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Multimediale Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz

Multimediale Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz

Scholz (geb. 1958), der in Striesen und Blasewitz seine Kindheit und Jugend verlebte, sich aber inzwischen in der Welt umgesehen hat, kehrt mit einer Ausstellung in der Alten Feuerwache Loschwitz e.

Der Maler Wolfgang H. V. vorübergehend in seine alte Heimat zurück: Was er da "im Gepäck hat", kann sich durchaus sehen lassen, aber mit einigen Abstrichen.

Der wache Künstler arbeitet multimedial als Maler, Zeichner, Filmemacher, Fotograf und Videoinstallateur und führt im besten Falle alles zu einem Kunstwerk zusammen. Das Multitalent Paul Klee gab ihm darin eine wichtige Orientierung, besonders seine Gedichte, von Musik inspiriert.

Die eher kleine Ausstellung vor Ort hat einen gewissen Witz und Charme, denen man sich nicht entziehen kann. Lange Zeit arbeitete der Künstler an seinen Serien "Köpfe" und "Figuren" (um 2004) als Fotografie, Malerei und Zeichnung. Das in der bildenden Kunst beliebte Thema erfährt bei Scholz eine besondere Ausprägung: Allein die Fotografie und der Film, die eine Schlüsselposition in seinem Werk einnehmen, bezeugen den Experimentator auf der Suche nach Formen und ihrer Verfremdung.

Fünf Leute vom Elbhang hatten sich für eine schwarz-weiße Porträtfolge bereit erklärt, darunter die Galeristen Angelika Makolies und Gunter Ziller, die Regisseurin Helga Maria Uhlig, der Ortschronist und Sänger Bernd Beyer, die Buchhändlerin Susanne Dagen und der Publizist Dietrich Buschbeck.

Ihr hoher Bekanntheitsgrad vor Ort kam dem Experiment zugute. Wolfgang H. Scholz montierte die linken und rechten Gesichtshälften jeweils für sich und platzierte das unbearbeitete Foto in die Mitte ("Left-Right Faces"). Die Idee der stereometrischen Verfremdung ist zwar nicht neu, aber hier in ihrer Konsequenz erheiternd und komisch.

Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet eine Videoinstallation, die als "Begrüßung" (Saludos cercanos) gedacht ist und in das innere Labyrinth von Wolfgang H. Scholz' Gedankengebäude einführt: Isabel Beteta De Cou und Citlali Quintero Mejia (Mexiko) tanzen dort vor einer Leinwand, auf der ein Film läuft, der durch die Choreografie beider kommentiert wird.

Der Film zeigt u.a. spielende Kinder, akkurat in Reih und Glied tanzende Mädchengruppen, die an sportliche Massenveranstaltungen erinnern, durch die Luft bretternde Flugzeuge und einen Bulldozer, der dabei ist, auf grausame Art ein Waldstück zu vernichten. Ein sich anmutig bewegender Arm, die flügelschlagende Hand und der schöne, sich drehende Kopf einer Tänzerin leiten die Sequenz ein und führen als Rahmenhandlung auch aus ihr wieder heraus.

Die realistisch-digitale Fotoserie "Mexican Portraits" zeigt Freunde und Bekannte, eine indigene Haushälterin, einen Lehrer für die aztekische Sprache, die Inhaberin eines Friseursalons und einen Jungen aus Mexico City, die Wolfgang H. Scholz ab dem Jahr 2000 auf Reisen durch das zentralamerikanische Land kennenlernte. In seiner Malerei bevorzugt er neben abstrakten, eher anonymen Köpfen die Konstellation von Figuren, die Ausdruck eines Affektes oder einer Beziehung sind und oft allegorisierend wirken.

Einige Köpfe allerdings haben mich malerisch nicht überzeugt, sind hingepappt und in ihrer Schemenhaftigkeit nicht konsequent zu Ende gedacht. Die Bleistiftzeichnungen äußern sich ebenso wie Ölpastelle und Öl/Acrylbilder zum Thema Kopf und Körpersprache, daneben aber behauptet sich die großflächige, informelle Arbeit "Abschied/Ankunft" (1989/2013), in der Scholz eine symbolische Bilanz von über zwanzig Jahren zieht.

Wolfgang H. Scholz studierte an der Abendschule der HfBK Dresden 1982-85 Malerei und Grafik, danach Graphologie in Leipzig. 1989 reiste er nach München aus. 1990-91 hatte er einen Lehrauftrag an der Hochschule für Film und Fernsehen.

Seit 1994 lebt und arbeitet er als Maler, Grafiker, Fotograf sowie als freiberuflicher Filmregisseur in Mexiko City, München und Dresden. Er erhielt zahlreiche internationale Preise, darunter den Platinum Rom Award für den Kinodokumentarfilm "Das Bild in mir" (2010). Heinz Weißflog

ibis 14. April. Alte Feuerwache Loschwitz e.V., Fidelio-Finke-Straße 4, geöffnet So-Do 12-18 Uhr, Kontakt: Tel. 0351/267 86 26

www.feuerwache-loschwitz.de .

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.04.2013

Heinz Weißflog

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