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Musen und Sapphos Töchter

Von Appen und Bock von Lennep in der Galerie Mitte Musen und Sapphos Töchter

Die jetzige Zusammenschau von Plastiken und Zeichnungen in einer Ausstellung der Galerie Mitte verblüfft durch ihren hohen ästhetischen Wert. Beide Künstler, die seit vielen Jahren eng verbunden leben und arbeiten, harmonieren mit ihren Werken auf besondere Weise...

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Blick in die Ausstellung und „Schatten sind wir“.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. Die jetzige Zusammenschau von Plastiken und Zeichnungen in einer Ausstellung der Galerie Mitte verblüfft durch ihren hohen ästhetischen Wert. Beide Künstler, die seit vielen Jahren eng verbunden leben und arbeiten, harmonieren mit ihren Werken auf besondere Weise: Sacht umgeben von minutiösen Bleistiftzeichnungen mit imaginären Landschaften von Dieter Bock von Lennep strecken sich die grazilen, zum Teil klassisch aufgefassten Plastiken von Veronica von Appen in den Raum. Ein antikes Lebensgefühl schiebt sich hier in die Moderne, überlagert sie. Feine Geistigkeit der Formen erfüllt in einem Ensemble von patinierten Gipsfiguren und Büsten den Augenblick der Betrachtung.

Orpheus und Euridike

Orpheus und Euridike

Quelle: Heinz Weißflog

Im Hintergrund locken ferne Gestade, Meer und Weite, Schiffe und zerborstenes Eis, unterschiedliche Wolkenbildungen und seltsame Geschiebe des Himmels, Strände, die sich wellen und falten wie Papier, Sehnsuchtsländer und verbotene Zonen, „terra incognita“, wie Bock von Lennep eine seiner wichtigsten Bleistiftzeichnungen nennt. Tausendfache Strichsetzungen führten zu jenen plastischen, wie Drucke wirkende Landschaften, die den Grundraum für Veronica von Appens Plastiken bilden. Der Natur und dem Meer verbunden, entstanden so in den vergangenen Jahren hunderte von maritimen Stücken, auch farbige, auf die der Künstler aber hier verzichtete, um die Schwingungen der Plastiken nicht zu übertönen. Bock von Lennep entwickelte ein „apokalyptisch-surreales Konzept“, das Phantasie und Realität miteinander verknüpft. Imaginäre Räume öffnen sich und ziehen den Blick des Betrachters in die Tiefe des Bildes. Eisige Stille scheint alles einzuhüllen, Weiß und Schwarz zerfließen in ein oft fein abgestuftes Grau und seinen Verschattungen. Feinstrichige Strukturen lassen Mikro- und Makro-Optik in einander übergehen.

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung: Die Musen.

Quelle: Heinz Weißflog

Vor den bildhaften Fonds stehen in zwei Gruppen Veronica von Appens Büsten und Ganzfiguren, darunter auch Torsi und deformierte Plastiken im milden Fleischton des patinierten Gips. Die Figuren der Musen und die klassisch aufgefassten Köpfe der Töchter Sapphos entstanden 2015: Eumeika, Timas, Dika, Anaktoria, Kleis und Tana sowie die Dichterin selbst, die aus dem sizilianischen Exil in ihre Heimat Griechenland auf die Insel Lesbos zurückkehrte, um Mädchen der Aristokratie zu unterweisen und auf ihr Leben vorzubereiten. Und schließlich die Gruppe der Musen, darunter Ganzkörper und Büsten von Melpomene, Thalia (Komödie), Terpsichore (Reigentanz), Euterpe (Flötenspiel), Erato (Liebesdichtung) und im klassischen Sinne auch Sappho, die antike Dichterin par excellence, die nach Plato als zehnte Muse gilt. Ihre Figuren entwickelt Veronica von Appen aus der Mitte des Körpers, ganz dem Leitspruch ihrer Tanzlehrerin Gret Palucca folgend. Die bewusst zerstörten Gesichter mancher Plastik haben ihren Grund in der Bedrohung der Musen durch Gewalt und Krieg, Vertreibung und Flucht, die bis heute anhält. Das sind Zeichen der Sympathie Veronica von Appens für die Musen, die, wie sie sagt, auch unter den Flüchtenden sind.

Die Werkgruppe unter dem Titel „Schatten sind wir“ (2014) stellt eine Reihe von solitären Plastiken dar, die wie Gewandungen und Faltenwürfe wirken und sich in den Raum drehen. Sie sind in einer speziellen Technik aus künstlichem Marmor, dem Scagliola (eine Art Stuckmarmor) geschaffen, der leichter zu bearbeiten ist als Stein und Skulpturales und Plastisches vereint. Die gefurchten Figuren haben etwas Schattenhaft-Geheimnisvolles, das dem Tänzerischen abgelauscht scheint. Schemenhaft flüchtig gleiten sie in den Raum und verlassen ihn wieder. Das Anliegen der Künstlerin, die selbst schwer erkrankt ist, hat vor allem eine existenzielle Dimension und zeigt die Vergänglichkeit und den Tod als etwas zum Leben Dazugehöriges.

bis 5. August. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Kontakt: 0351 459 00 52

geöffnet: Di-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr

www.galerie-mitte.de

Von Heinz Weißflog

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