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Mo’ Blow gaben in der Tonne eines ihrer letzten Konzerte vor der Auflösung

Abschied Mo’ Blow gaben in der Tonne eines ihrer letzten Konzerte vor der Auflösung

„Full throttle“ lautet die Devise des Wahl-Liverpoolers Jürgen Klopp für den FC der Stadt. Full throttle – mit Vollgas, volle Kanne – hieß es schon immer für Felix Falk, ehemals Musik-Student in Liverpool. Dort, an der Mersey, gründete der Berliner 2001 seine Band „Sahnefunk“ mit Musikern von Paul McCartneys Pop-Uni LIPA.

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Mo’ Blow mit v.l. André Seidel (drums), Tobias Fleischer (bass), Matti Klein (keys) und Felix Falk (sax & perc) lösen sich auf.

Quelle: PR

Dresden. „Full throttle“ lautet die Devise des Wahl-Liverpoolers Jürgen Klopp für den FC der Stadt. Full throttle – mit Vollgas, volle Kanne – hieß es schon immer für Felix Falk, ehemals Musik-Student in Liverpool. Dort, an der Mersey, gründete der Berliner 2001 seine Band „Sahnefunk“ mit Musikern von Paul McCartneys Pop-Uni LIPA. Und startete gleich durch mit einer ersten CD mit Eigenkompositonen.

Nach Falks Rückkehr nach Deutschland blieben Stil, Name, Einsatz – die Bandmitglieder wechselten. Die neue Formation besuchte 2005 auch unser aller Tante Ju. Lieferte eine Show ab, die bis heute in allerbester Erinnerung ist – gerade angesichts einer überschaubaren Zuhörermenge. Und ich gehe jede Wette ein: Jeder einzelne, der damals dort war, wird das ebensowenig vergessen haben wie ich.

2007 Umbenennung in Mo’ Blow, die Bandmitglieder Matti Klein am Fender Rhodes, Tobias Fleischer am E-Bass und André Seidel stehen mit Felix Falk bis heute auf der Bühne. Bis zum 22. Oktober. Dann nämlich findet das Abschiedskonzert statt, im Columbia Theater Berlin. Mo’ Blow lösen sich auf. Das Konzert in der Dresdner Tonne – teilweise mitgeschnitten von arte – war das drittletzte.

Auf ihrer Webseite heißt es unter „farewell“, dass sie immer alles gegeben hätten, aber in letzter Zeit gemerkt hätten, dass es schwierig würde, dass alle Vier stets die gleiche Kraft und Energie aufbringen und deshalb – ganz oder gar nicht – lieber Schluss machen würden. Wer danach nun glaubte, die Chemie in dem Quartett würde nicht mehr stimmen, der wurde jetzt in der Tonne eines genial Besseren belehrt! Fast noch energiegeladener als zuvor, mit einer Spielfreude, als gäbe es wahrhaftig kein Morgen, gab Mo’ Blow zwei Stunden lang Vollgas. Stücke quer durch die vergangenen 15 Jahre, dominiert meist von Falks Saxofon(en), die so viele Geschichten erzählen, das aber stets unter der gleichen Überschrift: „Move!“ Entsprechend war im Kellergewölbe vor der Bühne eine Tanzfläche freigelassen worden, die auch schnell genutzt wurde. Die Rhythmen gehen in die Beine, wer dabei nicht wenigstens mitwippt, ist vermutlich schon klinisch tot.

Vom schieren Dynamit von „Slingshot“, bei dem Tobias Fleischers Bass pulst wie eine Lebensader, über Old-School „Mac Tough“ zum schier unglaublichen „Ray / Count XVII“. Ruhig und tief geht das los – sehr tief für Falks Tenor-Saxofon, das zwischenzeitlich wie eine Posaune klingt. Fast verhalten, spürt man die geballte Energie dahinter. André Seidel deutet die Drums nur an, Matti Klein spielt leise, schöne E-Piano-Töne – und alle vier steigern sich. Steil hinauf geht das und schießt dann davon wie ein Fluss im Gebirge.

Nein, diese Band funktioniert nach wie vor wie ein Organismus. Die vier spielen sich die Bälle nur so zu, jeder bestrebt, das Ergebnis noch ein bisschen lebendiger, live-haftiger, besser zu machen. Und so muss man ihre Entscheidung, getrennte Wege zu gehen, wohl einfach akzeptieren. Vermutlich ist es besser so, als wenn sie warten würden, bis Differenzen (auch) auf der Bühne spürbar würden.

Sanft-einfühlsam erklingt das Sopran-Saxofon bei „Papas Pancakes“, rockig kommt der „Rocket Swing“ um die Ecke – und mit einem ihrer ersten Stücke „Ricky the Lobster“ verabschieden sie sich in die Pause. Fast sphärisch beginnt das, mit leisem Bass und rauschenden Drums, setzt sich dann in Bewegung – seitwärts, natürlich – wird schnell und kraftvoll.

Im zweiten Set erst recht keine Gefangenen. Nach jedem Song greift Falk sich ein Handtuch vom Stapel, um den Schweiß abzuwischen – die Musik ist schlichtweg körperlich. Über „Fried Chocolate“ geht es zu „Along Came Mac“, geschrieben für Nils Landgren, der bei der CD-Einspielung auch die Posaune gespielt hat, auf die man an diesem Abend leider verzichten muss. Aber auch so pulst das Stück kraftvoll-hintergründig, und die Töne, die Falk mit dem Sopran-Sax hält, sind faszinierend.

Zu „Call Me Mitroy“ gehört die witzige Geschichte eines Konzerts in Russland, nach dem Trinkfestigkeit gefragt war und an das sich ein zweiter Auftritt anschloss, bei dem der deutsche Botschafter um vier Uhr früh die Bühne enterte und einen Tanz hinlegte, wie ihn niemand jemals zuvor gesehen hatte. Entsprechend steigert das Stück sich massiv von schwebend zu stampfend zum Chaos, deutet einen russischen Tanz an.

Zweite Wette: Jener Botschafter wird die Band garantiert genauso vermissen wie wir.

Von Beate Baum

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