrem Reicker Probehaus ausziehen müssen.

Alternative: Privater Wohnungsmarkt und Zerstreuung der Gruppe

Um im Sommer nicht völlig auf der Straße zu sitzen, suchen die Musiker nun auf dem privaten Immobilienmarkt. Das bedeutet höchstwahrscheinlich, dass nicht die gesamte Gemeinschaft aus dem Bandhaus Gasanstaltstraße in einem Gebäude unterkommen kann.

Zahlreiche Objekte haben sie schon besichtigt, darunter den alten Amtsschlachthof im Ostragehege sowie Gebäude in der Bremer, Löbtauer und der Eisenbahnstraße. Während es etliche Jahre und große Geldsummen kosten würde, den verfallenen, unter Denkmalschutz stehenden Amtsschlachthof wiederzubeleben, könnte das frühere Bürogebäude an der Eisenbahnstraße ein passables Quartier abgeben. Einige Bands und mehrere Künstler würden sich dort gern einmieten. Dazu müsse jedoch erst noch mit dem Eigentümer über die Höhe der Miete verhandelt werden.

Im "Volume 11" an der Löbtauer Straße können sich seit Februar 2011 Musiker stundenweise in Proberäume einmieten. Quelle: Tanja Tröger
„Die beste Option für uns ist derzeit die Löbtauer Straße 80“, berichtet Jan Kossick nach dem Besichtigungsmarathon. In einer Etage des schmucklosen zweistöckigen Baus betreiben drei Dresdner seit zweieinhalb Jahren das „Volume 11“, eine Art Stundenhotel für Musiker. Bands und Solisten können sich dort zeitweise in ausgestattete Proberäume einmieten. Das Erdgeschoss und das zweite Obergeschoss sind jedoch noch frei. Insbesondere die Räume im Parterre „werden wir wohl auf jeden Fall nehmen“, so Bandhaus-Sprecher Kossick. „Allerdings müssen wir uns noch mit den Betreibern des ’Volume 11’ abstimmen.“

Drewag bietet ebenfalls Ausweichquartiere

Die Drewag, Vermieterin des Reicker Bandhauses, hatte den Musikern zwei Ausweichquartiere angeboten: eine frühere Wärmeübertragungsstation an der Melissestraße in Gorbitz und ein ehemaliges Büro- und Kulturhaus in Heidenau. „Wir wollen den jetzigen Mietern auch weiter Raum und Platz bieten, deshalb haben wir uns gedreht“, sagte Drewag-Liegenschafts-Mitarbeiter Henry Worrich gegenüber DNN-Online. Er freue sich besonders, dass das Energieunternehmen Enso den Künstlern die Heidenauer Immobilie anbietet. „So eine kleinteilige Vermietung muss man erst mal wollen.“

Allerdings ist die Lage des Gebäudes sowohl Vor- als auch Nachteil: Zwar kämen viele Bands unter und die Musik würde keine Nachbarn stören, gleichzeitig hätten die Musiker jedoch einen weiten Weg zu ihren Proben. „Die Größe des Hauses von 525 Quadratmetern ist ideal für uns, aber es liegt einfach zu weit weg“, so Jan Kossick. An dem mit etwa 200 Quadratmeter großen Objekt in Gorbitz hätten hingegen bereits einige Bands Interesse bekundet.

Tanja Tröger

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